Ein Haus erzählt Geschichte

Wie viele Jahrhunderte steht mein ehemaliges Bauernhaus schon? Dieser Frage ist der neue Besitzer, Johannes Hemmer, nachgegangen. Der Züscher Neubürger ließ Holzbalken auf ihr Alter hin untersuchen und staunte nicht schlecht. Ein genaues Baujahr konnte er jedoch bislang noch nicht ermitteln.

Züsch. Wir schreiben das Jahr 1460. Ein Bauer setzt seine Axt an und fällt eine Eiche. Sie wird über ein Fenster in ein Haus in Züsch verbaut. Das Haus steht in der heutigen Bergstraße 10. Der neue Besitzer, Johannes Hemmer, kaufte das historische Bauernhaus im Oktober 2014 und kommt seitdem aus dem Staunen nicht mehr heraus.
"Ich wollte nur mal wissen, wie alt das Haus ist", erklärt er dem ehemaligen Besitzer, Horst Hilt (74), der mittlerweile in Hamburg lebt und mal nachschaute, was inzwischen hier so alles passiert ist. "Ich bin hier geboren worden", antwortet er und sieht auch seinen sehnlichsten Wunsch erfüllt: "Ich wollte, dass die neuen Eigentümer etwas aus diesem Haus machen."
Inzwischen hat der neue Besitzer bereits viel verändert, im Garten und im Haus selbst. Parallel zu den Umbauarbeiten forschte der 29-jährige Maschinenbauingenieur nach Fakten, die das Alter des Hauses belegen könnten. Mehrere Stücke Holz ließ er dendrochronologisch untersuchen. Mit dieser Methode lässt sich das Alter von Holz bestimmen.
"Das älteste Stück wurde 1460 gefällt", staunte der Bauherr. Unklar ist jedoch, ob das eine Zweitnutzung war, denn 1504 herrschte in Züsch Krieg. Das Dorf wurde in der Fehde zwischen dem Pfalzgrafen Alexander von Zweibrücken und dem Kurfürsten Philipp von der Pfalz komplett zerstört. Auch den Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) überstanden in Züsch nur die Kirche und ein herrschaftliches Haus, wie historische Quellen belegen. Nützlich war dabei die Chronik für Neuhütten und Züsch von Reiner Schmitt und Hans-Josef Koltes.
Stammbaum früherer Besitzer


"Wahrscheinlich wurde mein Haus wiederaufgebaut", vermutet Hemmer. Es musste allerdings deutlich vor 1850 passiert sein, denn im Stammbaum der früheren Besitzer fand er Jacob Geib, der am 15. Oktober 1850 mit 66 Jahren gestorben war. Ein lückenloses Brandkataster wird seit 1818 geführt. "Damit konnten wir davon ausgehen, dass unser Haus seitdem nicht mehr gebrannt hat", ist Hemmer sicher.
Durch weitere Holzuntersuchungen konnte eindeutig festgestellt werden, dass das Obergeschoss und die Fachwerktrennwand in der Mitte des Hauses 1811 gebaut wurden.
Das Anwesen ist allerdings schon auf einer Karte von 1786 eingetragen. Eine Nische in der ehemaligen Küche entpuppte sich als Wandschrank. "Das war damals purer Luxus", findet der neue Besitzer. Eine andere Nische gibt ihm jedoch weiter Rätsel auf: "War hier eine Art Altar?" Der aufwendige Putz, gerade an dieser Stelle, legt diese Vermutung nahe.
Sechs Generationen lang war das Haus in der Bergstraße 10 in Familienbesitz. Jetzt wird es aufwendig restauriert. Hemmer achtet darauf, keine "modernen" Baustoffe zu verwenden, schließlich reichten den ersten Erbauern der Fachwerkkonstruktion Lehm, Bruchsteine und Holz. "Heute kleben sich die Leute Sondermüll ans Haus und wollen damit die Umwelt retten", kritisiert der nachhaltig engagierte Bauherr. In der Bergstraße 10 soll bis Ende 2018 ein Haus stehen, das von der Substanz gesund ist und seine Bewohner gesund erhält. doth