Ein Haselhuhn und ungelegte Eier

Der Verbandsgemeinderat Saarburg hat am Mittwoch seine Stellungnahme zum Entwurf des regionalen Raumordnungsplans Region Trier diskutiert. Teile des Gremiums sehen die Ausweisung eines Grünzugs im unteren Saartal kritisch.

Saarburg. Das Haselhuhn ist ein kleiner scheuer Waldvogel, der sich in Laub- und Mischwäldern heimisch fühlt. In Mitteleuropa gibt es nur noch wenige große Vorkommen, etwa im Ösling (nördliche Teil des Großherzogtums und des Eifelkreises Bitburg-Prüm) oder in Lothringen (Frankreich).Andere natürliche Vorkommen in Mitteleuropa sind nur noch sehr klein. Das Haselhuhn ist im Entwurf des regionalen Raumordnungsplans als Leitart für den Lebensraum Wald genannt. Das untere Saartal, das als Grünzug ausgewiesen werden soll, ist unter anderem gekennzeichnet durch Hangwälder, in denen das Haselhuhn noch zu finden ist. Der Grünzug wäre Teil eines von der Landesplanung vorgegebenen Biotopverbunds.Kontroverse Debatte

Die Lebensbedingungen für das Haselhuhn prägen - wenn auch nur indirekt - die Debatte des Verbandsgemeinderats, weil das Gremium eine Stellungnahme zum Entwurf des Regionalplans Region Trier abgeben muss. Die Verwaltung sah hierfür zunächst vor, dass die Verbandsgemeinde "die Ausweisung eines regionalen Grünzugs im Bereich des unteren Saartals ausdrücklich begrüßt".Ein Passus, dem nicht alle Ratsmitglieder zustimmen wollen. Hans Steuer (SPD) gibt zu bedenken, dass die Regionalplanung mit diesen Vorgaben massiv in die kommunale Selbstverwaltung der betroffenen Gemeinden eingreift. Er fordert, den Absatz aus der Stellungnahme herauszunehmen. Ein Ball, den Jürgen Haag (FWG) gerne bei seiner Meinung aufnimmt: "Für die Gemeinde Irsch bedeutet die Ausweisung des Grünzugs eine klare Einschränkung des Entwicklungspotenzials."Franz-Josef Reiter, Fraktionsvorsitzender der CDU, widerspricht: "Unsere Landschaft ist einzigartig. In dem Grünzug steckt Entwicklungspotenzial für Naherholung und Tourismus." Ergänzt wird dieser Standpunkt von Nils Osterwalder, der für die Verwaltung die Stellungnahme der Verbandsgemeinde entworfen hat.Offene Zukunft

Er erklärt, "der Grünzug ist ein Instrument, um die Talräume auch aus klimatischen Gründen freizuhalten". Der Grünzug sei in dem Entwurf des Regionalplans auch nicht parzellenscharf, so dass er aus seiner Sicht die Entwicklung der Gemeinden nicht einschränkt.Zum Schluss der Debatte setzt sich folgender Formulierungsvorschlag durch: "Die Ausweisung des unteren Saartals als Grünzug wird zur Kenntnis genommen." Damit können alle - mit Ausnahme eines Ratsmitglieds - leben.Meinung

Lokale Wünsche zurückstellenDas Selbstverwaltungsrecht der Kommunen muss immer dann als Argument herhalten, wenn Kommunalpolitikern Vorgaben der hohen Politik nicht passen. So auch im Falle der landesplanerischen Vorgabe, im unteren Saartal einen Grünzug sicherzustellen. Ob die Diskussion bei der nächsten Festlegung einer Straßentrasse genauso leidenschaftlich geführt wird? Jedenfalls kommt aus den Gemeinden dann selten das Argument, dass etwa eine geplante Trasse zum Bau einer Umgehungsstraße der Entwicklung des Orts widersprechen würde. Ein Grünzug übernimmt viele wichtige Aufgaben. Er reguliert das Klima im Tal, er verknüpft Lebensräume von Pflanzen und Tieren miteinander, er bietet Raum für Naherholungs- und Freizeitaktivitäten. Da müssen lokale Wünsche auch einmal zurückgestellt werden. saarburg@volksfreund.deExtra

Der Haupt- und Finanzausschuss des Verbandsgemeinderats hat in seiner jüngsten Sitzung an die Firma Max Düpre GmbH & Co. KG den Auftrag erteilt, Teile des Helfanter Bachs zu renaturieren. Von der Auftragssumme in Höhe von rund 190 000 Euro trägt die Verbandsgemeinde zehn Prozent, die restlichen Mittel kommen vom Land und aus Förderprogrammen der Europäischen Union. Von den Ratsmitgliedern nochmals intensiv erörtert wurde die Frage, wie bei Verwendung des sogenannten Inlinerverfahrens die Sanierung von der Erneuerung eines Kanals abzugrenzen ist. Bei dieser Frage geht es im Kern darum, wer die Reparatur des Leitungssystems zahlen muss - Anlieger oder die Verbandsgemeindewerke, was wiederum für die Höhe der Abwasserbeiträge relevant ist. Eine abschließende Antwort auf diese Anfrage der FWG hat die Verwaltung aber noch nicht erarbeitet, da hier noch umfangreiche Vorarbeiten zu erledigen sind. itz