Ein ganz heißes Spektakel

SCHWEICH. Die Stadt Schweich befand sich am Sonntag im närrischen Ausnahmezustand. Mitten im Hochsommer bewegte sich ein großer närrischer Umzug durch die Straßen.

Das für alle schweißtreibende Spektakel begeisterte Tausende von Besuchern. Markantester Unterschied zum Zug im Winter: Anstatt sich mit heißen Getränken zu erwärmen, schleckten die Narren jede Menge Eis. Wie gut, dass wenigstens der Prinzenwagen über ein eigens eingebautes Kühlaggregat verfügte. Ein Kältetechniker hatte es den Narren wärmstens empfohlen. Das Bier sollte kühl bleiben, nicht die Tollitäten.Von wegen, am Aschermittwoch ist alles vorbei: Schon während der Session ließen die Aktiven des Jubiläumsvereins, allen voran Prinzessin Carmen Marxen und Prinz Helmut Winnebeck, keine Gelegenheit aus, alle Welt auf das Ereignis im Juli einzustimmen.15 Wagen und 60 Gruppen

Kein Wunder, dass nahezu die gesamte närrische Zunft aus der Umgebung ganz heiß darauf war, beim SKV-Jubiläum mit zu schwitzen. Für den Zug ergab das 15 Wagen und 60 Gruppen mit mehr als 800 aktiven Narren. Beim Rosenmontagszug waren es 15 Gruppen weniger."Von so etwas konnten die Vereinsgründer vor 33 Jahren nur träumen", sagte Helmut Winnebeck. Eine Handvoll Narren habe damals beschlossen "mir maachen eppes". Sie bastelten einen Wagen und bepackten ihn mit Strohballen. Ein Schild verkündete: "Ganz Schweich schläft immer noch". Ein paar Aktive gingen mit. Helmut Winnebeck: "Immerhin dauerte der erste Schweicher Karnevalszug zwei Stunden, denn man durchquerte das ganze Dorf."Ihren karnevalistischen Tiefschlaf haben die Schweicher längst beendet. Selbst im Sommer sind die Narren hellwach. Derweil gibt es auch differenzierte Meinungen zum ausgelassenen Treiben inmitten der Faschings-Fastenzeit. Ja, es fiel sogar das Wort Sakrileg.Das "offizielle närrische Schweich" gibt sich indes zustimmend bis tolerant. "Ich bin nicht dagegen, aber es muss auch nicht sein", sagte Kurt Heinz (Isseler Carneval-Verein). Deutlich artikulierte sich das närrische Volk. So ein knapp 40-jähriger Pappnasenträger aus Fell: "Ich mache mit und finde es lustig, aber dies ist nicht die Copa Cabana. Hierzulande gehört der Karneval stimmungsmäßig in die kalte Jahreszeit." Anders dagegen seine Ehefrau: "Warum Karneval immer nur dick eingemummt mit Triefnase, Eisbeinen und blau gefrorenen Gliedern feiern? Im Sommer kommt viel mehr Freude auf". "Und für die Augen der Männer ist es auch gesünder", warf ein anderer Zuschauer ein. Eine Dauereinrichtung soll der Sommerumzug nach Auskunft von Helmut Winnebeck aber nicht werden. Nach dem Umzug war das Treiben noch nicht beendet. Der Musikverein spielte, Tanzmariechen Monika Klassen wirbelte und der eigens aus Österreich angereiste Dieter Thörnich bestätigte seinen Ruf als Stimmungskanone.Für tatkräftige Unterstützung dankte Helmut Winnebeck der Schweicher Feuerwehr, dem DRK, und der Mosella-Altherrenriege. Ganz besonders lobte er die Jugendfeuerwehr Ensch. Sie hatte gemacht, was sonst niemand gern tut - nach dem Umzug die Straßen gesäubert.