Ein Genuss für die Seele

NEUHÜTTEN. (jolo) Musik ist Trumpf in Neuhütten. Vor allem dann, wenn der örtliche Musikverein "Harmonie" zu seinen Jahreskonzerten lockt. Beim Konzert im Bürgerhaus am Dollberg folgten wieder viele Freunde moderner Blasmusik dem Lockruf.

Am Schluss waren sie restlos begeistert. Sichtlich angetan vom vollen Haus war Harmonie-Vorsitzender Hans-Josef Malburg. Da musste sein Musikverein unter Leitung von Markus Willems zu großer Form auflaufen. Das tat er schon bei "Lord Tullamore", mit dem der Verein sein mit zwölf wunderschönen Melodien geschmücktes Konzert eröffnete. Diese musikalische Geschichte, vom Belgier Carl Wittrock in Szene gesetzt, erzählt von einem vermeintlichen Adeligen, dessen Feste sich regen Zuspruchs erfreuten. Wer kennt es nicht - das 1906 in St. Petersburg geborene Genie Dmitrij Schostakovisch.Die Neuhüttener Musikanten brachten von ihm das von James Curnow bearbeitete Werk "Folk Dances" zu Gehör. Später sagte Clemens Grünebach, dass ihm dieses melodische Stück ganz besonders gut gefallen habe. Der 34-Jährige, seit Anfang September Pastor von Züsch und Neuhütten, ist nicht nur gekommen, weil alle seine Messdiener im Jugendorchester mitspielen, sondern weil er als früherer Querflötenspieler die Musik liebt. Ihn freute es ebenfalls, dass das Harmonie-Orchester ihn wie alle Zuhörer mit der viersätzigen Komposition "Gulliver's Travels" ins Abenteuerland und in die Phantasiewelt der Romanfigur Gulliver mitnahm.Zurück von der Traumreise, ertönte "Jupiter Hymn". Geschrieben und komponiert vom Engländer Gustav Holst, arrangiert von Johan de Meij. Norbert Düpre hat sie dem Musikverein zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Bevor die Musikanten ein Lokomotivrennen simulierten, nahmen sie ihre Zuhörer mit in die exotische Inselwelt des Pazifiks und spielten das vom Holländer Jacob de Haan komponierte "Pacific Dreams". Leidenschaftliche Eisenbahnfans kamen beim Stück "The Great Locomotive Chas" auf ihre Kosten. Diese ergreifende Melodie ging Gaby Kretz sehr nahe. Die 39-Jährige, deren Mann im Neuhüttener Orchester mitspielt, lernt seit kurzem Saxofon. Nach der "rasanten Verfolgungsfahrt auf den Schienen" sprangen die Zuhörer gemeinsam mit den Akteuren auf den "Vergnügungszug" von Johann Strauß. Im Gepäck war eine Polka.Für das Orchester bot "Erinnerung an Zirkus Renz" keine Probleme. Gefordert war Solistin Aline Schmitt, die einen rasanten Galopp auf dem Xylofon vorführte. Ob es das besinnliche, zur Adventszeit passende schottische Volkslied "Amazing Grace", Herb Alperts Golden Hits oder der Marsch-Walzer "Castaldo-Nova" von Rudolf Novacek waren - der an diesem Abend mit 42 Akteuren besetzte Neuhüttener Musikverein wusste zu gefallen.Mit der Zirkusmelodie verabschiedet

Die Musik - ein Genuss für die Seele - inspirierte Inge Patzschke aus Züsch nach dem offiziellen Teil derart, dass sie spontan aufsprang und damit Vorreiterin der Zugabenrufer war. Und dann kam er - ein Marsch, ohne den ein Publikum laut Dirigent Markus Willems niemals nach Hause geschickt werden darf. Es war ein wunderschöner Musikabend, bei dem die jungen Musiker André Gouvermeuer, Dirk Malburg, Christopher Fuchs, Kai Louis, Lukas Abend sowie Sarah Räsch (MV Geisfeld) in die Musikmannschaft neu aufgenommen wurden. Helmut Düpre, 43 Jahre zuständig für die tiefen Töne, wurde mit der Zirkusmelodie verabschiedet. Der älteste Akteur, der fast 73-jährige Saxofonist und frühere Trompeter Jupp Berweiler, bleibt dem Neuhüttener Kulturträger erhalten. Dass er musikalisch noch aktiv ist, veranlasste seine Schwester Betty Kaiser, mit ihrem Mann von Bonn aus in den Hochwald zu reisen, um sich schon das Jahreskonzert anzuschauen.