1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Ehrenamtsbörse für Konz und Saarburg sucht weitere Helfer

Soziales : Zeit schenken und Dankbarkeit ernten

Unterstützung beim Arztbesuch, gemeinsames Kochen und Spielen: Der Begleitdienst in Konz und Saarburg wirbt mit einem Versprechen um Ehrenamtliche: Nicht nur die Hilfsbedürftigen profitieren.

Vier Mal die Woche kümmert sich Günther Kessler um Menschen, die mit geistigen und körperlichen Einschränkungen kämpfen müssen. Der 69-jährige ehemalige Maschinenbauingenieur engagiert sich jeweils bis zu zwei Stunden. Mal kümmert er sich um zwei Menschen, mal sind es bis zu acht. Kessler ist einer von 17 Ehrenamtlichen, sie sich im Begleitdienst für Menschen in besonderen Lebenssituationen engagieren. Das Mehrgenerationenhaus in Saarburg hat dieses Angebot mit seiner Ehrenamtsbörse des Lokalen Bündnisses für Familie vor fünf Jahren ins Leben gerufen. Mittlerweile kümmern sich Günther Kessler und seine Mitstreiter um mehr als 50 Personen. Der Einzugsbereich ist Saarburg und Konz mit den umliegenden Ortschaften.

Es geht dabei ausdrücklich nicht um Pflege – dafür ist der Pflegestützpunkt Saarburg die Anlaufstelle –, sondern darum, dabei zu sein beim Einkaufen, dem Arztbesuch, darum, mit Spielen Abwechslung in den Alltag zu bringen oder um gemeinsame Spaziergänge. „Wichtig ist, dass durch das Zeitschenken Vertrauen gewonnen werden kann“, erklärt der Koordinator der Ehrenamtsbörse, Kilian Zender.

Nicht nur Hochbetagte können von diesem Service profitieren, der kostenlos ist. Auch Familien mit Kindern, die in einer schwierigen Phase stecken, vielleicht nach einem Unfall, können die Ehrenamtler helfen. Das Ziel ist immer gleich: die Lebensqualität anderer Menschen durch den Dienst zu steigern.

Auch in Zeiten der Pandemie sind die Ehrenamtlichen aktiv. Einen Corona-Fall hat es bislang weder bei den Begleitern noch den Begleiteten gegeben, wie die Verantwortlichen betonen. Regelmäßig treffen sich die Begleiter zum Erfahrungsaustausch, derzeit natürlich unter Einhaltung der Abstände und mit Mundschutz.

„Für den 17. November hatten wir eigentlich eine Fortbildung und Weiterqualifizierung mit Fachreferenten geplant“, sagt der Koordinator der Ehrenamtsbörse, Kilian Zender. Doch wie so oft funkte Corona dazwischen. „Wir sind vom Teillockdown total überrascht worden“, sagt Zender. Die Veranstaltung solle auf jeden Fall stattfinden, aber noch wisse niemand, wann das wieder möglich sei. In einer solchen Fortbildung geht es um Themen wie Alter und Demenz, die Gesetzeslage, Erste Hilfe, Bewegungsaktivierung und Sturzvermeidung, aber auch ganz allgemein darum, wie man sich mit den Begleitenden am besten beschäftigt.

Gabi Sarik ist Mitarbeiterin im Mehrgenerationenhaus. Sie hat die Idee des „Café Spätlese“ aufgegriffen und als Treff im Café Urban organisiert. Auch ein Fahrdienst könne möglich gemacht werden.

„Wer motiviert ist, ein solches Ehrenamt auszuüben, ist bei uns herzlich willkommen“, lädt Zender ein. „Niemand, der mithelfen will, braucht zu befürchten, zeitlich überfordert zu werden.“ Für jeden neuen Helfer könne ein individueller Zeitrahmen erarbeitet werden: „Jeder und jede wird von uns auf dieses Ehrenamt intensiv vorbereitet.“ Hier werde, so Zender, keine Zeit geopfert, sondern investiert.

Günther Kessler freut sich jede Woche besonders auf den Kreativtag und das gemeinsame Kochen. Seine selbst gewählte Aufgabe im Begleitdienst gibt ihm, wie er sagt, eine tiefe innere Befriedigung: „Es geht mir so gut danach, denn man erntet enorm viel Dankbarkeit.“