Ein Flüchtling arbeitet als Elektroingenieur in Konz und integriert sich erfolgreich - Arbeitsmarktzahlen in Trier und Kreis Trier-Saarburg

Integration durch Arbeit und Freunde : Warum sich Herr Halabia heimisch fühlt

Ein syrischer Elektroingenieur aus Konz erzählt im TV seine Integrationsgeschichte. Zu seinem festen Job ist er gekommen, weil ihm viele Menschen geholfen haben. Bei anderen Geflüchteten läuft es weniger glatt.

Ahmad Halabia lächelt zufrieden bei dem Pressetermin im Vorführraum der Firma Elatec in Konz-Könen. Der 31-jährige Elektroingenieur sitzt zusammen mit seinem Vorgesetzten Lars Nikolay und Markus Pütz am Tisch, dem kaufmännischen Leiter des mittelständischen Unternehmens mit rund 170 Mitarbeitern. Zusammen wollen sie Halabias Geschichte erzählen, wie er als Kriegsflüchtling aus Aleppo nach Deutschland gekommen ist. Und vor allem, wie er einen festen, sozialversicherungspflichtigen Job als Facharbeiter bekommen hat. Das schaffen bislang nur die wenigsten Geflüchteten (siehe Text unten). 

Schwieriger Start Halabias Ausgangslage für den deutschen Arbeitsmarkt war nicht einfach. Der Syrer hat zwar in seiner Heimat einen Abschluss als Bachelor in Elektrowissenschaften, aber die deutsche Sprache ist ihm vollkommen fremd, als er im November 2015 zusammen mit seiner Frau nach Deutschland kommt. Das will er schnell ändern – zumal seine Frau zu diesem Zeitpunkt schwanger ist und er als werdender Vater seine Familie versorgen möchte. „Wir haben uns alleine mit YouTube-Videos Deutsch beigebracht“, sagt der Syrer. Erst etwa ein Jahr, nachdem er 2016 nach Konz gekommen sei, habe er, vermittelt durch das Beratungszentrum der Caritas in der Beethoven-Galerie in Konz, einen Deutschkurs belegen können.Unterstützung findet die Familie auch bei Elvis Mihu, der für den Caritasverband mit Hilfe von EU-Geld Flüchtlingsfamilien betreut und an den Arbeitsmarkt heranführt. Er erkennt sofort das Potenzial von Halabia und sorgt dafür, dass der syrische Hochschulabschluss in Deutschland anerkannt wird. Das ist wichtig, doch Sprachkurse braucht der 31-Jährige trotzdem noch, bevor er arbeiten kann. Und tatsächlich erreicht der Syrer 2018 die dritte von sechs Sprachstufen.


Bewerbungsprozess
Erst danach bewirbt sich der 31-Jährige für Praktika. Bis es so weit ist, vergehen trotz Halabias positiver Einstellung fast zwei Jahre. 2018 absolviert der Syrer drei Praktika hintereinander bei Natus in Trier, bei Volvo in Konz und bei einer weiteren Firma in Bitburg. Weil seine Sprachkenntnisse noch nicht ausreichen, bekommt er zunächst nur Angebote für bezahlte Jobs in der Produktion – auch bei Unternehmen außerhalb der Region. Das reicht ihm nicht. Halabia will als Ingenieur arbeiten, in dem Beruf, den er gelernt hat. Und er will in Konz bleiben. Gemeinsam mit Mihu schreibt er im November 2018 die Bewerbung für Elatec und bekommt schließlich den festen Job. Drei Jahre nach seiner Ankunft ist er nicht mehr auf Geld vom Staat angewiesen. Wie jeder Arbeitnehmer in Deutschland zahlt er jetzt Steuern. Sein heutiger Chef, Lars Nikolay, sagt: „Die Bewerbung passte für uns, und im Gespräch war auch alles in Ordnung.“ Halabia sei sogar besonders willkommen: Das Unternehmen vertreibe seine Schaltanlagen, die zum Beispiel in Stromverteilern, Kreuzfahrtschiffen oder für Bahnstromanlagen genutzt werden, weltweit. Auch im arabischen Raum. Da sei es gut, wenn jemand die Sprache und die Gepflogenheiten kenne. Inzwischen arbeitet der 31-Jährige seit dreieinhalb Monaten in Konz-Könen. Nach dem Schnupperpraktikum zum Kennenlernen und der Einarbeitungsphase in der Produktion übernimmt der Elektroingenieur bald die von ihm angestrebte technische und kaufmännische Verantwortung für ganze Projekte.

Ein Job ist nicht alles
Der Job ist aber nur eine Seite, die eine erfolgreiche Integration ausmacht. Halabias Familie habe seit 2016 zum Beispiel über verschiedene ehrenamtlich geführte Projekte wie das Café Hilfreich oder das Sprachcafé Deutsch Anschluss gefunden, erzählen er und Thomas Zuche, Ehrenamtskoordinator des Caritasverbands in Konz. Auch dass seine inzwischen zweieinhalbjähriger Sohn im Kindergarten St. Johann betreut werde, schade nicht. Hinzu kommt, dass seine Frau ebenfalls berufsvorbereitende Praktika in Arztpraxen absolviert. „Wir haben deutsche Freunde gefunden“, sagt der Syrer. „Ich habe keine Erfahrung mit schlechten Leuten gemacht.“ Erst als Zuche nachfragt, schildert er ein negatives Erlebnis: Einmal habe er beim Abbiegen mit dem Fahrrad ein Handzeichen gegeben. Ein Autofahrer habe ihn überholt und mit ausgestrecktem rechten Arm den Hitler-Gruß gezeigt. „Ich habe gelacht“, sagt Halabia. Er fühle sich trotzdem wohl in Konz – und bei Elatec. Er könne sich nicht vorstellen, in Kürze nach Syrien zurückzukehren. Die Lage sei unübersichtlich. „Wenn Strom da ist, telefoniere ich mit meiner Mutter, meinem Vater und meiner Schwester“, sagt er. Sie leben laut Halabia noch in Aleppo. Hoffnung, dass dort bald Normalität einkehre, habe er nicht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war ein falscher Name enthalten: Lars Nikolay ist korrekt. Außerdem stand in dem Artikel, dass Schaltanlagen von Elatec in Zügen benutzt werden. Das ist ungenau. Sie werden in Bahnstromanlagen verbaut. Zudem ist Ahmad Halabias Kind ein Junge, kein Mädchen. Wir bitten, die Fehler zu entschuldigen.

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