Dorfgeschichte: Zeitreise in die Wiltinger Vergangenheit

Dorfgeschichte: Zeitreise in die Wiltinger Vergangenheit

Zum 28. Mal veranstaltete die Volkshochschule (VHS) Wiltingen einen Vortrag, der sich mit der Geschichte des Ortes auseinandersetzt. Erstmals wurde auch ein 25-minütiger Film gezeigt, der das Leben in Saarburg und Umgebung in den 1960er Jahren porträtiert.

Wiltingen. Der ehemalige Winzerkeller in Wiltingen ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als Referent Thomas Müller seinen Vortrag beginnt.
Der hauptberufliche Pressereferent der Kreisverwaltung Trier-Saarburg bezeichnet sich selbst als Heimatforscher. Seit 1995 beschäftigt sich Müller mit der Geschichte von Wiltingen. Das sei tatsächlich aus einer Bierlaune heraus entstanden. Niemand kümmerte sich bis zu diesem Zeitpunkt wirklich um die Dorfgeschichte. Also machte sich Müller mit ein paar anderen an die Arbeit. Heute hat er über 2000 Fotos und weiteres Material gesammelt. Inzwischen wurde auch ein Gemeinde -und Pfarrarchiv eingerichtet, das er ehrenamtlich betreut. Und es gibt einen Geschichtslehrpfad. Alles wird über Spenden finanziert.
Müller beginnt seinen Vortrag mit ein paar alten Fotos aus den 1930er Jahren, die einen Einblick in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg geben. Etwas später sind schon Bunker und Befestigungsanlagen, die vom Westwall stammen, zu sehen. Ein Luftbild, das ein Aufklärungsflugzeug der Amerikaner gemacht hat, zeigt deutlich die Schützengräben am Saarufer.
Dann folgt ein Sprung in die 60er Jahre. Müller hat beim offen en Kanal in Trier einen historischen Film über Saarburg und Umgebung entdeckt, in dem auch Wiltingen eine Rolle spielt. Anfang der 1960er Jahre baute die Winzergenossenschaft hier eine Weinkelteranlage, die zum Zeitpunkt ihrer Eröffnung eine der modernsten in Europa war.
Der Film zeigt auch die damals neue Kuag in Konz und die Arbeiten, die die Mosel schiffbar machten. Es ist aber der Originalkommentar des Films, dessen Sprache im Publikum für so manchen Lacher sorgt.
"Es ist beeindruckend für mich zu sehen, was damals als modern galt", sagt Thomas Müller und weist auf den Strukturwandel hin, den die Region damals durchmachte.
Nach einem Ausflug in die Geschichte des Scharzhofs ist der Sportverein Wiltingen das Thema, der vor wenigen Tagen sein 90-jähriges Jubiläum feierte. "Eigentlich ist der Verein 91 Jahre alt", weiß Müller. Er hat Dokumente gefunden, die auf eine Gründung im Jahr 1921 hinweisen. Im Beschlussbuch des Wiltinger Gemeinderates steht zum Beispiel, dass dem Verein keine Gemeindewiese zur Verfügung gestellt wurde, da diese als Futterplatz genutzt wurden. Eine Anekdote von vielen an diesem Abend.
Zweimal im Jahr findet eine Veranstaltung dieser Art statt. Die nächste ist für April geplant. Dann geht es um alte Häuser, die bereits aus dem Ortsbild verschwunden sind. Zudem ist auch ein einstündiger Rundgang geplant. Ein weiteres Projekt ist ein Kirchenführer zur Wiltinger Pfarrkirche, der noch in diesem Winter erscheinen soll. mwi