Diskussion um Fluglärm wird wieder lauter

Diskussion um Fluglärm wird wieder lauter

Die Lärmbelastung durch Kampfmaschinen hat sich in den letzten Jahren stark verringert, erklärt die Bundeswehr. Die Bürgermeister aus Kell und Hermeskeil sagen, dass dieses Problem in der Region schon schlimmer war. Widerspruch kommt allerdings von einer im saarländischen Teil des Hochwalds beheimateten Bürgerinitiative.

Hermeskeil/Kell am See. Die Reize der Hochwaldlandschaft haben es Edgar Schneider angetan. "Ich bin passionierter Wanderer und habe vor zwei Jahren nach Rascheid gebaut", sagt der Rentner. Doch eins trübt seine Freude an der neuen Heimat: "Lärmende Kampfbomber sind bei schönem Wetter ständige Begleiter."

Die Beschwerden bei der Flugbetriebs- und Informationszentrale auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn hätten bislang nichts genutzt. Pünktlich um 8 Uhr morgens gehe es los. Manchmal würden die Jets auch noch abends über den Himmel donnern. Er erzählt, dass er auf seinen Wanderungen bereits Touristen getroffen hätte, die ihm erklärten: "Hier kommen wir nicht mehr hin. Fluglärm können wir auch zu Hause haben."

Die Belastungen seien schon schlimmer gewesen, meint hingegen der Keller Verbandsgemeinde-Bürgermeister Werner Angsten. Er hatte sich im Jahr 2004 persönlich bei den US-Militärs in Spangdahlem beschwert, weil seinerzeit die Flugübungen über dem südwestdeutschen Raum für sehr viel Lärm am Himmel gesorgt hätten. "Im Vergleich zu damals ist der Fluglärm jetzt eher gefühlt", sagt Angsten heute. In letzter Zeit hätten ihn auch keine Beschwerden mehr erreicht.

Sein Amtskollege Michael Hülpes sagt für Hermeskeil: "Das Problem hat stark abgenommen."

Nur noch im Sommer, bei schönem Wetter und bei speziellen Luftübungen, gingen Beschwerden bei ihm ein. Die Schließung des Flughafens Bitburg habe sich bemerkbar gemacht. Er werde aber sofort intervenieren, wenn es wieder schlimmer wird. Anders sieht das Gerd Barth: "Herr Schneider aus Rascheid hat recht. Der Lärm ist nicht weniger, nur anders geworden", sagt der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) Nonnweiler, die nicht nur gegen eine Mülldeponie im saarländischen Nachbarort von Hermeskeil kämpft (der TV berichtete mehrfach). Die Nonnweiler Aktivisten arbeiten eng mit der BI gegen Fluglärm mit Sitz in Landstuhl zusammen.

Dort spricht man davon, dass sich in Südwestdeutschland der Fluglärm um sieben Prozent erhöht hat. Die BI hat 2010 insgesamt 2369 "Lärmereignisse" durch Kampfjets in Rheinland-Pfalz und im Saarland gezählt. Sie macht für den Krach hauptsächlich US-Piloten von der Airbase Spangdahlem verantwortlich. Für die BI spielen aber auch die großen, lauten Transportmaschinen, die auf dem US-Militärflughafen Ramstein starten und landen, eine wichtige Rolle für das Lärmproblem.

Die BI verfolgt die Lärmereignisse minutiös, zählt Überschallknalle, misst die Schalldrücke in Dezibel, fotografiert oder filmt die Kampfjets mit genauen Uhrzeiten und veröffentlicht alles im Internet. "Rasenmähen ist mittags verboten, Kampfjetfliegen offenbar nicht", kritisiert Vorstandsmitglied Patrick Fey. Die Militärmaschinen würden mittlerweile zwar meistens in größeren Höhen fliegen, dafür drehen die Jets aber häufiger über einem Gebiet ihre Runden. "Das verursacht ein langes, dumpfes Gedröhne von rund 65 Dezibel. Das ist ein Geräuschpegel wie 15 Meter neben einer stark befahrenen Autobahn", sagt Fey.

Alle Flugbewegungen über bundesdeutschem Gebiet laufen im Zentralrechner von Oberst Hans-Ludwig Rau auf dem Fliegerhorst Köln-Wahn zusammen. Er sagt: "Der Tiefflug bis 300 Meter über Grund ist bundesweit von 80 000 auf 4000 Stunden reduziert worden. Die Beschwerdelage sei jedoch gleich geblieben. Es habe sich ein harter Kern von Menschen gebildet, die immer wieder gegen Fluglärm protestieren, so seine Einschätzung.

Kontakt: Das Beschwerdetelefon der Luftwaffe hat die Nummer 0800/8620730. Die Bürgerinitiative hat im Internet die Seite www.fluglaerm-kl.de eingerichtet und ist telefonisch unter 0631/45610 erreichbar. ExtraDas sagt ein Mediziner: Dr. Ortwin Zeis, praktischer Arzt aus Hermeskeil, hat bereits mehrere Lärmgutachten geverfasst. Er weiß aus seiner Praxis: "Bei Lärm kann es gerade bei der Kriegsgeneration zu psychischen Problemen kommen." Über die Psyche können sich die Probleme auf die Organe übertragen und zu körperlichen Symptomen führen. Seine Patienten aus dem Hochwald würden bislang jedoch nicht vermehrt über Beschwerden durch Fluglärm klagen. (doth)

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