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Duo Milliarden auf dem Kasernengelände Saarburg

Konzert : Von der Ohnmacht im all­täg­lichen Hamster­rad

Die Band Milliarden aus Berlin bringt einen ganz besonderen Stil nach Saarburg und lässt die Fans mit ihren Songs an ihrem Leben teilhaben.

Wer von Milliarden aus Berlin hört, denkt unwillkürlich an Corona-Hilfen oder die staatliche Unterstützung der Flut­opfer. Milliarden heißt aber die Band, die Konzertveranstalter Christof Kramp von Station K nach Saarburg holte – etwas für die jüngeren Musikfreunde. „Das ist ein Wortspiel, das jeder halten kann, wie er will. Uns gibt es aber schon seit zehn Jahren“, sagt einer der Gründer, Johannes Aue, dem TV. Der Pianist fiel 2011 mit seinem Spiel Ben Hartmann auf. „Ich ging zu ihm und sagte, dass ich ein paar Texte hätte, die gut dazu passen würden“, erinnert er sich. Seitdem gibt es Milliarden – ein Sinnbild für Kosten, die aus dem Ruder laufen, weil Millionen schon lange nicht mehr reichen. Inspiration ziehen die beiden reichlich aus jedem Tag. „Was wir singen, leben wir auch“, sagt Hartmann.

In Saarburg hatten die beiden sich verstärkt mit Lisa „King“ Reuter (Tri­angel und Percussion), Schlagzeuger Findan Cote, der mit seinem wallenden Haar hinter seinem Instrument wirbelte, Bassist Philipp Malong und einem Leadgitarristen, der nur auf seinen Künstler­namen Flozze hört.

Vorgestellt wurde das neue, dritte Album „Schuldig“. Der Titelsong beginnt mit der Zeile: „Ich will schuldig sein.“ Dazu erklärt Hartmann: „Wir alle haben das Grundbedürfnis, uns schuldig zu machen, um uns gegen die Ohnmacht des all­täg­lichen Hamster­rades zu wehren.“ Jeder und jede sei allerdings verantwortlich für das, was er oder sie tut. 

Um diese Band zu erleben, kombinierte das Münchner Paar Sandra und Tobias seine Geschäfte in der Region mit dem Konzertbesuch. Warum sind die Milliarden so toll? „Es ist die Leichtigkeit, die hier transportiert wird“, sagt Tobias, und Sandra fügt hinzu: „Die sind total verrückt, und das ist gut so, denn nur Freaks haben uns doch in der Geschichte immer vorangebracht.“ Frank Lammers kam aus Bettingen in der Eifel nach Saarburg und ist begeistert: „Die Stimme des Sängers ist einfach unverwechselbar.“ Er höre nur solch alternative Musik. Und in den Songs bekomme man Leben mit, so wie man es manchmal selbst erlebt – besonders die Sache mit den Frauen.

 Die Berliner Formation Milliarden hat (noch) nicht das ganz große Publikum. Die Konzertbesucher in Saarburg sind jedoch treue Fans, die schon mal eine längere Anreise in Kauf nehmen.
Die Berliner Formation Milliarden hat (noch) nicht das ganz große Publikum. Die Konzertbesucher in Saarburg sind jedoch treue Fans, die schon mal eine längere Anreise in Kauf nehmen. Foto: Herbert Thormeyer

Das bewies die Berliner Band, die nicht nur eine Hymne an die Bundeshauptstadt geschrieben hat, sondern auch viele sozialkritische Töne findet. Ein Lied ist beispielsweise für den Nachbarn Roberto, der keine Wohnung mehr hat und jetzt neben einem Geldautomaten lebt. Einblicke in die Privatsphäre bieten Titel wie „Kokain und Himbeereis“. Die Gedanken sind auch bei Milliarden extrem frei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Band Milliarden aus Berlin in Saarburg