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Ein Gleis ist ihnen eines zu wenig

Ein Gleis ist ihnen eines zu wenig

Hat die Bahnstrecke an der Obermosel Zukunft? Bürger konnten sich während einer Informationsveranstaltung über die Planung der Bahn am Nitteler Bahntunnel informieren.

Nittel/Wellen. (jbo) Stefan Simon, Projektleiter für Tunnelbauprojekte bei der Deutschen Bahn, hatte es nicht leicht. Im Alten Casino in Wellen saßen ihm bei einer Informationsveranstaltung zum Projekt Nitteler Bahntunnel mehr als 30 kritische Besucher gegenüber. Dazu eingeladen hatten die Verbandsgemeinde (VG) Konz und die Ortsgemeinden Nittel und Wellen. Karl-Heinz Frieden, Erster Beigeordneter der VG, machte von Anfang an deutlich, welche Erwartungen die Verbandsgemeinde an die Sanierung des Tunnels zwischen Wellen und Nittel hat: "Mit dem geplanten Rückbau auf ein Gleis im Bereich des Tunnels werden die Bemühungen um den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs konterkariert." Die Pläne der Bahn würden in der gesamten Großregion einmütig abgelehnt. Die Obermoselstrecke sei Teil eines europaweiten Güterfernverkehrnetzes von Skandinavien bis nach Spanien. Frieden: "Nach einer Tunnelsanierung mit nur einem Gleis kommt die zweite Röhre nie. An die Vertröstung, das zweite Gleis wird gebaut, wenn der Bedarf da ist, glauben wir nicht!"Nach den starken Worten, die die Anwesenden - VG-Bürgermeiste Manns, Ortsbürgermeister Huber aus Wellen und Wietor aus Nittel, Bürger aus Wellen und Nittel - mit zustimmendem Nicken quittierten, stellte Bahn-Projektleiter Simon die Planungen der Bahn vor. Danach müssten vor allem aufgrund gestiegener Sicherheitsanforderungen Fluchtwege, Rettungsplätze, Zugangswege für Rettungsteams und Löschwasserbehälter neu gebaut werden. "Es handelt sich bei dem Projekt um einen Neubau in einer vorhandenen Röhre. Der fast 130 Jahre alte Tunnel wäre nach heutigem Stand nicht mehr genehmigungsfähig."Während des Baus soll Zugverkehr in Wellen enden

Tunnelbauer Simon erläuterte, dass aufgrund der Auflagen die Bahntrasse um zwei Meter abgesenkt werden müsse. "Wir müssen einen Trog bauen, damit die Strecke nicht im Wasser verläuft. Wegen der Mosel lägen wir unterhalb des Grundwasserspiegels." Die Tieferlegung des Tunnelfundaments würde man durch Sprengungen, Fräsen und Baggern von beiden Seiten gleichzeitig vorantreiben. "Innerhalb von einem Jahr soll der Tunnelrohbau fertig sein." In diesem Zeitraum würde der Zugverkehr in Wellen enden, Fahrgäste müssten mit Bussen weiter bis Perl fahren.Von einem Teilnehmer wurde neben den Verbesserungen für die Sicherheit noch ein anderer Grund für die aufwändige Planung genannt: die Kosten für einen "Neubau" übernehme der Bund, eine Sanierung müsse die Bahn aus eigener Tasche bezahlen.Anwohner sehen Probleme vor allem in der zu erwartenden Lärmbelästigung. Züge müssten aufgrund der Eingleisigkeit vor dem Tunnel warten, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Die kreischenden Bremsen wären weithin zu hören. Grundstückbesitzer, deren Flächen über dem Tunnel liegen, müssten der Bahn Nutzungsrechte für eventuelle Bohrungen und ähnliches einräumen. Sie befürchten daher Wertverluste für ihre Grundstücke.VG-Bürgermeister Manns und Beigeordneter Frieden machten darauf aufmerksam, dass Einwände, Widersprüche und Fragen im Zuge des laufenden Planfeststellungsverfahrens nur noch bis zum 10. Mai 2007 möglich sind. "Bis dahin müssen Ihre Anmerkungen schriftlich bei der Verbandsgemeindeverwaltung vorliegen", appellieren die beiden an die Bürger, sich für ihre Rechte einzusetzen. DB-Mann Simon: "Wir sind kooperativ, reichen Sie alles schriftlich ein. Sie bekommen auf jeden Fall eine ausführliche Antwort."