Diskussion um Fördermittel: Per Aufzug zur Freudenburg?

Dorfentwicklung : Diskussion um Fördermittel: Per Aufzug zur Freudenburg?

Der Ortschef ärgert sich über die Lokale Aktionsgruppe Moselfranken. Die fordert, dass die Gemeinde ihren Rundwanderweg zu den Relikten jüdischen Lebens barrierefrei gestaltet, um Fördergeld zu bekommen. Unbezahlbar, meint der Ortsbürgermeister.

Es hätte eine normale Ortsgemeinderatssitzung werden können, wurde es aber nicht. Freudenburgs Ortsbürgermeister Bernd Gödert zeigte sich in der Sitzung sichtlich angefressen. Anlass: Der Tagesordnungspunkt mit dem Titel „Historischer Rundweg, Toilettenanlage Dorfplatz, Weiher, Förderung aus Leader-Mitteln“.

Der Ortschef gab den Ratsmitgliedern die Entscheidung der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Moselfranken über eine 55-prozentige Förderung und Bezuschussung des Projekts bekannt. Die LAG hat demnach den Antrag der Ortsgemeinde, so wie er eingereicht war, nicht genehmigt beziehungsweise zur eventuellen Neuvorlage/Nachbesserung an die Ortsgemeinde zurückgeleitet.

Das LAG-Entscheidungsgremium hat laut Protokoll seiner Novembersitzung Bedenken, dass ein zu großer Teil der förderfähigen Kosten auf den Bau der behindertengerechten Toilettenanlage entfällt. Die Anlage soll rund 110 000 Euro und der historische Rundweg rund 15 000 Euro kosten. Stattdessen regte die LAG an, den Rundweg mit vollständig barrierefreier Wegeführung zu planen und gleichzeitig die förderfähigen Kosten auf den behindertengerechten Teil der Toilettenanlage zu reduzieren.

Zu einer behindertengerechten Wegeführung sagt Gödert: „Aufgrund der topografischen Gegebenheiten in Freudenburg ist das schlicht unmöglich.“ Solle zur Burg eine Brücke gebaut werden oder ein Säulenaufzug?, fragt der Ortschef. Die Burg selbst wäre dann immer noch nicht barrierefrei. Gödert versteht auch nicht, wie die starke Steigung in der Maximinstraße, die zum jüdischen Friedhof führt, behindertengerecht überwunden werden soll. Mit einem Treppenlift? Verärgert stellt Gödert klar: „Da würden Kosten für die Ortsgemeinde entstehen, die nicht aufzubringen sind!“ Hunderttausende Euro, so schätzt er, kämen da zusammen. Dem TV sagt Gödert, er sei zum einen überrascht über die Entscheidung der LAG, denn vonseiten der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion sei das Projekt in trockenen Tüchern gewesen. Zum andern sei er enttäuscht. Gödert: „Zu unserem Bedauern hat die LAG Moselfranken die Wertigkeit ausschließlich auf Finanzielles ausgerichtet.“ Das Thema „Geschichte erleben“ sei zu kurz gekommen und das in der heutigen Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus die Schlagzeilen füllten.

Der historische Rundweg soll die Besucher zu den mittelalterlichen und neuzeitlichen Zeugen der jüdischen Geschichte Freudenburgs führen. Zum Ort gehörte einst eine große jüdische Gemeinde. Heute liegt dort der nach Wittlich zweitgrößte jüdische Friedhof der Region Trier. Der Rundweg soll vom neu gestalteten Dorfplatz unter anderem zum Synagogenplatz führen, der an das frühere jüdische Gotteshaus an gleicher Stelle erinnert. Weiter geht es zu einem der beiden Freudenburger Privathäuser, in dem sich heute noch ein jüdisches Ritualbad befindet. Dann kommen der jüdische Friedhof und die 24 Stolpersteine auf dem Marktplatz. Laut Konzept sollen diese Sehenswürdigkeiten den Besuchern auf Infotafeln erklärt werden. Nicht nur Touristen, auch Schülern könne so die Historie und die Wirkung von Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus nähergebracht werden, heißt es.

Siegfried Büdinger, als Beigeordneter der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell mit am Tisch, konnte die Wogen nur begrenzt glätten. Seiner Einschätzung nach soll der Antrag der Ortsgemeinde „ziemlich fehlerbehaftet“ gewesen sein. Er wies darauf hin, dass der Antrag nicht generell abgelehnt sei, so dass es die Möglichkeit gebe, in allen Punkten neu zu denken und Anpassungen vorzunehmen. Laut Schreiben der LAG gebe es dazu bis zum 1. April Gelegenheit.

Aus den Reihen des Rats kam während der Sitzung der Vorschlag, den Bau der Toilettenanlage unabhängig von der Entscheidung der LAG voranzutreiben. Damit würde der förderfähige Teil, der die behindertengerechte Ausführung der Toilettenanlage betrifft, aus einer möglichen Förderung herausfallen. Die Toilette ist auch für Wanderer auf dem neuen Weg König-Johann-Runde und für Bewohner der Seniorenresidenz Marienpark gedacht. Rat und Ortsbürgermeister waren sich darin einig, dass aufgrund geplanter Veranstaltungen und zu erwartender Besucher die Zeit dränge und das Projekt zeitnah in Angriff genommen werden sollte.

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