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Ein Hafen für alle, die Hilfe brauchen

Ein Hafen für alle, die Hilfe brauchen

Mit Vertretern aller Partner, die miteinsteigen in das Boot, ist im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus ein hoffnungsvolles Projekt vom Stapel gelaufen: Die Gemeinschaftsinitiative "HaFen", ein konfessionsübergreifendes Netzwerk, das Familien Hilfe anbieten und Eigeninitiative fördern will.

Hermeskeil. Ein Hafen, in dem sich alle Menschen sicher und gut aufgehoben fühlen, macht auch für küstenferne Regionen Sinn. Daher gehen die Initiatoren eines neuen Angebotes im Raum Hermeskeil-Beuren mit dem nur anfangs überraschenden Namen an den Start. Ihr "Hochwälder Familiennetzwerk" ist als Raum für alle Bürger gedacht. "Unabhängig von Konfession, Religion, Kultur und Lebensverhältnissen" sollen sie Rat und Hilfe erhalten - aber auch angespornt werden zu Eigeninitiative.
Unbürokratische Unterstützung


Das im MGH Johanneshaus vorgestellte Konzept will "schnell und unbürokratisch" unterstützen. Etwa bei Kinderbetreuung, Prävention oder in existenziell schwierigen Situationen. Um das dauerhaft leisten zu können, sollen möglichst viele Menschen mit ins Boot unter der Flagge des Dekanats Hermeskeil-Waldrach. Auch die Eigeninitiative der Hilfesuchenden soll gestärkt werden. Claudia Gemmel, im Elternausschuss der Kindertagesstätte Rosa Flesch engagierte Mutter, sieht dafür viele Möglichkeiten. Es könnten Freizeit- und Betreuungsangebote ergänzt oder Tauschbörsen - auch für Fähigkeiten - angeboten werden.
"Tausche Kuchen gegen Vorlesen" sei nur ein Beispiel, wie Eltern entlastet werden könnten. Ebenso könnten sich Eltern gemeinsam Spielplätze anschauen und überlegen, was wie finanziert oder verbessert werden könnte. Auch eigenständig initiierte Treffs wie ein Elterncafé hält sie für realistisch. Am Engagement mangele es nicht, sondern lediglich bisher an einer Vernetzung und einer Anlaufstelle, die ja nun mit dem Hafen geschaffen sei: "Die Eltern haben viele tolle Ideen und sind auch bereit, etwas zu machen."
Katja Ludes, Leiterin der Kindertagesstätte Adolph Kolping, die wie die Kitas Rosa Flesch und Beuren sowie MGH und Pfarrei Haupt-Hafenstandort ist, kennt die Probleme. Vielen Familien fehle das Nötigste, wie etwa Geschirr, Handtücher oder Bettwäsche, sagt sie. Daher brauche es kurze und gut begehbare Wege, zu helfen. Mit dem dank Spenden bestückten Kita-Umsonstladen ist ein solcher eingeschlagen.
Für Aloys Perling vom Bischöflichen Generalvikariat hat das Projekt Hafen, in dem verschiedene Kräfte kooperierten, Modellcharakter. Das "Sich-Hinwenden-zu-den-Menschen" eröffne der sich wandelnden Seelsorge Chancen, zu entdecken, was Menschen brauchen. Das Bistum wird wie der Kreis das Projekt zumindest beratend unterstützen. Die Initiative sei auf einem guten Weg, lobte Nadja Adams von der Kreis-Leitstelle Familie.
Der Projektidee gingen laut Karen Alt, der Hafen-Koordinatorin (siehe Extra), eingehende Analysen des Sozialraums, der Lebensbedingungen vor Ort, voraus. Die gewonnenen Erkenntnisse waren, wie Pastoralreferentin Gudrun Jocher berichtete, teils erschreckend. In Hermeskeil seien fast 18 Prozent der unter 15-Jährigen von Armut betroffen. Verglichen mit dem Kreis (4,2) oder landesweit 11,3 Prozent sei das "ein extrem hoher Anteil".
Sie und Diakon Andreas Webel führten mit kurzen Interviews, im Wechsel mit Musik und Schauspiel, durch den Abend und stellten so die Hafen-Entwicklung von der Idee bis zur Realisierung vor. Das Familiennetzwerk will einzelne Kooperationen wie in Kitas oder Pfarreien zu einem "gemeinsam gestalteten und gelebten Ort von Kirche" zusammenführen.Extra

Hafen: Der Name "HaFen" ergibt sich aus den Anfangsbuchstaben von "Hochwälder achtsam Familien engagiert Netzwerk". Ansprechpartner sind: Projektkoordinatorin Karen Alt, Telefon 0160/92936992, Sandra Steffens vom Kindergartenträger Kita gGmbH Trier, Pastoralreferentin Gudrun Jocher (Dekanat Hermeskeil-Waldrach), Diakon Andreas Webel (Pfarreiengemeinschaft). E-Mail: hochwaelder-familiennetzwerk@kita-ggmbh-trier.de Kooperationspartner: Verbands- und Ortsgemeinden, Kreis, Dekanat, Bistum, Diakonisches Werk, Lokales Bündnis Familie, Schulen, Beratungsstellen (Schuldner, Sucht), Kinderschutzbund und -frühförderung sowie Jugendmigrationsdienste, Jobcenter, Ärzte, Therapeuten, Vereine, Tafel, Katholische Erwachsenenbildung oder Caritas. urs