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Ein Euro pro Gramm: Die Waage bestimmt den Preis der Kunst

Ein Euro pro Gramm: Die Waage bestimmt den Preis der Kunst

Wo die Saarburger noch vor einigen Jahren Krakauer und Kalbsleberwurst gekauft haben, stellt die Künstlerin Cordue derzeit ihre Werke aus. Die 56-Jährige hat die ehemalige Metzgerei Höfner zum Atelier und Verkaufsraum umfunktioniert, dabei jedoch Ladentheke, Waage und vieles mehr erhalten.

Saarburg. In der ehemaligen Metzgerei Höfner im Saarburger Kunohof kostet ein Gramm am Eröffnungstag einen Euro. Was für Salami oder Geflügelwurst ein horrender Preis wäre, ist für ein Gramm Cordue im wahrsten Sinne des Wortes ausgewogen. Denn ein Gramm Cordue, das kann der Bruchteil einer Porträtzeichnung in Aquarell oder eines colorierten Siebdruckes sein, den die gleichnamige Künstlerin abwiegt.
Die Metzgerei hat sie zu ihrem Atelier und Verkaufsraum gemacht, Kunst statt Kotelett heißt es ab sofort im Kunohof 1. "Ich habe ein Faible für ungewöhnliche Räume und keine Berührungsängste mit Ungewöhnlichem", erklärt die 56-Jährige, deren Künstlername früher ihr Spitzname war. Sie hat sich entschieden, den Charakter des 30 Quadratmeter großen Raumes zu erhalten.
Zentrales Element ist nach wie vor die alte Waage, mit der die Gemälde grammgenau abgewogen und abgerechnet werden. Das galt allerdings nur für die Vernissage: Inzwischen gibt es normale Preisschilder.
Weitere Schmuckstücke sind die Kuh- und Schweinefiguren auf den Regalen und die weißen Kacheln an der Wand, die ebenso noch aus alten Tagen stammen wie die geräumige Ladentheke. Diese nutzt die gebürtige Freiburgerin als Auslagefläche für ihre Werke.
Bildende Kunst studiert


Die neuen Räume tragen den Titel "Scintillab LaborARTorium": "Das italienische Wort scintilla bedeutet Fünkchen. Ich finde, ein guter Künstler sollte Funken sprühen, Spuren hinterlassen. Lab ist die Abkürzung für Labor - Künstler sind immer auch Forscher. Durch den Bestandteil Art habe ich schließlich die Kunst auch explizit erwähnt", erklärt Cordue, die in Bremen Bildende Kunst studiert hat, den ungewöhnlichen Namen.
Sieben Exponate


Im Zentrum der Vernissage standen sieben Exponate zum Thema Essgruppen, die unterschiedliche Menschen beim Einnehmen einer Mahlzeit zeigen. Das Besondere an den Bildern ist, dass sich die Figuren teilweise auflösen, nur noch schemenhaft erkennbar sind und somit ein Kontrast zwischen klaren Formen einerseits und verschwommenen Umrissen andererseits entsteht.
Vernissage mit Jazz und Wein


Musikalische Unterstützung kam von der Jazzband The Koose lights. Außerdem gab es Weine aus dem benachbarten Delikatessladen Vinicole.
Besucher bekommen also ab sofort Gelegenheit, sich auf die außergewöhnliche Atmosphäre und die darin ausgestellten Werke einlassen. Drei Mal pro Woche öffnet Cordue das Atelier. Mittwochabends besteht zudem die Möglichkeit, unter Anleitung selbst zu zeichnen - und auszuwiegen. gn
Öffnungszeiten:
mittwochs 18.30 bis 21 Uhr, samstags 11.30 bis 13 Uhr, sonntags 17 bis 20 Uhr.