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Ein Abschied mit Wehmut und Dankbarkeit: Apotheke am Marktplatz in Saarburg schließt nach 43 Jahren

Kostenpflichtiger Inhalt: Ein Abschied mit Wehmut und Dankbarkeit : Apothekerin schließt nach 43 Jahren ihr Geschäft am Saarburger Marktplatz

Die Apothekerin Gisela Fuhrmann erzählt im Gespräch mit dem TV, warum sie ihre Saarburger Markt-Apotheke nach 43 Jahren aufgibt. Und weshalb sie damit ihren Beruf nicht ganz an den Nagel hängen wird.

Wenn sich am 31. März 2020 der Schlüssel zur Apotheke am Saarburger Marktplatz zum letzten Mal dreht, geht für Gisela Fuhrmann ein Kapitel zu Ende. Eines, das sie weit mehr als die Hälfte ihres Lebens begleitet hat. Die Markt-Apotheke war ihr Leben. „Ich habe nur dreimal gefehlt, nämlich zur Geburt meiner drei Kinder“, sagt sie. Im Gespräch mit dem TV wird deutlich, wie sehr die Apothekerin für ihren Laden brennt, wie sehr sie den Kontakt mit ihren Kunden liebt und wie schwer es ihr fällt, jetzt – nach 43 Jahren – zu schließen.

Doch der Reihe nach: Als Gisela Fuhrmann 1977 nach Studium und Approbation mit ihrem Ehemann Werner nach Saarburg zurückkehrte, war das für die junge Apothekerin nicht die Erfüllung eines Traumes, denn „eigentlich wollte ich nicht sofort zurück in die alte Heimat“. Doch Dr. Albert Hild ermunterte die jungen Leute zum Schritt in die Selbstständigkeit an der Graf-Siegfried Straße. Über die Jahre entwickelte sich das Geschäft so gut, dass die Furhmanns 1981 aus der beengten Privatwohnung im Hinterhaus des Geschäftes in ein neues Domizil an der Hubertusstraße umziehen konnten.

Die Nähe zu einer oder mehreren Arztpraxen war damals wie heute ein überlebenswichtiges Kriterium. Inzwischen hat jedoch die direkt über der Apotheke befindliche Praxisgemeinschaft Hoppe (ehemals Hild)/Stetter (Allgemeinmedizin) ihren Umzug beschlossen. Die Praxis Dr. Riesinger (Kinderärztin) ist bereits weggezogen.  Dadurch werde ihr immer mehr das Wasser abgegraben, sagt Fuhrmann. „Auch die Konkurrenz aus dem Internet hat sich stark bemerkbar gemacht.“

2013 starb ihr Ehemann, der in Saarburg aktiv und sehr beliebt war. Er hatte bis dahin die Apotheke mit seiner Frau geführt. Eine geplante Übergabe des Geschäfts an Tochter Sabine Feig scheiterte. Der Grund dafür waren unter anderem behördliche Auflagen. Die Tochter hätte das Gebäude modernisieren und beispielsweise barrierefreie WC-Anlagen einrichten müssen. Und so machte die Mutter weiter. Etwa zehn Mitarbeiter  sind die Stammbesetzung und der „Rückhalt“ sowie Ansprechpartner für die Kunden der Markt-Apotheke. Viele Auszubildende gingen bei Fuhrmanns in die Lehre, viele sind dann einfach dageblieben. Das schaffe Identifikation sagt Gisela Fuhrmann: „Deshalb tut es mir vor allem für die Lebensqualität der älteren Leute und Innenstadtbewohner leid.“

Drei Kinder hat die Apothekerin, aus allen sei „etwas Anständiges geworden“, sagt sie. Mittlerweile stehen auch sechs Enkel im Stammbuch. Gisela Fuhrmann hat schon das Aufwachsen ihrer Kinder mit der Fotokamera begleitet, nun sollen auch dicke, analoge Alben für die Enkel dazukommen. Auf die Frage, ob sie denn sonst keine Hobbys habe, antwortet sie mit einem erwartbaren, aber äußerst überzeugenden: „Nein, das Geschäft war immer mein Hobby.“ Das klingt aus ihrem Munde nicht wie eine Phrase, sondern wie ein authentisches Statement einer Geschäftsfrau der Nachkriegsgeneration.

Dazu passt auch, dass sie den Beruf nicht ganz an den Nagel hängen will, sondern noch für Not- und Vertretungsdienste zur Verfügung stehen möchte. So bleibt sie – gerade in Zeiten, wo ein Virus die geballte Kompetenz der Medizin- und Pharmabranche herausfordert – weiter mit ihren Patienten in Kontakt. Den TV-Reporter bittet sie zum Abschied: „Vergessen Sie nicht zu schreiben, dass ich mich bei allen Kollegen und Kunden herzlich bedanken möchte“.