Dittmar Lauer "Wer hat Angst vorm bösen Wolf?"

Buchvorstellung : Hochwälder Autor auf den Spuren des Wolfs

Heimatforscher Dittmar Lauer hat das aktuelle Thema aus historischer Sicht aufgearbeitet. In seinem Buch, das jetzt im Hermeskeiler Naturparkhaus vorgestellt worden ist, entwickelt er eine interessante Theorie.

Der Schuss fiel aus der Büchse des Försters Wilhelm Tesch auf Hilscheider Bann am 14. Januar 1879. Die Kugel traf den letzten seiner Art im Hochwald. Der Wolf war damit in der Region ausgerottet.
Bücher über Wölfe gibt es viele. Heimatforscher Dittmar Lauer hat ein neues geschrieben. Er hat Wissenswertes zum Thema aus vielen Quellen in Archiven zusammengetragen und in seinem Buch „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ eine interessante Theorie entwickelt. Sich vernünftig mit dem Thema auseinanderzusetzen und dabei die historischen Quellen und die Denkweise einer anderen Zeit zu verstehen, seien die Motive gewesen, die ihn dazu veranlasst hätten. das Buch zu schreiben, sagt Lauer.

Zum Thema Wolf durchforstet wurden von Lauer unter anderen das Landeshauptarchiv in Koblenz, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin und das Archiv der Fürsten zu Salm-Reifferscheidt-Dyck  im Schloss  Ehreshoven.
Fast 50 Menschen folgten der Einladung zur Buchvorstellung ins Naturparkhaus in Hermeskeil.
In ihrer Begrüßung beruhigte die Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, Gudrun Rau: „Der Wolf geht nicht auf den Menschen zu, sondern ihm aus dem Weg.“ Es sei der Mensch, der sich gegenüber der Natur entfremdet habe.
Was den Autor wundert: „Man könnte glauben, dem Wolf müsste jetzt der rote Teppich ausgerollt werden.“ Während Schafszüchter von den Neuankömmlingen weiterhin wenig begeistert sein dürften, gebe es andererseits eine regelrechte Euphorie.

Lauer zitiert die Buchautorin Elli Radinger, die angeblich Wölfe küsst und mit ihnen kuschelt. Sie beschreibe in ihrem neuen Buch „Die Weisheit der Wölfe“ und oute sich als „Wolfaholic“, was zu der Erkenntnis führe: Der Wolf ist doch der bessere Mensch. Dabei sei die Verfolgung dieser als Bestie verschrieenen Tierart über Jahrhunderte gnadenlos gewesen und sei in den meisten Fällen nur als Tierquälerei zu beschreiben: Die Mittel der Wahl seien Vergiftung, Wolfsangel, Wolfsgrube oder auch Jagdhunde gewesen. Zur Wolfsangel ist in Wikipedia nachzulesen: „Die mit Widerhaken versehenen Enden wurden mit Ködern bestückt und an einem Baum so hoch aufgehängt, dass der Wolf danach springen musste, um zuschnappen zu können. Der Wolf blieb mit dem Fang hängen und verendete unter langen schweren Qualen.“
Und es hätte doch so einfach sein können, sich gegen den Wolf zu wehren, wie Lauer aus einem Buch von Pater Odilo Schreger aus dem Jahr 1766 zitiert: „Es geht auch mit einem lauten Pfiff, mit der Jacke wedeln oder Funken mit zwei Feuersteinen schlagen.“ Aber Wölfe seien wie Hexen verfolgt worden, so Lauer. Der Autor fragt: „Wann kommt der Wolf zurück?“
Die Herrschenden gaben seiner Meinung nach vor, mit der Verfolgung von Wölfen die Untertanen zu schützen. Denn die Bauern hätten ihre Tiere in die Wälder getrieben, wo sie mehr Nahrung als auf den Feldern gefunden hätten, aber gleichzeitig hoch gefährdet gewesen seien. Denn der Nahrungskonkurrent Wolf hätte ja auch Hunger gehabt. „Ein Stück Vieh zu verlieren bedeutete ja früher, dass das Überleben gefährdet war“, gibt Zuhörer Bernhard Mühlhaus aus Hermeskeil zu bedenken.
„In der Diskussion um den Wolf fehlt es an Ausgewogenheit“, findet Lauer. „Wenn es einmal eine Überpopulation geben sollte, müssen auch für diese streng geschützten Tiere Regelungsmechanismen greifen“. Geschichten, dass Wölfe kleine Kinder fressen, seien nicht dokumentiert, die Ernennung von amtlich bestellten Wolfsfängern und die Einführung von Abschussprämien sehr wohl, erläutert Dittmar Lauer. Bereits Karl der Große habe im Jahr 800 damit angefangen, Wolfsjäger sogar in den  Beamtenstatus zu erheben. Mit Napoleon und König Friedrich Wilhelm von Preußen hätten weitere Größen der Geschichte in den Kampf gegen das angebliche Untier Wolf eingegriffen.
Gudrun Rau empfiehlt, sich Wölfe einmal im Freigehege in Merzig oder an der Wildenburg anzusehen. Und sie fügt an: „Es gibt auch noch viele andere bedrohte Tiere.“