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Duell der Saarburger Stadtbürgermeister-Kandidaten beim TV-Forum: Beim Thema Verkehr gibt’s Differenzen

Kommunalwahl : Duell der Saarburger Stadtbürgermeister-Kandidaten: Beim Thema Verkehr gibt’s Differenzen

Die Bewerber fürs Stadtbürgermeisteramt, Jürgen Dixius (CDU) und Manuel Müller (SPD), haben beim TV-Forum ihre Pläne für Saarburg vorgestellt. Häufig waren sie sich einig. Bei zwei Punkten unterschieden sich ihre Ansichten jedoch deutlich.

Die Rollen sind klar verteilt. Jürgen Dixius (CDU) ist seit 2004 ehrenamtlicher Stadtbürgermeister in Saarburg und will es auch in den kommenden fünf Jahren bleiben. Manuel Müller (SPD), 33 Jahre alt und seit anderthalb Jahren politisch aktiv, fordert ihn bei der Kommunalwahl am 26. Mai heraus. Beim TV-Forum treffen die Kontrahenten in der Saarburger Stadthalle aufeinander, um den Redakteuren Marion Maier und Marcus Hormes sowie dem Publikum Rede und Antwort zu stehen. Rund 140 Besucher wollen erfahren, wie die Bewerber Saarburg voranbringen möchten.

TV-Chefredakteur Thomas Roth kündigt in seiner Begrüßung an, dass er einen „fairen Abend“ erwarte. In der Tat verläuft die zweistündige Diskussion sachlich, ohne hitzige Wortgefechte. Denn bei vielen Punkten sind sich die Kandidaten einig. So teilen sie das Ziel, Saarburg als Einkaufsstadt zu stärken, für mehr Barrierefreiheit zu sorgen und den Tourismus zu fördern. Aber es gibt auch Themen, die sie unterschiedlich angehen wollen.

Was sie motiviert Moderatorin Maier will von Amtsinhaber Dixius wissen, ob es nach 15 Jahren an der Stadtspitze nicht Zeit für einen Wechsel sei. Der 58-Jährige, der auch hauptamtlicher Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell ist, verweist auf „große Aufgaben“, die bevorstehen. „Bei einem Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt würde vieles ins Stocken kommen.“ Herausforderer Müller sieht das anders: „Nach 15 Jahren muss man mal den Mut haben, Neues zuzulassen.“

Er sei zwar bislang kein Mitglied im Stadtrat oder in anderen Gremien, sagt der 33-Jährige, der sich als „politischen Newcomer“ bezeichnet. Aber er könne sich in Themen einarbeiten. Dass er erst Ende 2017 in den SPD-Ortsverein Saarburg eintrat, wo er inzwischen Vorsitzender ist, erklärt er damit, dass ihm vorher die Zeit dazu gefehlt habe: „Wenn ich in die Politik gehe, will ich mich aktiv einbringen und nicht passives Mitglied sein.“ Jetzt habe er dazu die Möglichkeit, sagt der Polizeibeamte, der seit 2018 an der Hochschule der Polizei am Flughafen Hahn die Pressestelle leitet.

SPD-Mann Manuel Müller (links) kandidiert in Saarburg für das Amt des Stadtbürgermeisters. Beim TV-Wahlforum in der Stadthalle stellt er sich unter anderem den Fragen von TV-Lokalchef Marcus Hormes. Foto: Friedemann Vetter

Zwei große Projekte Beim Thema Konversion verweist der frühere Förster Dixius auf „große Chancen“ für die Stadt. Hier beschreibt der Amtsinhaber sehr detailliert das geplante Wohngebiet Saarburg-Terrassen auf dem ehemaligen Kasernengelände und die Pläne für einen Mustergärten-Park. Diese Projekte würden neue Bewohner und zusätzliche Besucher nach Saarburg locken. Auf die Frage von TV-Lokalchef Marcus Hormes, ob man da noch etwas besser machen könne, sagt Müller: „Das ist ein gutes Projekt, das Saarburg nach vorn bringt.“ Er könne daran nichts kritisieren, nur, um etwas gegen seinen Mitbewerber um das Stadtbürgermeisteramt zu sagen. Das sei auch nicht seine Art.

Amtsinhaber Jürgen Dixius (CDU) beantwortet eine Frage von TV-Redakteurin Marion Maier. Foto: Friedemann Vetter

Verkehr in der Innenstadt Unterschiedlicher Meinung sind beide, als es um Rezepte gegen die Verkehrsbelastung in der Innenstadt geht, speziell in der Graf-Siegfried-Straße. Müller hält eine Verkehrsberuhigung in der Hauptgeschäftsstraße für sinnvoll. Denkbar sind aus seiner Sicht eine temporäre Schließung oder Einbahnstraßenregelung. Allerdings stellt er klar: „Ich will die Stadt nicht zumachen, und die Geschäftsleute sind mir auch nicht egal.“ Beides habe man ihm im Wahlkampf vorgeworfen. Er wolle das Thema „sorgsam mit höchster Transparenz angehen“ und mit den Saarburgern und dem Gewerbeverband Lösungen finden. Dies könne über Umfragen, Infoveranstaltungen und Workshops erfolgen.

Umfragen habe es schon vor zehn Jahren gegeben, kontert Dixius. Das Auto werde im ländlichen Raum „noch länger eine Rolle spielen“. Die Innenstadt müsse „möglichst nah erreichbar sein“. Die Stadt habe bereits für Entlastung gesorgt, den City-Parkplatz umgestaltet und weitere Parkflächen geschaffen. Eine „erhebliche Entlastung“ für die Graf-Siegfried-Straße werde eine geplante Verbindung zwischen Wiltinger Straße und B51 bringen, kündigt Dixius an. Dadurch werde der Verkehr aus Richtung Ockfen, Wiltingen und Schoden nicht mehr über den Bahnübergang und weiter ins Zentrum fließen, sondern „automatisch von hinten in die Stadt geleitet“. Die Innenstadt für Autos zu sperren, werde man schon allein „aus rechtlichen Gründen nicht schaffen“.

Angebot für Familien Bei der Familienfreundlichkeit Saarburgs sieht SPD-Mann Müller „Stellschrauben, an denen man drehen kann“. Im Gespräch hätten Eltern ihm bestätigt, dass das Thema in den vergangenen Jahren „zu kurz gekommen“ sei. Es sei zwar schön, dass neue Spielplätze wie der am kürzlich eingeweihten Haus der Vereine entstünden. Die Stadt müsse sie aber auch „auf dem neuesten Stand halten“. Insgesamt mangele es an Veranstaltungen für Familien, sagt Müller. Er könne sich zum Beispiel ein Kinderfestival ähnlich wie in Konz vorstellen, finanziert mit Hilfe von Sponsoren: „Am Geld sollte das nicht scheitern.“ Dixius entgegnet auf die Kritik, dass in sechs Jahren rund acht Millionen Euro „in die Familienfreundlichkeit geflossen“ seien – und zwar in die Einrichtung von drei neuen Kindertagesstätten. Die Spielplätze der Stadt würden regelmäßig geprüft und instandgehalten. Handlungsbedarf sieht Dixius bei Freizeiten, die „massiv ausgebaut“ werden müssten, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch in den Ferien funktioniere.

Publikumsfragen Müller bemängelt, dass es für Jugendliche zu wenig Angebote gebe, und erhält dafür Zustimmung aus dem Publikum. An einer Fragerunde beteiligen sich die Zuhörer rege und sprechen unter anderem das Fehlen eines Wochenmarkts, die Entwicklung der Stadtteile und die Reaktivierung eines Bürgerbusses an.

Zeit fürs Amt Zum Abschluss haken die Moderatoren nach, wie viel Zeit sich die Bewerber für ihr Ehrenamt nehmen werden. Müller erklärt, dass er ab Juli nach Trier versetzt werde und nicht mehr täglich in den Hunsrück pendeln müsse. Bei der Polizei seien „diverse Arbeitsmodelle“ denkbar, um genug Zeit für das politische Ehrenamt zu haben. Um wie viel er seine Arbeitszeit reduzieren wolle, sagt der zweifache Vater nicht, erklärt aber: „Ich bin bereit, mich größtmöglich zu engagieren.“ Dixius sagt, er denke wenig darüber nach, wie viel Zeit er auf das Ehrenamt des Stadtchefs verwende. Urlaubstage lasse er regelmäßig verfallen: „Dieses Engagement muss man bringen, wenn man die Projekte und die Finanzierung im Griff haben will.“