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Ein Buch mit Witz: Wasserliescher Alexander Trierweiler schreibt über seine Depressionen

Ein Buch mit Witz: Wasserliescher Alexander Trierweiler schreibt über seine Depressionen

Mit Humor auf eine psychische Krankheit blicken. Darüber hat Alexander Trierweiler ein Buch geschrieben. Geholfen haben ihm dabei auch die sozialen Netzwerke wie Facebook.

"Ich habe ihn tagelang nicht erreicht, er hat einfach abgeschaltet. Natürlich hat man sich da Sorgen gemacht, aber ich glaube, das Schreiben hat ihm Luft gemacht", erzählt Hermann Trierweiler. Der 87-Jährige aus Wasserliesch ist den Tränen nahe. Der Vater ist zunächst geschockt, als er von den Depressionen seines Sohns Alexander erfährt. Inzwischen ist er etwas gelassener. Das Buch "Depressionismus für Anfänger", das Alexander im Alter von 47 Jahren vor drei Monaten veröffentlichte, hat ihm geholfen, die Krankheit seines Sohnes besser nachzuvollziehen. Die Scheidung von seiner Frau verursacht die Krankheit bei Alexander Trierweiler im Jahr 2009. Eine Scheidung, die ihn in ein tiefes Loch fallen lässt.
Acht Jahre später hat er gerade eine Behandlung in der psychosomatischen Fachabteilung des Saarburger Kreiskrankenhauses hinter sich. Zu dem Klinikaufenthalt hat er sich selbst entschlossen. Nun erzählt der Konzer seine Geschichte. Körperliche Beschwerden und der Verdacht auf ein Magengeschwür hätten ihn anfangs, 2009, dazu gebracht, einen Arzt aufzusuchen, sagt Trierweiler. Dann sei direkt klar gewesen: Das ist nichts Physisches, die Beschwerden sind psychischer Natur. Diese Diagnose bedeutet für den 47-Jährigen damals erst einmal, dass er sich zurückzieht.
Zunächst spricht er nur mit seinem Vater über die Depression. Irgendwann kann er sich jedoch aufrappeln und sucht sich einen Therapeuten. In die Behandlung setzt er große Hoffnung auf eine schnelle Besserung seiner Depressionen. Er wird jedoch enttäuscht. Nach einem dreiviertel Jahr stimmen seine Ziele immer noch nicht mit denen seines Therapeuten überein. Er beendet die Therapie. Parallel dazu sucht er in den sozialen Netzwerken über verschiedene Facebook-Gruppen nach Hilfe, die sich alle mit dem Thema Depressionen beschäftigen. Dort bekommt er den entscheidenden Tipp: Schreib doch mal ein Buch!
Dieser Ratschlag wird von Psychologen und Experten aus Deutschland und den USA unterstützt. Schreiben als Mittel gegen Depressionen. Doch zunächst muss er einen weiteren Rückschlag verkraften: Ein Jahr, bevor er mit seinem Buch anfängt, geht es ihm schlecht. Ausschlaggebend sei vor allem sein damaliger Job in Luxemburg gewesen. Auch privat sei es nicht so gut gelaufen. Er beendet das Arbeitsverhältnis einvernehmlich mit seinem Arbeitgeber.
Die Idee mit dem Buch aber lässt ihn nicht los. Um seine Erlebnisse in der Vergangenheit zu verarbeiten, beginnt er mit diesem Projekt.
So macht er es sich zwei bis drei Monate auf dem Sofa vor seinem Laptop gemütlich und beginnt. Nach knapp drei Monaten ist das Buch fertig. Während des Schreibens erlebt er allerdings ein Wechselbad der Gefühle. Wirklich besser geht es ihm erst, als er Eigeninitiative ergreift und sein Buch auf den Markt bringt. Vor allem die vielen positiven Rückmeldungen geben ihm neuen Auftrieb. Menschen, die er über Facebook kennenlernt, scheinen von seinem Schreibstil begeistert zu sein.
In seinem 240-seitigen Buch, das er im Eigenverlag veröffentlicht hat, ist viel schwarzer Humor zu finden. Das sei ihm oft nicht leichtgefallen, aber es zeichne ihn auch aus. "Viele Menschen, die an Depressionen leiden, sind froh, wenn sie mal lachen können", sagt Alexander Trierweiler. Das werde oft vergessen. "Das Buch ist für Leute, die an Depressionen leiden, für deren Angehörige und für solche, die sich für das Thema interessieren", sagt der Autor.
Er rede in dem Buch Klartext. Eine Schicksalsgeschichte sei es aber nicht. "So kann man die Krankheit auch von der Seite eines Depressiven betrachten", sagt Alexander Trierweiler.
Eine weitere Seite der psychischen Krankheit sind Medikamente. " Seit meinem Aufenthalt in der Psychosomatik nehme ich jeden Morgen ein Antidepressivum ein", sagt Trierweiler. "Davor habe ich eine gesunde und ausgewogene Auswahl von fünf oder sechs anderen Medikamenten dieser Kategorie genutzt", erzählt er schmunzelnd und demonstriert damit einmal mehr seine Art von Humor.
Dennoch erkennt er eine positive Entwicklung: "Ich habe nun einen Weg, so dass ich die Richtung nicht verlieren kann." Eine Sache, die für Alexander emotional wichtig ist, ist Musik. Diese helfe ihm, wenn es ihm wieder schlechter gehe. Bereits vor seiner Krankheit spielte er in einer Band Gitarre und sang: "Diese Band ist mir sehr wichtig. Aber irgendwann hat es einfach keinen Spaß mehr gemacht." Doch nun will er wieder Musik machen. Lächelnd sagt er: "Darüber gibt es auch schon Verhandlungen." Und Trierweiler hat noch einen Plan für die Zukunft: "Eventuell schreibe ich ja noch ein zweites Buch."
Alexander Trierweiler: „Depressionismus für Anfänger: Gurken in der Auslegware“, tredition, 2017, 240 S., 9,95 Euro
Behandlung im Saarburger Krankenhaus

Die psychosomatische Abteilung des Kreiskrankenhauses Saarburg soll um zehn Betten auf 30 aufgestockt werden. Momentan ist dort Platz für circa 20 Patienten. Um die zusätzlichen Kapazitäten aufzubauen, sollen Plätze in der chirurgischen Abteilung und der Inneren Medizin wegfallen.