Ein Jahr ohne Ortschef: Dem Kreis reicht’s

Ein Jahr ohne Ortschef: Dem Kreis reicht’s

Seit einem Jahr fehlt in Taben-Rodt ein Ortschef. Die Amtsgeschäfte laufen zwar weiter, doch die Kommunalaufsicht will den provisorischen Zustand nicht mehr dulden. Wird ein Verwalter eingesetzt oder doch ein Ortsbürgermeister gewählt? Die Frage wird sich wohl spätestens am 16. Januar klären.

Taben-Rodt. Seit Januar 2016 führt Hans-Joachim Wallrich die Taben-Rodter Amtsgeschäfte. Ortsbürgermeister ist er allerdings nicht, sondern erster Beigeordneter. Denn der vorherige Ortschef Klaus Neuses hatte sein Amt zum Ende des Jahres 2015 vor dem Hintergrund der kontrovers geführten Debatte um die geplante Asphaltmischanlage im Taben-Rodter Steinbruch (der TV berichtete mehrfach) niedergelegt. Jemand, der im 805 Einwohner zählenden Dorf als Ortschef kandidieren wollte, hat sich seitdem nicht gefunden. Zum festgesetzten Wahltermin am 13. März hat niemand die Hand gehoben. Und in den anschließenden Ratssitzungen, bei denen der Punkt Ortsbürgermeisterwahl immer wieder auf der Tagesordnung stand, lief es genauso. Also landete die Arbeit beim ersten Beigeordneten Hans-Joachim Wallrich.
Doch damit soll nun Schluss sein. Thomas Müller, Sprecher der Kreisverwaltung, teilt auf TV-Anfrage mit: "Die Kommunalaufsicht ist nicht länger gewillt, zu warten, bis in Taben-Rodt ein Ortsbürgermeister gefunden wird. Sie erwartet, dass die Ortsgemeinde in ihrer nächsten Sitzung am 16. Januar einen Ortsbürgermeister wählt. Ansonsten bestellt sie einen Verwalter."
Ein Jahr habe die Kommunalaufsicht zugewartet und immer wieder daran erinnert, dass die Lösung mit dem ersten Beigeordneten kein Dauerzustand sei. Dafür sei die noch anstehende Wahlperiode - sie dauert bis 2019, also mehr als zwei Jahre - zu lang. Müller stellt klar, dass die kommunale Selbstverwaltung nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht sei. Er erinnert daran, dass auch ein Verwalter nur eine Übergangslösung sei. Müller: "Kommt eine Gemeinde ihrer Selbstverwaltung nicht nach, dann steht irgendwann das Thema Eingemeindung an."Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage auf, ob Hans-Joachim Wallrich nicht doch auch offiziell Ortschef werden will. Doch der Beigeordnete ist vorsichtig. Er sagt lediglich: "Ich sage dazu nichts, ich will mich nicht festnageln lassen", und vertröstet auf den 16. Januar.
Auf die Frage, wie er denn mit den Amtsgeschäften der Gemeinde im vergangenen Jahr zurechtgekommen sei, antwortet der Mitarbeiter einer Schleuse: "Aufgrund des Schichtdiensts war es manchmal schwierig, aber es hat einigermaßen geklappt."
Bei einer kleinen Umfrage unter den Taben-Rodter Ratsmitgliedern erhält Wallrich gute Noten. So sagt Maria Grasmück: "Mit ihm kann man gut klarkommen. Die Arbeit im Rat klappt sehr gut mit ihm." Sie wäre froh, wenn er sich entscheiden würde, Ortsbürgermeister zu werden. Ähnlich äußert sich Matthias Neuses, Bruder des ehemaligen Ortsbürgermeisters. Er meint: "Die Zusammenarbeit mit Hans-Joachim Wallrich im vergangenen Jahr ist gut gelaufen. Er hat ja vorher schon Erfahrungen als Beigeordneter gesammelt." Er könne sich Wallrich als Ortschef vorstellen, aber das sei natürlich dessen Entscheidung. Stephan Wagner, der erst in diesem Jahr in den Rat nachgerückt ist, spricht ebenfalls von guter Zusammenarbeit. Markus Rommelfanger will sich zum Thema Beigeordneter oder Ortsbürgermeisterkandidat nicht äußern. Er ist der Meinung, dies sei eine interne Sache.
Extra

Noch ist Taben-Rodt ein eigenständiges Dorf, doch ohne Ortschef droht die Eingemeindung. Foto: (h_sab )

Ratsversammlungen sind in Taben-Rodt auch Familientreffen, denn das Gremium ist ein Geschwisterrat. Unter den zwölf Mitgliedern sind drei Geschwisterpaare, nämlich Bärbel und Markus Rommelfanger, Marita und Hans-Joachim Wallrich und Stephan und Edwin Ockfen. Und dann ist da noch Matthias Neuses, er ist Bruder des ehemaligen Ortsbürgermeisters Klaus Neuses. mai

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