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Ebbes von Hei schmeckt nicht allen

Ebbes von Hei schmeckt nicht allen

Mäßig ist bislang die Teilnahme der Landkreise und Kommunen aus Hochwald und Hunsrück an der Initiative Ebbes von Hei, die hauptsächlich Kulinarisches aus der Region vermarktet. Neben Morbach und Thalfang beteiligt sich auch Hermeskeil. Kell am See hat eine Entscheidung vertagt.

Morbach/Hermeskeil. Köstlich ist der Anblick eines Hunsrücker Landbrots mit einer saftigen Leberwurst darauf. Dazu ein guter Tropfen aus der heimischen Brennerei. "Hei schmeckt\'s eben am Besten!" Doch (noch) nicht allen Kandidaten, die der Initiative "Ebbes von Hei - Bestes aus dem Hunsrück" beitreten sollen, schmecken die regionalen Köstlichkeiten - bildlich gesprochen.
Neben der Einheitsgemeinde (EG) Morbach beteiligt sich auch die Verbandsgemeinde (VG) Thalfang am Erbeskopf an der Regionalinitiative Ebbes von Hei, die zur Entwicklung einer Regionalmarke Hunsrück führen soll. Die VG Birkenfeld im Hunsrück will bei der Initiative hingegen nicht mitmachen. "Die Initiative wird zwar begrüßt, aber sich daran beteiligen will man nicht", sagt Karsten Schultheiß von der Kreisverwaltung des Landkreises Birkenfeld.
Ein erster Baustein für das Ziel einer gemeinsamen Dachmarke war die Gründung des Vereins "Ebbes von hei" - ein Zusammenschluss von 13 Betrieben, die kulinarische Angebote erzeugen und zum Beispiel Schnaps, Wurst oder Rapsöl im Angebot haben.
Die EG Morbach, die mit der sogenannten "Morbacher Erklärung" als Triebfeder für die Initiative fungiert, beteiligt sich mit 5400 Euro an der Erstellung eines Konzeptes. Auch der VG-Rat Thalfang hat die Beteiligung an den Kosten des Konzepts mit 3500 Euro bewilligt. Das Konzept soll die Vermarktung der Region und ihrer Produkte verbessern. Im Rahmen eines von der Europäischen Union geförderten Gemeinschaftsprojekts, für das der Zuschusstopf des sogenannten Leader-Programms angezapft wird, soll auch geklärt werden, welche Organisationsform für die neue Regionalmarke geeignet ist.
Morbacher Erklärung


Auch die VG Hermeskeil macht bei der Initiative Ebbes von Hei mit. Der VG-Rat hat sich einstimmig der "Morbacher Erklärung" angeschlossen. Die Hermeskeiler werden sich mit 7500 Euro beteiligen. "Ich bin optimistisch, dass diese Initiative erfolgreich sein kann", betonte der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes (CDU). Allerdings fügte er einschränkend hinzu, "dass es noch offen ist, ob wir im Hunsrück so weit kommen wie in der Eifel. Jede Region muss für sich ihren eigenen Weg finden."
Allein aus der VG Kell am See sind fünf Betriebe dabei. Ausgerechnet dort zögert man auf der politischen Schiene jedoch, der "Morbacher Erklärung" zuzustimmen und sich mit 4800 Euro an dem Vermarktungskonzept zu beteiligen. In der jüngsten Ratssitzung wurde eine Entscheidung dazu vertagt. "Grundsätzlich halte ich es für richtig, die regionale Wertschöpfung voranzutreiben und zentral zu steuern. Die Fraktionen haben aber noch zusätzliche Informationen gefordert", sagt Rathaus-Chef Werner Angsten (CDU). SPD-Sprecher Manfred Rauber sagt: "Wir wollen die Sache nicht kaputt reden. Aber für uns sind noch zu viele Fragen offen. Wir wissen nicht, welche Folgekosten noch auf uns zukommen, wenn wir uns beteiligen."
Somit kommt auf Ralf Becker, Vorsitzender der Initiative aus Morbach, noch viel Überzeugungsarbeit zu. "Ich hoffe, dass bis Ende Januar alles unter Dach und Fach ist", sagt Becker. Dafür müsse er in den kommenden Wochen durch die Gemeinderäte und Ausschüsse tingeln und das Projekt vorstellen. Dass nicht alle Mitgliedskandidaten der Initiative offen gegenüberstehen, weiß Becker. "Es ist gerade aber für die saarländischen Betriebe eine große Chance, den Saar-Hunsrück-Steig mit einer eigenen Regionalmarke stärker bewerben zu können", sagt Becker.
Denn auch saarländische Gemeinden sollen mit ins Boot genommen werden. Doch auch dort gibt es noch "Klärungsbedarf", wie es der Losheimer Bürgermeister Lothar Christ formuliert. Grundsätzlich stehe er der Idee positiv gegenüber. Der SPD-Politiker spricht sich aber dagegen aus, dass für die Bildung einer Regionalmarke beispielsweise ein neuer Dachverein geschaffen wird. "Wir arbeiten schon auf der Ebene des Naturparks Saar-Hunsrück oder des Saar-Hunsrück-Steigs länderübergreifend gut zusammen. Man sollte die Initiative in diese bestehenden Organisationen einbinden", so Christ. In Losheim werden sich die Gremien erst Anfang 2012 mit dem Thema beschäftigen.Extra

Der Initiative Ebbes von Hei sollen sich die vier Landkreise Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg, Birkenfeld und Merzig-Wadern anschließen. Dazu kommen die neun Gemeinden Morbach, Kell, Thalfang, Hermeskeil, Ruwer, Herrstein, Birkenfeld, Weiskirchen und Losheim sowie die Stadt Wadern. Die rheinland-pfälzischen Kommunen gehören alle der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf an. Die saarländischen Gemeinden sind im Zusammenschluss Integrierte ländliche Entwicklung (ILE) Hochwald organisiert. Für das Projekt zur Verbesserung der regionalen Wertschöpfung sind Gesamtkosten von 145 000 Euro veranschlagt. Davon sollen 91 500 Euro durch EU-Zuschüsse abgedeckt werden. Die restlichen 53 500 Euro sollen mit einem Betrag von 50 Cent pro Einwohner unter den Gemeinden aufgeteilt werden. Geplant ist, das österreichische Büro Ökocluster mit der Erstellung des Vermarktungskonzepts zu beauftragen. Die Fachleute aus Graz haben eine Regionalmarke im steierischen Vulkanland entwickelt. ax