Dreckige Brühe von der Biogasanlage

Dreckige Brühe von der Biogasanlage

Im Osterbach bei Reinsfeld sind in den vergangenen Monaten mehrfach Hunderte Fische gestorben, weil das Wasser verschmutzt war. Die braune Brühe kam offenbar vom Birkenhof mit seiner Biogasanlage. Die betroffenen Fischzüchter und Angler sind sauer. Die Behörden ermitteln. Der Landwirt verspricht, die Missstände so schnell wie möglich abzustellen.

Reinsfeld. Lange Zeit stand Erwin Cartus-Ehm vor einem Rätsel. Der Besitzer der Felsenmühle an der B 407 bei Reinsfeld züchtet in zwei Teichen, die vom Osterbach gespeist werden, Fische. "Im Juni 2011 sind mir plötzlich Hunderte Tiere eingegangen. Darauf konnte ich mir zunächst überhaupt keinen Reim machen", sagt Cartus-Ehm.
Erst als er mit dem Angelsportclub Kontakt aufnimmt, sieht er klarer. Denn auch im Weiher des Vereins, der etwas weiter bachaufwärts liegt, ist es einige Monate vorher - im Januar 2011 - zu einem größeren Fischsterben gekommen.
Wie schon vor einem Jahr hat der Verein kürzlich den Weiher abpumpen lassen. "Diesmal ist es eine reine Vorsichtsmaßnahme. Denn wir trauen der Sache nicht", sagt der Vorsitzende Rudolf Eiden.
Ursache für die wiederholten Fälle, bei denen Fische verendeten, war verschmutztes Wasser. Woher die dreckige Brühe stammt, scheint klar. Die Kreisverwaltung - sie ist die zuständige Wasserschutzbehörde - spricht auf TV-Anfrage von "wasserrechtlichen Missständen" an der Biogasanlage auf dem Birkenhof. Von der Anlage selbst gehen die Verunreinigungen nicht aus, heißt es beim Kreis. Sie stehen aber mit ihr in Zusammenhang. Denn von den sogenannten Feldmieten auf dem Birkenhof von Landwirt Jürgen Schirra (siehe Extra) gelangt offenbar verschmutztes Oberflächenwasser hangabwärts in den Zulauf des Osterbachs. Ein erstes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gewässerverunreinigung wurde nach Auskunft des Trierer Oberstaatsanwalts Jürgen Brauer im Juli 2011 wegen "geringen Verschuldens" eingestellt. Damals habe der Landwirt aber zugesagt, die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um einen Wiederholungsfall auszuschließen. Inzwischen ist es aber zumindest zwei Mal erneut zu Verschmutzungen des Baches gekommen, die bei der Polizei in Hermeskeil aktenkundig sind.
Die Kreisverwaltung weist darauf hin, dass sie Schirra zur Auflage gemacht hat, dass er die Feldmieten entfernen und das Auffangbecken, in dem das verunreinigte Oberflächenwasser gesammelt werden kann, vergrößern soll.
Im Gespräch mit dem TV sagte Schirra: "Wir arbeiten daran, die Feldmieten abzutragen. Wir können das Zeug aber nicht einfach in Luft auflösen. Bis zum Sommer sind sie aber weg."
Diskussion im Reinsfelder Rat


Das hat Schirra am Mittwochabend auch im Reinsfelder Gemeinderat bekräftigt. Er gab dort aber zugleich der Bürgerinitiative (BI) eine Mitschuld an dem Umweltproblem. Die BI hatte sich 2009 formiert, als Schirras Pläne für den Bau einer Biogasanlage bekannt wurden. Wegen der BI habe er erst später eine Baugenehmigung erhalten, und wegen dieser Verzögerung wären die Feldmieten noch nicht entfernt. Eine BI-Sprecherin wies diese Vorwürfe strikt zurück, ebenso wie der Reinsfelder Ortsbürgermeister Rainer Spies (SPD), der sagt: "Es ist absurd, diese Sache der Initiative anzuhängen". Seit gestern ist auf dem Birkenhof ein Bagger im Einsatz, um ein größeres Auffangbecken aufzuheben. Kreis-Pressesprecher Thomas Müller sagt dazu: "Für uns ist jetzt zunächst einmal wichtig, dass wir sehen, dass die von uns geforderten Dinge in der Umsetzung sind. Mehr können wir vorerst nicht verlangen."
Manfred Weishaar, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Trier, drängt auf eine Lösung des Problems: "Es geht nicht allein darum, dass dort drei Fische kieloben geschwommen haben. Das betroffenen Bachtal ist ein Naturschutzgebiet. Es ist also Gefahr in Verzug."Meinung

Schlechter Stil
Landwirt Jürgen Schirra hat in Reinsfeld einen Umweltschaden verursacht. Die dreckige Brühe kommt von seinem Hof - und das passiert nun schon im zweiten Winter. Punkt. Dieser Verantwortung muss sich Schirra stellen. Es liegt allein bei ihm, das Problem so schnell wie möglich an der Wurzel zu packen. Mit der jetzt begonnenen Vergrößerung des Auffangbeckens ist zumindest ein Anfang gemacht. Die zuständigen Behörden müssen aber sorgfältiger als bisher dranbleiben und überprüfen, dass Schirra die an ihn gestellten Auflagen auch hundertprozentig erfüllt. Eins bleibt aber auch festzuhalten: Schirras Versuch, die Schuld an dem Umweltschaden auf jemand anderen zu schieben und die Bürgerinitiative als Sündenbock hinzustellen, zeugt von schlechtem Stil. Gerade in diesem Fall trifft doch das Sprichwort zu, dass man immer zuerst vor der eigenen Haustür kehren sollte. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Um beim Betrieb der Biogasanlage auf dem Birkenhof - sie ist seit September 2011 am Netz - genug Biomasse vorrätig zu haben, wurden von Landwirt Jürgen Schirra auf seinem Hofgelände frühzeitig sogenannte Feldmieten angelegt. Auf diesen Halden - sie sind meist mit grünen Planen abgedeckt - wird Mais- und Gras-Silage gelagert. Mit diesen nachwachsenden Rohstoffen wird die Biogasanlage "gefüttert". Insbesondere bei stärkerem Regen drückt sich Wasser durch die Silage. Es werden dann - so die Auskunft des Kreises - "Säfte ausgewaschen, die das Wasser biologisch belasten. Der Sauerstoff wird aufgezehrt, was bei entsprechender Konzentration zu Fischsterben führen kann". Im Klartext: Die Fische ersticken an Sauerstoffmangel. Zudem bilden sich durch die Sickersäfte Pilze im Bachlauf. ax