Echtes Kordeler Urgestein

KORDEL. 41 Jahre hat Anton Obser als Zahnarzt in Kordel praktiziert. 1972 versetzte er sich selber in den Unruhestand und entwickelte sich zum qualifizierten Historiker. Im Februar wäre er 100 Jahre alt geworden. Eine Feier und eine Ausstellung am Samstag und Sonntag auf der Hochmark erinnern an Person und Werk des Kordeler Ehrenbürgers.

"Kordel, Geschichte der Kylltalgemeinde" steht kurz und knapp auf dem dickleibigen Band mit Kordeler Wappen und Luftbild vom Ort. Der Blick ins Buch verrät: Hier wagt sich der Autor weit in Geschichte und Vorgeschichte von Ort und Umgebung - von Fliehburgen über die mittelalterliche Glassschmelze auf der Hochmark bis hin zur Sandsteinindustrie, die Kordel bis ins 20. Jahrhundert hinein einen bescheidenen Wohlstand ermöglichte. Hans Dampf in allen Gassen

Anton Obser hat von 1972 bis 1982 an diesem Kordeler Geschichts-Lesebuch gearbeitet und dabei auch etwas von seinen vielseitigen Interessen und seiner schillernden Persönlichkeit mitgeteilt. "Er war ein Hans Dampf in allen Gassen", sagt sein Sohn Otto Obser. Geboren wurde Anton Obser am 21. Februar 1905 in Kordel. Der Sohn eines Steinmetzen musste die Ochsentour durchlaufen, die Hochbegabten aus den Unterschichten damals nicht erspart blieb: nach der Volksschule Privatunterricht beim Pfarrer, dann das damalige Kaiser-Wilhelm- und heutige Max-Planck-Gymnasium in Trier. Und das unter schwierigsten Bedingungen. Der Vater war schon 1905 gestorben, und die Mutter musste die große Familie allein ernähren. Trotzdem legte Anton Obser 1927 das Abitur ab und studierte an der Universität Bonn Zahnmedizin. Schon 1931, nach gerade mal acht Semestern, ließ er sich als Zahnarzt nieder - selbstverständlich in Kordel. Dort ist er bis zu seinem Tod geblieben. 1941 freilich wurde er zum Militär eingezogen, landete bei der 6. Armee an der Ostfront und entrann knapp dem Desaster von Stalingrad. Bemerkenswerte Verdienste

Nach 1945 praktizierte er weiter als Zahnarzt in Kordel - nicht gerade begütert, aber voll von Ideen und großen, manchmal übergroßen Projekten. "Er war Mitglied in fast allen Vereinen", sagt sein Sohn - im Männergesangverein 1900 beispielsweise, den er zeitweise dirigierte, oder im Heimatverein, über dessen Orchester er eine kleine Chronik verfasste. 1972 gab er die Praxis an Otto Obser weiter, schrieb sich an der Universität Trier ein und lernte bei Richard Laufner Schriftkunde. So konnte er die alten Urkunden entziffern und übersetzte sie gleich mit - Latein beherrschte der gebildete Humanist perfekt. Und so entstand auch die Kordeler Heimatgeschichte mit ihrem breiten Themenspektrum. Sie hat ihm 1983 die Ehrenbürgerwürde eingetragen - der erste Ehrenbürger von Kordel. 1990 ist Anton Obser 85-jährig gestorben. Seine Verdienste sind bemerkenswert. Vielleicht hat er dem Ort sogar ein neues Selbstbewusstsein gegeben. Kordel ist nicht irgend ein Dorf an der Eifel-Bahnstrecke hinter Ehrang, sondern ein geschichtsträchtiger Platz. Obsers Sohn und mit ihm der Kulturkreis Hochmark sind dabei, diese Einsicht zu vertiefen. Am Samstag, 5. März, 16 Uhr, findet im Vereinshaus des Kulturkreises auf der Hochmark eine Gedenkveranstaltung statt. Otmar Werle von der Universität Trier wird die Begrüßungsansprache halten. Für die musikalische Umrahmung sorgen ein Streichquartett mit Albert Boesen, Konzertmeister des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart, und der Männergesangverein Kordel. Die Festrede hält Jürgen Jonas aus Tübingen. Zugleich wird im Hochmark-Haus eine Ausstellung über Anton Obser eröffnet. Am Sonntag, 6. März, ist die Ausstellung von 11 Uhr bis 18 Uhr zugänglich.