Ein Hauch von Volkstheater

Morscheid. Entscheidung verschoben, Problem nicht gelöst: Erneut nahm der Gemeinderat Morscheid den Punkt von der Tagesordung, in dem es um den Verbindungsweg zwischen Morscheid und Bonerath geht.

Bereits vor Beginn der Sitzung klagt Joachim Scherf (FWG): "Wir wünschten wirklich, dieser Punkt wäre endlich abgehakt." Das Problem, das wieder nicht gelöst werden konnte, wird im Ort heftig diskutiert: Für eine fünf Kilometer lange Verbindung zwischen Morscheid und Bonerath, von jedem genutzt, aber nur für landwirtschaftlichen und PKW-Verkehr freigegeben, könnte ein 110 000-Euro-Sanierungszuschuss beantragt werden. Doch danach würde die Straße per Schranke für den Privatverkehr gesperrt werden. "Dann fahren noch zwei Traktoren darüber - was soll das bringen?", fragt Scherf - und mit ihm ein großer Teil der 900 Einwohner. Immerhin geht es um zustätzlich weitere 110 000 Euro Eigenanteil. Manchmal haben die Sitzungen des Morscheider Gemeinderates ein wenig vom Flair eines Volkstheaters. Während der Sitzung bindet man die Anwesenden in Diskussion und Problemlösungen ein. Ortsbürgermeister Josef Weber stellt klar: "Ich stehe vor einem Dilemma. Lieber setze ich einen Punkt kurzfristig von der Tagesordnung ab, als ihn kurzfristig drauf zu setzen, und die Bürger waren vorher nicht informiert. Noch immer steht aber ein Entscheid der DLR-Mosel (Dienstleistungszentrum ländlicher Raum) aus, ob die Straße künftig für den Verkehr genutzt werden kann." Sobald der Bescheid da sei , werde umgehend eine Sondersitzung einberufen. Das muss auch sein: Denn die Zusage für einen 50-Prozent-Zuschuss gilt bis Mitte August. Danach wären es nur noch 45 Prozent. Kompromiss ist vorstellbar

Ein Großteil der Bürger, so der Ortsbürgermeister, könne gut damit leben, wenn es eine Beschränkung für schwere Fahrzeuge gäbe; Hauptsache, die Straße werde nicht gesperrt. "Es liegt an der DLR", meint Weber. "Aber es ist zu vermuten, dass der Gemeinderat die dringend nötige Sanierung nicht beantragen wird, wenn dort keine PKW mehr fahren können. Als Kompromiss könne man zusätzlich ein Schild ‚Landwirtschaftlicher Verkehr hat Vorrang' aufstellen." Dafür konnte ein anderer Punkt geklärt werden. Bürgermeister Bernhard Busch von der Verbandsgemeinde Ruwer hatte auf Initiative des Jugendamtes alle Gemeinden angeschrieben. Von sieben Verbandsgemeinden (VG) im Kreis Trier-Saarburg verzichteten fünf auf einen Kostenausgleich, wenn ortsfremde Kinder im eigenen Kindergarten betreut würden. Da es sich in der Regel um Einzelfälle handelt und Morscheider Kinder bereits im Gusterather Kindergarten betreut wurden, entstünden auch keine höheren Kosten, rechnet Weber vor. Nur die VG Hermeskeil und Ruwer halten bislang an diesem Kostenausgleich fest. Der Vorschlag, darauf zu verzichten, wurde einstimmig angenommen. Die gute Nachricht: Zum ersten Mal seit 20 Jahren wurden 300 Euro zusätzliche "Haushaltsmittel für Vereins- und Jugendförderung" eingestellt. Der Gemeinderat beschloss, die Summe zu gleichen Teilen der Jugendfeuerwehr, dem Musikverein, der Kinderschola und dem Karnevalsverein zukommen zu lassen.

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