Ein großes Glanzlicht, aber auch ein richtiger Flop

Mit einem Kirchenkonzert ist der Hermeskeiler Kulturherbst 2014 verklungen. Der TV wirft einen Blick zurück auf die 22. Auflage der vierwöchigen Veranstaltungsreihe. Deren unbestrittener Höhepunkt war ein Musical mit jungen Künstlern aus der Region, das rekordverdächtig gut besucht war. Es gab aber auch Auftritte vor recht bescheidener Kulisse.

Hermeskeil. Der Trierer Domorganist Josef Still und die begleitenden Geiger und Sänger haben am Sonntagabend den Schlussakkord beim Hermeskeiler Kulturherbst 2014 gesetzt. Sie ließen in der Martinuskirche Werke von Händel und Mozart erklingen.
Zu diesem Zeitpunkt war das große Glanzlicht der Veranstaltungsreihe noch keine 24 Stunden Geschichte.
Am Samstagabend hatte sich das Musical "Fate" als Publikumsrenner entpuppt. Das selbst komponierte und inszenierte Erstlingswerk mit einem Ensemble von etwa 60 jungen Leuten aus der Region lockte 900 Besucher in die Hochwaldhalle. Diese beeindruckende Resonanz sollte die Akteure dazu ermutigen, "so etwas wieder auf die Beine zu stellen", sagt Stadtbürgermeister Mathias Queck.
Das Programm des vom Land bezuschussten Kulturherbsts wird seit 22 Jahren vom städtischen Arbeitskreis zusammengestellt. Bewährt hat sich dabei die traditionelle Eröffnung in der Volksbank mit einer Kunstausstellung. Auch diesmal drängten sich wieder viele Besucher vor Aquarellen und Lichtinszenierungen von Beatrix Mittmann-Hotz und Michaela Knopse, zwei Künstlerinnen aus der Region. In den vier Wochen dazwischen wechselten mit dem Programm auch die unterschiedlich rege besuchten Veranstaltungsorte.
90 Gäste beim Chansonabend


Neben dem Musical gab es drei weitere Termine in der Hochwaldhalle. 150 Menschen wollten dort den aus Hermeskeil stammenden, aber nun in Bayern lebenden Kabarettisten Frank Astor sehen. Etwa 80 bis 90 Zuhörer kamen zum Chansonkonzert der französischen Sängerin Florence Absolu. Ähnlich überschaubar war die Besucherzahl beim Auftritt des Bauchredners Peter Moreno. Für mehrere Zuschauer, die bei diesen Gastspielen dabei waren, stellte sich daher die Frage, ob die Wahl des Veranstaltungsorts richtig war. So war Wilhelm Minder beim Moreno-Auftritt der Meinung, dass die riesige Hochwaldhalle in einigen Fällen einfach ungeeignet sei. "Für die Künstler ist das natürlich unangenehm, wenn sie vor einem leeren Saal spielen".
Andererseits ist die Halle allein wegen ihrer professionellen technischen Ausstattung oft unverzichtbar. Obendrein kann sie als städtisches Eigentum mietfrei genutzt werden.
Es kommt hinzu, dass andere Räume wie in der Sparkasse oder die Bibliothek des Gymnasiums dann doch für Kaliber wie Astor zu klein wären. Sie eignen sich eher für Lesungen - wie dieses Mal mit Arno Strobel und Fritz-Peter Linden, die je etwa 50 Zuhörer lockten. Mit diesen Veranstaltungen waren auch die Akteure zufrieden. "Die Leute waren alle nett und haben viel gelacht. So wollte ich es haben", sagt Linden, der den Hochwäldern seine Eifeler Einsichten präsentierte.
Erschreckend dürftig war der Besuch der Hommage an Gershwin im Mehrgenerationenhaus. Willi Auler, als erster Stadt-Beigeordneter zuständig für den Geschäftsbereich Kultur, zählte noch keine 20 Besucher. "Dabei waren die Künstler top", bedauert er.Extra

Ideen für den 23. Kulturherbst gibt es bereits: "Wir wollen 2015 wieder ein gutes Programm bieten", verspricht Stadtbürgermeister Mathias Queck. Allerdings könnte aus dem Kulturherbst irgendwann ein Kulturfrühling werden. Stadtbeigeordneter Willi Auler will im Arbeitskreis anregen, die Termine eventuell auf April oder Mai zu verlegen. Letztlich sei die Entscheidung Sache des Gremiums, das aus engagierten Ehrenamtlichen besteht, betont Auler.urs