Dorfladen steht weiter leer

In Bescheid haben sich die Hoffnungen auf eine rasche Wiedereröffnung des geschlossenen Dorfladens zerschlagen. Zwei Frauen aus dem Ort hatten ursprünglich Interesse gezeigt, das Geschäft in der Dhrontalstraße 4 zu übernehmen (der TV berichtete). Nun haben sie aber der Gemeinde, die Eigentümerin des für 500 000 Euro sanierten Hauses ist, abgesagt. Die Suche nach einem neuen Ladenbetreiber geht damit weiter.

Die Zukunft des Dorfladens: Das war in der Sitzung des Bescheider Gemeinderats das mit Abstand wichtigste Thema. Als Ortsbürgermeister Raimund Olinger - unter anderem nach der Verabschiedung des Forsthaushalts 2013 - zu diesem Tagesordnungspunkt kam, machte er zunächst eine kurze Pause. Doch dann rückte Olinger mit der traurigen Nachricht heraus. Irmgard Bohr und Margret Newel, die beiden Frauen, die Interesse an der Übernahme des Geschäfts gezeigt hätten, seien abgesprungen. Irmgard Bohr begründet die Entscheidung auf TV-Anfrage so: "Wir hätten ein größeres finanzielles Risiko eingehen müssen, ohne zu wissen, ob es sich später für uns rechnet, wenn wir den Dorfladen betreiben."
Er bedauere diese Entscheidung sehr, betonte Olinger und ließ anschließend die bisherige Entwicklung rund um das gemeindeeigene Haus in der Dhrontalstraße 4 noch einmal Revue passieren. "Am 18. Januar 2012 sind wir mit viel Euphorie gestartet", sagte er den Ratsmitgliedern und einer Handvoll Zuhörern. Damals wurde in Bescheid ein großes Einweihungsfest gefeiert. Die Gemeinde hatte zuvor eine halbe Million Euro in die Sanierung und den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes im Dorfkern investiert, das sich bis dahin in einem maroden Zustand befand. Das Land beteiligte sich mit 260 000 Euro an dem Projekt Mehrgenerationenhaus.
Diesen Titel trägt das Vorhaben, weil die Gemeinde im ersten Stock einen größeren Multifunktionsraum als Anlaufstelle für alle Altersklassen im 400-Einwohner-Ort einrichtete. Der zweite zentrale Baustein bei diesem Vorhaben war der im Erdgeschoss des Hauses untergebrachte Dorfladen mit einer Verkaufsfläche von etwa 150 Quadratmetern. Damit sollten die Grundversorgung für die Bürger und die Infrastruktur im Ort verbessert werden.
Doch schon acht Monate nach der Einweihungsfeier folgte das böse Erwachen. Als der bisherige Pächter Ludwig Welter am 30. September das Geschäft schloss, sei das "ein schwarzer Tag" gewesen, betonte Olinger.
Welter, der seit vielen Jahren auch ein Geschäft in Beuren betreibt, hatte in Bescheid die Notbremse gezogen, weil zu wenige Kunden in den Dorfladen kamen. Die mangelnde Frequenz habe er nur eine gewisse Zeit überbrücken können, hatte Welter im Gespräch mit unserer Zeitung seine Entscheidung begründet.
Doch es schien zunächst, als habe die Gemeinde Glück. Zwei Frauen aus Bescheid signalisierten ihre Bereitschaft, das Geschäft in eigener Regie weiterzuführen. Am 23. Oktober informierte Olinger darüber im Rahmen einer Einwohnerversammlung. Dass mehr als 50 der 400 Bescheider gekommen waren, um die Frauen darin zu bestärken, ließ hoffen, dass es weitergeht. Doch schon wenige Tage später folgte der Rückzieher. An Allerheiligen hätten ihm die beiden Frauen abgesagt; sie hatten ihre Pläne fallenlassen, sagte Olinger. Für ihn sei das ein weiterer schwarzer Tag gewesen.
Immerhin: Trotz dieser Hiobsbotschaften gibt es laut Olinger noch einen Hoffnungsschimmer: "Die Gemeinde ist mit einem weiteren möglichen Betreiber im Gespräch." Ob diese Verhandlungen positiv oder negativ ausgehen, sei aber noch offen. Der Interessent verfüge über langjährige Erfahrung in der Branche, teilte Olinger auf Nachfrage mit. Mehr könne er zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die Informationen hätten sich in den Stunden vor der Sitzung förmlich überschlagen, weshalb er den Rat auch nicht schon vorab habe unterrichten können. Die in der Tagesordnung vorgesehene Entscheidung, ob die Gemeinde die Inneneinrichtung des Ladens kaufen solle, wurde auf Olingers Vorschlag hin zurückgestellt. Der Rat ermächtige den Ortsbürgermeister aber, dem Kauf zuzustimmen, falls aus dem möglichen Betreiber ein echter werden sollte.Meinung

Bittere Pille für die Gemeinde
Das nennt man dann wohl den Fluch der guten Tat: Die finanziell solide dastehende Gemeinde Bescheid hatte mit dem Projekt Mehrgenerationenhaus und Dorfladen eine vom Grundsatz her gute Idee: Sie wollte zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Für die Bescheider Bürger wurde elf Jahre nach der Schließung des früheren Lebensmittelgeschäfts wieder eine Einkaufsmöglichkeit im Ort geschaffen. Zum anderen wurde mit dem Umbau des verwaisten Hauses in der Dhrontalstraße 4 ein Schandfleck in der Dorfmitte beseitigt. Umso bitterer schmeckt die Pille, die die Gemeinde nun schlucken muss. Denn wenn sich für den Dorfladen kein Betreiber findet und das Geschäft dauerhaft geschlossen bleibt, wäre die für einen kleinen Ort gewaltige Investition von 500 000 Euro für die Katz gewesen. Das muss man so nüchtern festhalten. Der Gemeinde wäre es zu wünschen, dass dieses düstere Szenario nicht eintritt, die Gespräche mit dem interessierten Pächter erfolgreich sind und es eine Zukunft für den Dorfladen gibt. Doch es bleibt ein Problem: Überleben kann solch ein Geschäft nur, wenn mehr Bescheider als bislang ihre Einkäufe im Ort erledigen, statt dies andernorts zu tun. Dazu kann man allerdings niemanden zwingen. a.munsteiner@volksfreund.de

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