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Ehrenfriedhof Kastel-Staadt: Drei Soldaten aus Zerf beigesetzt

Gedenken : Drei Soldaten finden ihre letzte Ruhe

In kleinem Kreis wurden drei Kriegsgefallene, deren Überreste in Zerf gefunden worden waren, auf dem Ehrenfriedhof Kastel-Staadt beigesetzt. Die Verantwortlichen verbinden mit der Bestattung einen Appell für Frieden.

Zerf, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Die amerikanischen Soldaten rücken von Westen her bis zur Ruwer vor und besetzen etliche Dörfer. Die Deutschen halten dagegen. Unter ihnen Karl Rien, Obergefreiter von der ostfriesischen Insel Borkum, 28 Jahre alt. Den Norden wird er nicht mehr wiedersehen. Zwischen Ende Februar und Mitte März 1945 stirbt er in Zerf – zusammen mit Dutzenden von Zivilisten und Soldaten. Am 8. Mai 1945 kapituliert Deutschland.

Nun, 75 Jahre später, haben Rien und zwei weitere Soldaten ihre letzte Ruhe auf dem Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt gefunden – jeder in einem eigenen Grab, wie Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier sagt. Er will für die drei noch Grabkreuztafeln besorgen. Für ihn ist diese Gedenkarbeit auch Friedensarbeit. Denn Gedenkstätten wie der landeseigene Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt erinnern an die schrecklichen Folgen von Krieg und Gewalt. Weit mehr als 1000 Soldaten wurden auf dem Felsplateau bestattet – viele von ihnen in einem Massengrab für unbekannte Tote. Der Ort ist damit Ruhestätte, Gedenkstätte und Mahnmal.

Die Gebeine von Rien und den anderen beiden Soldaten hatten Mitglieder des Vereins zur Bergung Gefallener in Osteuropa bereits im November 2017 in Oberzerf vorsichtig ausgegraben (der TV berichtete). Ein Hobbyarchäologe hatte den Verein auf die Gräber nahe der Kapelle aufmerksam gemacht. Privatleuten ist es gesetzlich verboten, auf eigene Faust zu graben. Vermutet wurde damals, dass zwei Soldaten an dieser Stelle in einer Notbestattung beigesetzt worden waren. Letztlich fand man jedoch die Knochen eines dritten Soldaten.

Auch die Polizei war in die Sache miteinbezogen worden. Harald Lahr, Leiter der Kriminalinspektion Saarburg, sagt: „Werden Tote oder Gebeine gefunden, bedeutet das für uns immer, dass ein Todesermittlungsverfahren in Gang gesetzt wird. Auch die Staatsanwaltschaft wird dann involviert.“ In diesem Fall hätten Anwohner darauf hingewiesen, dass an dieser Stelle Soldaten begraben worden seien. Mit Hilfe des Landeskriminalamts sei zudem das Alter der Knochen untersucht worden.

Weitere Stellen waren bei dem Fund involviert. So haben laut Lahr die amerikanischen Behörden Spezialisten entsandt, die prüften ob es sich bei den Toten um US-Soldaten gehandelt habe. Wäre dies der Fall gewesen, so wären diese auf Wunsch der Angehörigen in die USA überführt worden. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge war in Oberzerf ebenfalls vor Ort.

Um die Soldaten sicher zu identifizieren, schaltete die Polizei die Deutsche Dienststelle (WASt) ein, deren Aufgaben mittlerweile das Bundesarchiv übernommen hat. Karl Rien wurde so mit Hilfe seiner Erkennungsmarke identifiziert. Bei den anderen beiden in Oberzerf gefundenen Soldaten gelang dies nicht. Lediglich eine halbe Erkennungsmarke war laut Schneider bei einem von ihnen gefunden worden.

Immer wieder werden heute noch an früheren Kriegsschauplätzen Gebeine von Gefallenen geborgen. In Zerf waren Mitte der 50er Jahre die Überreste von mehr als 40 Soldaten gefunden und ebenfalls zum Ehrenfriedhof Kastel-Staadt überführt worden. Laut Polizei waren die Zerfer Bauern im Krieg mit ihren Pferdefuhrwerken losgefahren, um die Leichen der Gefallenen aufzusammeln. Im gesamten Umfeld von Zerf seien in der Vergangenheit mit einem schlichten Holzkreuz markierte Soldatengräber entdeckt worden.

Die aktuelle Beisetzungszeremonie für die drei Soldaten aus Ober­zerf am 27. Mai leitete Pastor Georg Goeres. Bürgermeister Jürgen Dixius, Harald Lahr von der Polizei, Raimund Schneider von der ADD und Jürgen Kremer vom Bauamt begleiteten die Bestattung. „Der Friede darf nicht verjähren“, mahnten die Teilnehmer. Abschließend wurde ein Blumenbukett zum Gedenken an alle auf dem Ehrenfriedhof bestatteten Kriegstoten niedergelegt.

 Pfarrer Georg Goeres, Jürgen Kremer, Leiter des Bauamts, Harald Lahr, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, Bürgermeister Jürgen Dixius und Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion haben an der Beisetzung der Kriegsgefallenen in Kastel-Staadt teilgenommen.
Pfarrer Georg Goeres, Jürgen Kremer, Leiter des Bauamts, Harald Lahr, Leiter der Polizeiinspektion Saarburg, Bürgermeister Jürgen Dixius und Raimund Schneider von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion haben an der Beisetzung der Kriegsgefallenen in Kastel-Staadt teilgenommen. Foto: Pressestelle Stadt Saarburg

Wer mehr über den Ehrenfriedhof Kastel-Staadt erfahren möchte, kann die Internetseite www.ehrenfriedhof.vg-saarburg.de besuchen.