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Drei Männer mit großen Verdiensten

Drei Männer mit großen Verdiensten

Sie waren alle jahrzehntelang in der Politik tätig, haben sich als Bürgermeister um das Gemeinwohl verdient gemacht und erhielten deshalb eine seltene Auszeichnung: August Justen (87) aus Kell am See, Palmatius Kohlhaas (84) aus Züsch und Alfred Noll (82) aus Reinsfeld tragen in ihren Gemeinden den Titel eines Ehrenbürgers.

Den heute 87-jährigen August Justen darf man getrost als "Gründervater" der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See mit ihren heute 13 Orten bezeichnen. 18 Jahre lang war der CDU-Politiker Verwaltungs-Chef der jungen VG, die im November 1970 aus dem alten Amt Kell und dem aufgelösten Amt Saarburg-Ost - also den Dörfern rund um Zerf - entstanden war. Zuvor war der Christdemokrat bereits von 1958 bis 1970 Bürgermeister des Amts Kell mit seinen damals sieben Kommunen gewesen. Vier Mal wurde Justen wiedergewählt, bevor er bei seinem Abschied aus dem Amt 1988 mit der Ehrenbürgerwürde der VG ausgezeichnet wurde. Zurückblickend sagt Justen, dass ihm vor allem die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde sehr am Herzen gelegen habe: "Es musste hier bei uns erst mal eine Starkstromleitung her, damit sich mehr Firmen ansiedeln konnten", betont Justen. Dass die "Landwirtschaft in starker Konzentration keine Zukunft hat", sei ihm ebenfalls klar gewesen.

In 60ern belächelt



Deshalb habe er sich für ein neues Standbein eingesetzt: "Für die Idee, Kell in ein touristisches Zentrum zu verwandeln, wurde ich in den 1960er Jahren noch belächelt", erinnert sich Justen. Der Ehrenbürger sieht jedoch mit den aktuellen Debatten um eine neue Kommunalreform in Rheinland-Pfalz sein Lebenswerk bedroht: "Kell ist ein homogener Wirtschaftsraum, der nicht zerschlagen werden darf", sagt Justen, dem in seiner Freizeit stets die Gartenarbeit viel bedeutet hat.

Palmatius Kohlhaas aus Züsch war von 1974 bis 2004 Ortsbürgermeister in Züsch. Als Kommunalpolitiker sei Pflichterfüllung für ihn das oberste Gebot gewesen: "Wenn es etwas zu machen gibt, dann muss man es auch zügig anpacken", sagt der heute 84-Jährige. Über die Ehrenbürgerschaft, die ihm 2007 verliehen wurde, habe er sich zwar gefreut. Aber: "Das Leben wäre auch ohne diese Würde weitergegangen. Der Erhalt und Ausbau des Industriedenkmals Züscher Hammer und das Bürgerhaus, für dessen Bau er sich lange eingesetzt hatte, bevor es 2007 eröffnet wurde, sind zwei Projekte im Ort, auf die der SPD-Politiker besonders stolz ist. "Ehrenamtler werden heute immer seltener", bedauert Kohlhaas, der bis vor einigen Jahren noch regelmäßig am Dollberg Ski gefahren ist.

Alfred Noll war über 20 Jahre hinweg die Führungsfigur der Freien Wählergruppe (FWG) in Reinsfeld und übte von 1979 bis 1999 Jahre das Amt des Ortsbürgermeisters aus. 2005 überraschte ihn die Gemeinde damit, dass sie dem heute 82-Jährigen die Ehrenbürgerwürde verlieh.

Zu Nolls Verdiensten zählen der Bau der Kulturhalle oder die Erschließung des Baugebiets Sonnenhang. "Auf eine solche Auszeichnung wie die Ehrenbürgerschaft kann man schon stolz sein. Denn damit wird die Arbeit, die man getan hat, anerkannt", sagt Noll, der sich auch als langjähriger Dirigent des Musikvereins profilierte."Die Leute für die Kultur zu begeistern, ist in Reinsfeld gelungen", freut er sich bis heute. Denn er lebe in einem sehr musikalischen Dorf. Nur seine FWG ist inzwischen Geschichte. Die Gruppe löste sich vor der Kommunalwahl 2004 auf.

EXTRA EHRENBüRGERSCHAFT



Zwar sind im Hochwald alle drei Ehrenbürger frühere Gemeindechefs. "Diese Würde ist aber nicht an die Funktion des Lokalpolitikers gebunden", betont der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes (CDU). Ehrenbürger kann jeder werden, wenn die Verdienste um die Mitmenschen einen herausgehobenen Vorbildcharakter haben. Laut rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung wird das Ehrenbürgerrecht vom Gemeinderat verliehen. Ehrenbürger müssen zuvor kein Ehrenamt übernommen haben. Sie müssen nicht einmal Bürger des Ortes sein, der sie ehrt. Die Ehrenbürgerschaft erlischt mit dem Tod. Sie kann vom Gemeinderat auch wegen "unwürdigen Verhaltens" entzogen werden. doth