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Drieschen sind Winzern ein Dorn im Auge

Drieschen sind Winzern ein Dorn im Auge

Stillgelegte, verwilderte Weinberge sind nicht nur ein Schandfleck für die Landschaft, sondern auch ein Nährboden für Pilzviren und Rebläuse - und damit ein Ärgernis für aktive Winzer. In Schoden sollen die Drieschen nun in einer Gemeinschaftsaktion gerodet werden.

Schoden. Es ist der gleiche Kampf, Jahr für Jahr. Winzer Manfred Loch muss seine Weinberge beharrlich gegen die Gefahren schützen, die in den umliegenden Drieschen lauern. Denn für Rebläuse und Pilzviren bieten Weinberge, die brach liegen und verwildern, einen idealen Nährboden. Doch damit wird bald Schluss sein. Vollrodemaschinen sollen dem Wildwuchs den Garaus machen.

In einer Bürgerversammlung hat das Weinbauamt Wittlich die Eigentümer der brachliegenden Weinberge in Schoden nun darüber informiert, warum die in der rheinland-pfälzischen Drieschenverordnung vorgeschriebene Rodung der Flächen nötig ist und wie sie organisiert werden kann. Ortsgemeinde und Weinbauamt planen eine gemeinsame Aktion, die im Januar oder Februar durchgeführt werden soll: Dann rodet eine Firma aus Klüsserath in einem Zug die brachliegenden Schodener Weinberge. Die Pflanzen werden mit ihrer Wurzel aus dem Boden gerissen, so dass sie nicht mehr austreiben können. Dafür muss jeder Grundstückseigentümer nach Auskunft von Ortsbürgermeister Martin Wagner 23 Cent pro Quadratmeter plus Steuern zahlen. "Alle haben sich diesem Vorhaben angeschlossen - bis auf zwei Leute, die ihre Flächen selbst roden wollen", berichtet Claus Piedmont vom Weinbauamt Wittlich.

Für Manfred Loch, den einzig verbleibenden Vollerwerbswinzer in Schoden, kommt diese Aktion im Grunde zu spät. "Das hätte schon vor zehn Jahren passiert sein müssen", findet er. Denn die Drieschen bergen viele Gefahren für seine Weinberge. Zum einen breitet sich in dem Gestrüpp die Reblaus aus. Ist die Populationsdichte sehr hoch, kann durch Mutation ein Stamm entstehen, der die sonst reblausresistenten Unterlagen (Wurzeln) der Reben befällt, erklärt Piedmont. Gerade zurzeit sei die Zahl der Schädlinge wieder sehr hoch.

"Außerdem lebt in den Drie schen die Schwarzfäulnis wie die Made im Speck", sagt Loch. Diese Pilzinfektion sei sehr aggressiv, könne sich kilometerweit verbreiten und stelle daher ein sehr großes Problem für hiesige Winzer dar. "Vor allem in der Nähe der Drieschen gibt es jedes Jahr Infektionsschübe." Die Folge: Die Weinbauern müssen verstärkt teure Pflanzenschutzmittel einsetzen - und immer wieder Ernteausfälle hinnehmen. "Das ist ein ganz massives Problem", macht Loch deutlich. Und was soll nach der Rodung mit den Flächen geschehen? "Wünschenswert wäre zum Beispiel eine Nutzung als Streuobstwiese oder eine Aufforstung", sagt Ortschef Wagner.

Das Nachsehen bei der Rodungsaktion könnten einzig die Rebhühner haben, berichtet Piedmont. Denn sie fühlen sich in den Drieschen so wohl, dass ihre Population im Kreis Trier-Saarburg deutlich zugenommen hat.