Ehepaar erinnert sich an die Tropical-Horrornacht in seinem Hochzeitsjahr 1995

Konz · 1995, Michael und Hanne waren 26 und 22 Jahre alt. Das frisch verheiratete Paar traf sich am 9. Dezember mit einem anderen Pärchen in der Konzer Tanzbar Tropical. Die Nacht wurde lang. Nach einem Tanz auf „Unchained Melody“ von den Righteous Brothers wollte das Quartett aufbrechen.

Eingang zum Tanzcafé Tropical

Foto: Archiv/volksfreund.de

"Ich hatte gerade auf die Uhr gesehen, es war 3.30 Uhr", erzählt Hanne 20 Jahre danach. "Dann fielen Schüsse, und es rief jemand in gebrochenem Deutsch: ,Alle unter Tische!' Erst dachten wir, das ist Blödsinn." Auch Michael wähnte sich in Sicherheit: "Ich dachte: In Konz passiert doch so etwas nicht", sagt er. Doch dann ging ein Mann in Kapuzenpulli mit gezogener Pistole auf eines der Bandmitglieder zu.

Hanne: "Der Typ hat dem Mann die Pistole vors Gesicht gehalten, ihn am Kragen gepackt und ihn nach hinten gestoßen. Er fiel um, steif wie ein Brett, und blieb liegen." Hanne zieht ihre Jacke eng an den Körper, während sie ihre Erlebnisse schildert. "Jetzt, wo ich das alles noch mal so vor mir sehe, wird mir ganz kalt."

Michael fährt fort: "Wir krochen dann alle unter die Tische, und der Mann ging von einem Tisch zum anderen." Mit den Worten "Geld her" zielte er jeweils unter die Tischplatte, und die Gäste gaben ihm, was sie hatten. "Wir Männer überlegten noch, ob wir ihm ein Bein stellen und ihn überwältigen sollten." Beim Anblick der beiden anderen Männer im Eingangsbereich, von denen einer mit einem Baseballschläger bewaffnet war, ließen sie diesen Gedanken fallen.

Notausgang ist Fluchtweg

Nach diesem Raubzug verließen die Täter den Tanzraum in Richtung Foyer. Dann ging alles ganz schnell. Hanne, Michael und ihre beiden Begleiter flohen mit anderen Gästen durch den Notausgang am anderen Ende des Raums.
"Es war wie in einem Film, alles ist einfach passiert. Man hat einfach gar nichts gedacht", sagt Hanne heute. Draußen versteckte sie sich hinter Tannen, konnte aber Michael nirgends mehr sehen.

"Ich bin auf allen vieren zurückgekrochen, weil ich gesehen hatte, dass noch nicht alle Gäste raus waren. Ich wollte sie auf den Notausgang hinweisen", sagt Michael. Hanne fröstelt wieder, als Michael von dem erzählt, was er damals sah: "Die Täter wollten vorne raus und der Kellner warf einem von ihnen eine Flasche hinterher. Er schrie: ,Ich hab' dich erkannt!'"

Michael macht vor, wie einer der Täter zurückkam: "Er sprang seitlich über ein Geländer, lief auf den Kellner zu und stach ihm mit einem Messer in die Herzgegend. Dann lief er wieder zurück und mit den anderen raus."

Nachdem die Täter geflohen waren, sammelten sich die Gäste wieder im Lokal. Michael kümmerte sich um den stark blutenden Kellner, der den Überfall schwer verletzt überlebte.

Inzwischen war auch der Rettungsdienst eingetroffen, und Hanne erinnert sich: "Ein anderer Mitarbeiter des Lokals lag auf dem Boden. Ich habe niemals in meinem Leben wieder einen Menschen gesehen, der so weiß war. Äußerlich hatte er aber keinen Tropfen Blut an sich." Der Mann starb noch vor Ort.

Am Mittag des 10. Dezember brachte die Polizei Michael und Hanne nach Hause. "Erst als ich unsere einjährige Tochter sah, brach alles aus mir heraus, und ich fing an zu heulen."

Traumatisiert sind beide nicht, allerdings stellte sich bei Hanne in den ersten Wochen nach der Tat leichte Panik ein, "immer, wenn mir jemand mit hochgezogener Kapuze begegnete". Heute siegen aber die guten Erinnerungen an das Jahr 1995 - es ist schließlich Michaels und Hannes Hochzeitsjahr. kap
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