Ein großer Tag für Fisch

FISCH. Die kleine Pfarrkirche St. Jakobus hat eine bewegte Vergangenheit. Vor allem steht sie auf dem geschichts-trächtigen Boden eines Ortes, den es schon lange nicht mehr gibt. Deutlich zu sehen sind hingegen die neuen, prächtigen Malereien im Innenraum des Gotteshauses, die nach zwei Monaten Arbeit vollendet wurden.

Wenn von der Pfarrkirche von Littdorf-Rehlingen die Rede ist, wissen meist nur überzeugte Kirchgänger oder beispielsweise die Leute aus Fisch, was gemeint ist. Selbst die Suche auf der Landkarte ist zum Scheitern verurteilt, denn der Ort ist nirgends zu finden. Die Erklärung: Littdorf-Rehlingen gibt es nicht mehr. Das mutet ein wenig seltsam an, stellt sich doch damit zwangsläufig die Frage, wo denn nun das kleine, weiße Kirchlein steht. Die Antwort: in einem romantischen Wiesental nahe dem zu Fisch gehörenden Rehlinger Hof. Dort errichteten vermutlich einst die Franken eine Siedlung, die den Historikern als Littdorf bekannt ist. Wahrscheinlich fielen die Bewohner der Pest zum Opfer, und so verschwand die Siedlung in der Zeit um das 16. Jahrhundert von der Bildfläche. Einzig das aus dem zehnten Jahrhundert stammende Gotteshaus, die heutige St. Jakobus-Kirche, blieb übrig. Von 1569 an wurde die Pfarrei unter dem Namen Rehlingen, der von einem ehemaligen Hofgut in der Nähe herrührt, geführt. Noch heute spricht man deshalb von der Pfarrkirche in Littdorf-Rehlingen. Was die kleine Kirche zu etwas Besonderem macht, ist nicht nur ihre Historie. Sie liegt an dem alten Jakobus-Pilgerweg von Trier nach Santiago de Compostela, einem Wallfahrtsort in Spanien. Dort liegt der Apostel Jakobus der Ältere begraben. Tausende Pilger besuchen auf ihrer Reise in Richtung Süden jedes Jahr das kleine Gotteshaus, um zu beten und um die prächtige, barocke Innenausstattung aus dem 18. Jahrhundert zu bewundern.Neue Malereien nach alten Vorlagen

Allerdings hatte im Lauf der Zeit insbesondere der Innenanstrich stark gelitten. Ein Grund: Die alte, rußende Heizung hatte die einstmals blütenweiße Farbe ergrauen lassen. "Die Leute haben sich in der Kirche nicht mehr wohl gefühlt", berichtet Pfarrer Peter Leick. "Als vor rund einem Jahr eine neue Heizung eingebaut wurde, ist deshalb die Idee entstanden, auch den Anstrich zu erneuern." Dabei habe man sich überlegt, Wände und die Decke so zu gestalten, wie sie bereits im 19. Jahrhundert aussahen. Als Vorlage sollte ein altes Foto dienen. Nachdem mit Restaurator Günter Daniel ein Fachmann für das Vorhaben gefunden worden war, begannen die Arbeiten im Juli. Insgesamt rund zwei Monate haben sie gedauert. Zu sehen sind neben kunstvollen Ornamenten auch die Wappen des "deutschen" Papstes, Benedikt XVI., und des Trierer Bischofs Reinhard Marx. Für die Finanzierung kamen ausschließlich Spendengelder zum Einsatz. Von einem "großen Tag für Fisch" sprach Ortsbürgermeister Dieter Schmitt bei der feierlichen Wiedereröffnung am Tag des Ewigen Gebets. Mit ihm freuten sich Pfarrer Peter Leick und die Bürger des Ortes. Schließlich kann nicht jeder von sich behaupten, eine Kirche zu haben, die an einem Ort steht, den es nicht mehr gibt - abgesehen von der kulturhistorischen Bedeutung.