Eigene Kirche, aber keine eigenständige Pfarrei

Zerf-Oberzerf · In der Verbandsgemeinde (VG) Kell am See gibt es 13 Kommunen. Davon haben mehrere neben dem Hauptdorf noch kleinere Ortsteile. Der TV stellt sie der Reihe nach vor. Heute: der Zerfer Ortsteil Oberzerf. Mit diesem Porträt endet die Serie über die kleinen Weiler in der VG Kell am See.

Zerf-Oberzerf. Mit 508 Einwohnern ist Oberzerf der größte Ortsteil in der Verbandsgemeinde Kell am See. Karl Hoffmann ist Gastwirt in Oberzerf und betreibt seine Gaststätte im historisch angehauchten Teil von Oberzerf.
"Das Spritzenhaus aus dem Erbauungsjahr 1913 ist ein Relikt aus der Zeit, als Oberzerf noch auf eine eigenständige Freiwillige Feuerwehr verfügte", erklärt Hoffmann. Er sei eigentlich nur ein Zugezogener aus Österreich, wohne aber mit seiner aus Zerf stammenden Ehefrau seit 1952 in Oberzerf und habe sich immer für das Dorfleben interessiert. So weiß er natürlich auch, warum Oberzerf eine eigene Kirche besitzt. "Ursprünglich stand in der Nähe des heutigen Standortes eine Kapelle, erbaut in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer fiel", berichtet Hoffmann. "Dann legte man dort einen Friedhof für gefallene Soldaten an, deren Gebeine 1958 auf den Ehrenfriedhof in Kastel-Staadt überführt wurden."
TV-Serie Ortsteile in der VG Kell


In der Zeit von 1952 bis 1955 sei in unmittelbarer Nähe die jetzige Kirche erbaut worden. "Es handelt sich dabei sogar um eine Filialkirche des Schutzpatrons St. Wendalinus." Zahlreiche Spenden unterstützten dieses Unterfangen. Einmal in der Woche können die Oberzerfer heute noch die Heilige Messe dort feiern.
"Man hegte damals sogar den Gedanken, Oberzerf zu einer eigenen Pfarrei zu deklarieren", weiß Ortsbürgermeister Manfred Rommelfanger. "Die Voraussetzungen waren gegeben." Doch das Bistum habe den Antrag abgelehnt. Die ehemalige Schule befindet sich in der Nähe der Kirche und ist heute in Privatbesitz. Einen Dorfbrunnen gibt es, eine Schnapsbrennerei, zwei Gaststätten und eine Schreinerei. Die ehemalige Schmiede existiert nicht mehr. Ein sogenanntes "Quereinhaus" aus dem Jahr 1763 mit Scheune stellt ein schmuckes Baudenkmal dar.
"Entgegen aller Unkenrufe fühlen wir uns hier in Oberzerf nicht durch die Gemeinde vernachlässigt", bestätigt Hoffmann. "Wir sind ein Teil eines Ortes mit allen Rechten und Pflichten. Dass man es dabei nicht jedem recht machen kann ist natürlich klar."