Ein kleiner Buddha muss weichen

Der Stein des Anstoßes ist 40 Zentimeter groß: Ein Konzer Pfarrer hat mit seiner Intervention dafür gesorgt, dass eine Buddha-Statue vom Eingang des Seniorenhauses in Konz-Roscheid weggeräumt wurde. Verwandte einer Bewohnerin werfen ihm nun religiöse Intoleranz vor.

Konz. Der Auslöser eines kleinen religiösen Disputs in Konz ist eine etwa 40 Zentimeter hohe Buddha-Statue. Sie stand bisher vor dem privat getragenen Seniorenheim Zur Buche in Konz-Roscheid. Familie Heidt aus Trier wundert sich, dass sie nun weg ist. Der TV hat nachgefragt, warum - und ist dabei auf eine Geschichte voller religiöser Unterschiede gestoßen.

Das Problem: "Seit einem Dreivierteljahr besuchen meine Frau und ich täglich unsere pflegebedürftige Mutter/Schwiegermutter im Seniorenheim Zur Buche in Konz-Roscheid", schreibt der Trierer Günter Heidt an den TV. Täglich habe sie eine kleine Buddha -Figur begrüßt, "angelehnt an einen von Wasser übergossenen runden Stein". Jetzt ist der Buddha weg.
Er habe erfahren, dass der katholische Pfarrer von St. Nikolaus in Konz, Georg Dehn, darauf bestanden habe, dass der Buddha wegkomme, erzählt Heidt. "Verbunden mit der Drohung er werde keine katholischen Gottesdienste mehr im Seniorenheim abhalten, so lange der kleine Buddha am Eingang stehe", führt er weiter aus. Der Buddha stehe jetzt in einem Vorgarten, "dort, wo er dem streng katholischen Auge dieses Herrn Dehn nicht mehr missfällt", sagt Heidt. Er akzeptiere das christliche Tischgebet im Seniorenheim. "Wir akzeptieren jedoch keine Intoleranz", sagt Heidt. Noch weniger akzeptiere er dieses "Macht-Gehabe".

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Der Betreiber: "Meine Zielsetzung ist es, einvernehmlich mit Georg Dehn, die seelsorgerische Betreuung unserer katholischen Hausgäste zu gewährleisten", sagt Ralph Clark, Betreiber der Seniorenhäuser Zur Buche. Er selbst fühle sich der humanistisch-christlichen Tradition verpflichtet, sei aber auch durch fernöstliche Denkweisen aus Hinduismus und Buddhismus beeinflusst. "Wenn es heißt, ‚ich habe und es gibt nur eine religiöse Wahrheit\', kann ich das akzeptieren, aber aus meiner Sicht gibt es hier nicht eine einzige Wahrheit, es gibt viele Wege in religiösen Fragen, und sie verdienen alle unseren Respekt", erläutert Clark. Er habe veranlasst, dass die Statue aufgestellt werde, sie nach einem Gespräch mit Pastor Dehn aber wieder abbauen lassen. Das habe er "aus Respekt vor den Gefühlen von Pfarrer Dehn getan", sagt Clark. "Und um des Friedens willen für die Hausgäste."
Der Pfarrer: Er habe darum gebeten, dass die Buddha-Statue entfernt werde, sagt Pastor Georg Dehn - zumal sich bei ihm Bewohner des Seniorenheims über die Figur beschwert hätten. "Da oben wohnt kein einziger Buddhist ", betont er. Ihm gehe es aber auch um mehr: "Ein religiöses Symbol, das anderen heilig ist, sollte nicht zu Dekorationszwecken genutzt werden", führt er weiter aus. Das sollte weder bei einer Muttergottes noch bei Buddha so sein. "Wir müssen auch die religiösen Minderheiten schützen", sagt Dehn. Den Vorwurf, er habe mit der Einstellung der Seelsorge gedroht, weist er entschieden zurück. "Ich bin immer dort, wenn ich gerufen werde", sagt er. Außerdem feiere er wöchentlich montags und alle zwei Wochen mittwochs eine Messe in einem der drei Konzer Seniorenheime.

Die Buddhisten: Als sie von der Buddha-Verwirrung im Konzer Seniorenheim erfährt, reagiert eine Sprecherin des buddhistischen Zentrums in Trier amüsiert. Buddha-Statuen seien zwar inflationär geworden, aber das störe sie nicht, sagt sie. "Wenn man sich einen Buddha anschafft, hat das einen positiven Effekt auf den Geist", meint sie. Die Statuen strahlten Gelassenheit, Ruhe und Gleichmut aus. "Niemand verknüpft sie mit Ärger." Im Buddhismus gebe es zudem weder einen Heiligenkult noch eine Gott-Vorstellung. Buddha sei ein Mensch. "Der Unterschied zwischen Buddha und dir ist, dass er besser meditieren kann", sagt sie. Diesem Vorbild strebten die Buddhis ten nach.

Fazit: Günter Heidt lobt das Seniorenhaus für seine Offenheit. Dort werde jeder gleich behandelt - unabhängig von politischen oder religiösen Ansichten. Mit der Argumentation von Pastor Dehn gibt er sich nicht zufrieden. "Ein Pfarrer sollte die Gelassenheit haben, darüber hinwegzusehen", sagt er. Es gehe ihm grundsätzlich um Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Als Historiker sei er da sehr empfindlich, weil Andersdenkende gern zur Seite gedrängt würden. "Das ist etwas, das ich nicht akzeptieren kann."
Finden Sie es richtig, dass die Buddha-Figur entfernt wurde? Oder sollte sie an ihren alten Platz zurückgestellt werden?

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Meinung

Entscheidung ist Privatsache
Der Konzer Buddha-Disput zeigt vor allem eines, nämlich dass die verschiedenen Religionen noch viel übereinander lernen können. Denn der Pfarrer, der die Statue wegräumen ließ und sich als Anwalt der religiösen Minderheiten sieht, hat anscheinend eines nicht verstanden: Die Buddhis ten wollen gar nicht geschützt werden. Und ein Buddha ist eben keine Heiligenfigur wie es sie in der katholischen Kirche gibt. Ein Buddha ist ein erleuchteter Mensch, der als Vorbild dient. Und ein wenig buddhistische Gelassenheit hätte hier gut getan. Es dürfte sich eigentlich niemand daran stören, was am Eingang eines privat getragenen Seniorenhauses steht - auch nicht die katholische Kirche. Das sollten die Beteiligten dem Betreiber und seinen Hausbewohnern überlassen. c.kremer@volksfreund.de