Ein Glockenschlag aus Mainz
Das Land Rheinland-Pfalz steigt mit ins Boot, um die denkmalgeschützte Glockengießerei in Saarburg zu erhalten und dort das Konzept für ein Mehrgenerationenhaus umzusetzen. Diese Zusage haben Vertreter der Kommunalpolitik und die Saarburger Kulturbeauftragte bei einem Besuch im Mainzer Innenministerium erhalten.
Saarburg/Mainz. Ende August hat sich das Bundesfamilienministerium dazu entschieden, das Projekt eines Mehrgenerationenhauses in der Glockengießerei in Saarburg zu fördern. Saarburg hatte sich gegenüber dem Mitbewerber Hermeskeil durchgesetzt, da stets nur ein Projekt dieser Art im Landkreis mit einer Anschubfinanzierung von 40 000 Euro bezuschusst wird (der TV berichtete mehrfach).2004 hat das Ehepaar Hausen-Mabilon die Produktion des Handwerksbetriebs aus Altersgründen eingestellt. Seitdem laufen in dem denkmalgeschützten Gebäude im Staden noch Führungen, der Verkauf von Glocken sowie hin und wieder eine kulturelle Veranstaltung. Im Auftrag der Stadt, die das Kleinod und eines der Aushängeschilder Saarburgs unbedingt erhalten möchte, hat Saarburgs Kulturbeauftragte Anette Barth ein Konzept entwickelt, wie die Glockengießerei zur Kultur-, Bildungs-, Veranstaltungs- und sozialen Stätte umgewandelt werden kann. Das Land hatte nach einem Besuch von Minister Hendrik Hering in der Glockengießerei vor der Landtagswahl zugesagt, eine Machbarkeitsstudie mitzufinanzieren. Das damit beauftragte Düsseldorfer Fachbüro trat im Ergebnis ebenfalls für den Erhalt und die Umnutzung der historischen Stätte ein. Rund zwei Millionen Euro müssten nach einer groben Schätzung für den Erwerb des Gebäudes sowie Um- und Ausbau investiert werden. Geld, das weder Stadt noch Verbandsgemeinde aus eigener Kraft aufbringen können. Um abzuklopfen, inwieweit das Land mit ins Boot steigt, haben Landrat Günther Schartz, ADD-Präsident Josef Peter Mertes, die Landtagsabgeordneten Bernd Henter und Alfons Maximini, Bürgermeister Leo Lauer, Stadtbürgermeister Jürgen Dixius und Anette Barth in dieser Woche in Mainz mit Innenminister Karl Peter Bruch gesprochen. "Wir können zufrieden mit dem Erreichten sein", bilanziert Leo Lauer das Gespräch. "Auch wenn wir uns auf die Beträge noch nicht festlegen sollten: Definitiv ist, dass das Land einsteigt." SPD-Landtagsabgeordneter Alfons Maximini lässt wissen, dass eine Förderung von 65 Prozent zugesagt worden sei. Ganz so euphorisch sehen Lauer und Dixius die Situation nicht. "Noch haben wir nichts schriftlich. Die 65 Prozent sind vielleicht nicht endgültig", sagt Dixius. "Wir müssen erst mal einen Antrag stellen." Dringende Schritte seien parallel dazu die Verkaufs-Verhandlungen mit Hausen-Mabilons, das Erstellen eines Wertgutachtens für das Gebäude sowie eine detaillierte Architekten-Planung. Dennoch bilanziert er: "Wenn wir bisher 30 Prozent des Weges geschafft hatten, sind es jetzt 60." Anette Barth sieht es äußerst optimistisch: "Nach drei Jahren intensiver Bemühungen ist es jetzt gelungen, Bund, Land, Kreis, Verbandsgemeinde und Stadt in ein Boot zu kriegen. Das ist keinesfalls selbstverständlich."