Dorf Hochwald: Staatsanwalt klagt an

Hermeskeil/Trier · Es war das touristische Großprojekt in Hermeskeil schlechthin, scheiterte 2011 kläglich und wird nun ein juristisches Nachspiel haben: Die Staatsanwaltschaft Trier hat den Geschäftsführer der Dorf-Hochwald-Gesellschaft wegen Betrugs angeklagt. Obwohl sie kein Geld für ihre Pläne an der Ex-Kaserne hatte, beauftragten die Dorf-Hochwald-Macher zwei Firmen. Deren Rechnungen von mehr als 800 000 Euro bezahlten sie aber nicht.

2011 platzten die Pläne für das Tourismusprojekt Dorf Hochwald an der Hermeskeiler Ex-Kaserne wie eine Seifenblase. Nun hat die Staatsanwaltschaft Trier die Verantwortlichen wegen Betrugs angeklagt.TV-Foto: Archiv/Axel Munsteiner

Hermeskeil/Trier. Die frühere Hochwaldkaserne in Hermeskeil steht nicht nur wegen der aktuellen Diskussion über die dort mögliche Unterbringung von Asylbewerbern im Mittelpunkt des Interesses (siehe Bericht unten).
Auch bei der juristischen Aufarbeitung eines vergangenen Geschehens auf diesem Gelände gibt es Neuigkeiten. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft wurde bei dem Tourismus-Projekt Dorf Hochwald, das im Frühjahr 2011 wegen der Pleite der Investoren scheiterte, strafbar gehandelt. Dessen Macher müssen nun damit rechnen, dass sie sich vor Gericht verantworten müssen.
Wie die Staatsanwaltschaft Trier am Dienstag auf TV-Anfrage mitteilte, hat sie nach einem längeren Ermittlungsverfahren Anklage wegen Betrugs erhoben.
Nach Auskunft des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen richten sich die Vorwürfe gegen den ehemaligen Geschäftsführer der Dorf-Hochwald-Kommanditgesellschaft. Darüber hinaus soll ein Mitgesellschafter wegen Beihilfe zum Betrug zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Macher der Dorf-Hochwald-Gesellschaft hatten im Herbst 2009 erstmals ihre Pläne für die zivile Nachnutzung der Ex-Garnison präsentiert, aus der Ende 2006 die letzten Soldaten abgezogen waren.
Sie wollten die frühere Kaserne und den dazugehörigen Übungsplatz für rund 25 Millionen Euro in eine große Hotel- und Freizeitanlage mit bis zu 1000 Betten umwandeln.
Um die Jahreswende 2010/2011 wurde dann aber bekannt, dass die Dorf-Hochwald-Gesellschaft finanziellen Schwierigkeiten hatte.
Der TV deckte damals auf, dass die Investoren dem Bund als damaligen Eigentümer des Militärgeländes trotz Ablauf einer Frist nicht einmal den im Mai 2010 vereinbarten Kaufpreis von 1,6 Millionen Euro gezahlt hatte. Ende März 2011 eröffnete dann das Amtsgericht Trier das Insolvenzantragsverfahren gegen die zahlungsunfähige Dorf-Hochwald-Gesellschaft.
Die Strafverfolgungsbehörde begründet ihre aktuelle Anklage damit, dass die Beschuldigten damals Verträge mit zwei Auftragnehmern geschlossen hatten, "obwohl die Finanzierung des Projekts nicht gesichert und die Zahlung der Honoraransprüche der Auftragnehmer nicht gewährleistet war", so Fritzen.
Die beiden Firmen hätten anschließend auch "im Vertrauen auf die Leistungsfähigkeit der Gesellschaft" umfangreiche Architekten- und Ingenieurleistungen erbracht. Die später von den Firmen ausgestellten Rechnungen wurden von den Beschuldigten aber nicht bezahlt. Laut Fritzen belaufen sich die offenen Forderungen auf insgesamt über 800 000 Euro.
Das nach der Anklageerhebung zuständige Landgericht Trier hat über die Eröffnung des Hauptverfahrens bisher noch nicht entschieden. Daher gibt es auch noch keinen Verhandlungstermin.
Die Ex-Kaserne wurde nach dem Scheitern des Dorf Hochwald-Projekts im Frühjahr 2011 an die private Immobiliengesellschaft Viresca mit Sitz in Treis-Karden (Kreis Cochem-Zell) verkauft.