Ein Abschied auf dem Weg zur Großpfarrei Hermeskeil - Pfarrer Clemens Grünebach verlässt den Hochwald

Kirche : Ein Abschied auf dem Weg zur Großpfarrei Hermeskeil

Mit einem Fest haben sich die Hermeskeiler von ihrem leitenden Pastor Clemens Grünebach verabschiedet. Dessen Aufgaben soll bis zum Start der neuen Großpfarreien ein Trio übernehmen. Das ruft auch Skepsis hervor.

Ein Ständchen der Stadtkapelle, ein Orden des Karnevalsvereins und viele Menschen, die geduldig anstehen. Viele sind am Sonntag in die Martinuskirche und anschließend zur Feier ins Hermeskeiler Johanneshaus gekommen, um sich von Clemens Grünebach an dessen 50. Geburtstag zu verabschieden. Nach 16 Jahren als Pfarrer im Raum Hermeskeil, wo er die 2016 entstandende Pfarrei St. Franziskus mitbegründete, verlässt Grünebach die Stadt und die Region (der TV berichtete). Vorerst für ein dreimonatiges Sabbatical, eine bezahlte Auszeit. In Essen wird er in einer Wohngemeinschaft der Jesuiten leben und in einer Bäckerei jobben. Den zusätzlichen Verdienst will er spenden. Doch welche Aufgaben er danach im Bistum Trier übernehmen wird, ist vor allem wegen der aktuellen Neustrukturierung der Pfarreien noch völlig offen (siehe Infobox).

Auch für die Katholiken vor Ort ist daher noch vieles ungewiss. Fest steht aber, dass Hermeskeil zentraler Ort einer der neuen Großpfarreien sein wird, die 2022 an den Start gehen soll. Mit Professor Ohajou Oko aus Nigeria übernimmt nun für ein Jahr ein beliebter Seelsorger die Nachfolge in der Pfarrei. Außerdem gibt es ein pastorales Team mit Seelsorge-Koordinator Rüdiger Glaub-Engelskirchen und Ralf-Matthias Willmes aus Waldrach, der für Fragen rund um das Mehrgenerationenhaus zuständig sein wird. Kai-Georg Quirin, seit sieben Jahren leitender Pastor in der Pfarreiengemeinschaft Schillingen, soll als Pfarrverwalter in Hermeskeil fungieren.

Doch wird dieses Team die zusätzlichen Aufgaben schaffen können? Manche der Gläubigen sind skeptisch. Vieles werde stillschweigend vorausgesetzt und immer mehr an Ehrenamtliche delegiert, kritisieren am Sonntag Besucher, die ihren Namen nicht nennen wollen. In größer werdenden Räumen seien nicht nur weitere Strecken zu fahren. Erfahrungsgemäß sinke damit auch die Motivation der Ehrenamtlichen. Abgesehen davon fühlen sich Gläubige mit Blick auf die sich schon so lange hinziehenden und tiefgreifenden Änderungen im Bistum alleingelassen. Da werde etwas Großes wie der neue Zuschnitt der Pfarreien angefangen, und dann seien plötzlich die Ansprechpersonen weg.

Für Andreas Ludwig aus Rascheid sind solche Probleme auf anderer Ebene zu verantworten. „Dafür kann der Pastor ja nichts“, stellt er fest. Er persönlich schätze Grünebach als Person sehr. „Schade, dass er weggeht“, bedauert Ludwig und hofft zugleich, dass sich auch über die 15 Monate des Einsatzes von Pfarrer Oko hinaus ein Nachfolger finden werde, „der uns die nächsten Jahre begleitet“.

„Es war eine schöne Zeit mit ihm“, bilanzieren Hermann-Josef und Rosemarie Malburg aus Neuhütten. Beide wünschen sich, dass das Miteinander vor Ort im gewohnten Sinne weitergelebt werde.

Kai Georg Quirin, der als Hermeskeils Pfarrverwalter künftig mehr und auch weitere Strecken zu fahren hat, sieht den Neuerungen optimistisch entgegen: „Wir müssen gucken, wie wir mit der Situation, die wir jetzt haben, weitergehen – in guter Art und Weise.“

Auf der Internetseite der Pfarrei (www.katholische-kirche-ruh.de) hat er sich mit einer Grußbotschaft an die Gläubigen gewandt und schreibt darin: „Wir stehen als Kirche in einer herausfordernden und sicher auch spannenden Zeitphase, erleben Abschiede, aber auch Neubeginn. Zwar wird sich die Umsetzung der Neugründung der Pfarrei der Zukunft verzögern, doch es wird notwendig bleiben, diese im Blick zu haben und miteinander in der Pfarrei Sankt Franziskus und den anderen Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften Schritte auf diesem Weg zu gehen.“

Sollen die neuen Zuständigkeiten nur eine Übergangslösung sein auf dem Weg zur Großpfarrei oder doch von längerer Dauer sein? Auf eine entsprechende Anfrage des TV gibt die Pressestelle des Bistums am Montag bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe keine Auskunft.

Clemens Grünebach sagt am Sonntag bei seiner Abschiedsfeier, er sei „dankbar und froh“, obwohl ihm der Abschied aus dem Hochwald schon nahegehe. Aber traurig sein könne er auch noch nächste Woche. Jetzt freue er sich einfach über „so viele gute Worte“ der Abschiedsgäste.

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