Ein bisschen WM ist immer noch

SAARBURG. Seit Montag hat für den Großteil der Deutschen eine neue Zeitrechnung begonnen: Die Ära nach der WM, nach der großen Dauerparty ist angebrochen. Der TV hat sich in Saarburg nach Gewinnern und Verlierern des großen Fußballereignisses umgehört.

Nach dem Spiel ist vor dem großen Aufräumen: Noch flattern die vor vier Wochen angebrachten Fahnen aller WM-Teilnehmerländer entlang der Graf-Siegfried-Straße. Auch die Post und so manches Restaurant haben sich noch nicht von ihrer WM-Dekoration getrennt. Und dennoch: Seit Montag ist definitiv Schluss mit dem Riesenspektakel um das runde Leder. Mancher seufzt darüber betroffen, andere seufzen erleichtert. Und wie immer gibt es einige, die von der WM mehr profitiert haben als andere. Für Manfred Paulus, Geschäftsführer von "Paulus Sport", steht fest: "In jedem Fall ist ganz Deutschland Gewinner. Von dieser positiven Stimmung wird sicher etwas bleiben." Ungewöhnliche Nachfrage

Er selbst gehöre mit seinem Geschäft durchaus zu den Gewinnern dieser WM. "Die vergangenen Wochen waren für uns von der Nachfrage her außergewöhnlich", berichtet Paulus. Er habe sich rechtzeitig mit WM-Artikeln aller Art eingedeckt, zwischenzeitlich aber immer wieder nachgeordert. Auf Trikots und T-Shirts habe es einen regelrechten Run gegeben. "Mit den Trikots waren wir an den ,Saarburger Markttagen' ausverkauft. Überhaupt lief der verkaufsoffene Sonntag an den ,Markttagen' bei uns sehr gut, während die übrigen Geschäfte wegen des heißen Wetters keine so gute Bilanz gezogen haben." Kollege Stefan Müller-Hamann vom gleichnamigen Bekleidungsgeschäft einige Meter weiter zieht hingegen ein anderes Fazit: "Was den Verkauf angeht, hat sich die WM bei uns nicht bemerkbar gemacht. Der positive Effekt und die tolle Stimmung, die überall im Land herrschte, war aber auch in Saarburg zu spüren." Genossen habe er, "dass auf einmal alle ein Gemeinschafts-Thema hatten. Das verbindet unheimlich." Für ihn habe die WM eine grundlegende Wendung gebracht: "Ich war bisher absoluter Fußball-Muffel und bin zum echten Fan geworden. Ich habe mir ein Trikot gekauft, die Bänder getragen und bin nach Kaiserslautern zur Fanmeile gefahren. Freunde haben nur noch den Kopf geschüttelt." Cristofero Russo, Geschäftsführer des "Hotels Am Markt", meint: "Bei den Deutschland-Spielen war der Betrieb bei uns gewaltig, weil wir hier einen großen Fernseher aufgestellt hatten. Wir hatten internationales Publikum, und die Atmosphäre war sehr gut. Es gab keine Randale, kein Gegröle, einfach toll."Nicht unbedingt mehr Umsatz gemacht

Auf den Umsatz habe sich der Betrieb allerdings nicht unbedingt ausgewirkt. "An diesen Abenden waren die Tische in der Regel nur einmal besetzt, es gab nicht den Wechsel wie sonst." Eine ähnliche Einschätzung bringt sein Kollege Vafa Monsavi, Pächter des Restaurants "Amadeus" am Wasserfall: "Vom Betrieb her lief es bei uns sehr gut, weil auch wir einen Fernseher aufgestellt hatten. Ob sich die WM aber positiv auf den Umsatz ausgewirkt hat, ist schwer zu sagen. Denn auf der Terrasse ist viel los, seit wir dieses tolle Wetter haben." Sein Nachbar Robert Vadrot, Chef der "Zunftstube", ist froh, dass die WM vorbei ist. "Wir haben 80 Prozent Stammgäste, und die haben während der WM eher vor dem Fernseher als bei uns gesessen. Insofern war die WM für uns nicht gut. Aber jetzt fängt ja das normale Leben wieder an."

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