Ein kleines Dorf wagt große Sprünge

Eine halbe Million Euro und jede Menge ehrenamtlich geleistete Stunden stecken im Naurather Bürgerhaus, das am Wochenende eingeweiht worden ist. Die (noch) kleinste Kommune der Verbandsgemeinde Hermeskeil verzeichnet entgegen dem landläufigen Trend Einwohnerzuwächse.

Naurath/Wald. Binnen eines Jahres hat die Ortsgemeinde Naurath ein beachtliches Projekt gestemmt: die Renovierung und Erweiterung ihres Bürgerhauses. Rund eine halbe Million Euro - die Hälfte davon hat das Land Rheinland-Pfalz bezahlt - sind in die ehemalige Dorfschule geflossen.
Bei der in die Dorfkirmes eingebetteten Einweihungsfeier dankte Ortsbürgermeister Werner Weber allen Beteiligten. Sie erhielten das Dorf lebenswert, lobte er insbesondere die Bauhelfer. Die von ihnen geleisteten ehrenamtlichen Arbeitsstunden seien ein wertvoller Beitrag für die Dorfgemeinschaft, zu der momentan 43 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zählen. Das finanziell von der Jagdgenossenschaft unterstützte Projekt fördere das Zusammenleben und verschönere den Ortskern, sagte Weber.
Das Bürgerhaus präsentiere sich modern und "richtig schick", sagte Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Neben engagierten Bürgern, die etwa Abrissarbeiten übernahmen, sei das den Planern zu danken, den Ingenieuren Christoph Eiden und Joachim Wahlen. Dass das Haus im Interesse einer funktionierenden Dorfgemeinschaft künftig intensiv genutzt wird, bezweifelt er nicht. Naurath sei mit etwa 250 Bürgern zwar der kleinste Ort der VG - weise aber den größten Bevölkerungszuwachs in zehn Jahren vor. Dennoch ist es für Landrat Günther Schartz bemerkenswert, dass die Gemeinde ein derart großes Projekt mit vielfältigen Funktionen (siehe Extra) realisiert hat. Das Haus erlaube es, "Zusammenhalt auch zu leben und es ist die richtige Zukunftsinvestition". In eine derart engagierte junge Gemeinde, die "Dinge mit Maß" angehe, lohne es, zu investieren.
Wie jung Naurath ist, zeigte sich dann auch gleich bei der Einweihungsfeier: Kinder des Dorfes, die das Festprogramm gestalteten, unterstrichen mit in Naurather Dialekt vorgetragenen Dorfschul-Sketchen und einem eigens einstudierten Tanz, dass ihr Dorf Zukunft hat.
Architekten: Ziel erreicht



Die Einsegnung des Hauses am Sonntag begleiteten Nachbarvereine, der Kirchenchor Cäcilia Büdlich und der Musikverein Büdlich-Breit. Der Landtagsabgeordnete Bernd Henter (CDU) sieht das Projekt als Daseinsberechtigung kleiner Gemeinden: "Hier wird noch viel in Eigenleistung gemacht", kommentierte er. Das Architektenduo Eiden/Wahlen sieht seine Ziele erreicht. Das Bürgerhaus biete attraktive Räume für alle Bürger, was positiv für Zusammenleben und Ortsentwicklung sei und das ohnehin vorhandene "intakte Gemeinschaftsleben" stärke. Schmunzeln erntet Webers Hinweis auf die "drei Goldesel", ohne die Naurath ein solches Projekt nicht hätte stemmen können. Gemeint waren die Windräder, die dem Ort verlässliche Einnahmen bescheren, und nicht die zuvor begrüßten Vertreter des Landes, des Kreises und der VG. Allerdings stellten sowohl Schartz als auch Henter in Aussicht, die marode K 87 bis zur 825-Jahr-Feier des Dorfes in 2015 zu sanieren.
Extra

Laut Dirk Nabakowski, einem der beiden Naurather Chronisten, gab es schon 1817 eine Dorfschule. An gleicher Stelle wurde 1843 das heutige Haus errichtet, das 1938 umgebaut und 1963/64 grundlegend renoviert wurde. Der damals diskutierte Neubau war damit vom Tisch. Seit den 1970er Jahren wird das Gebäude als Bürgerhaus mit Feuerwehrgerätehaus und Jugendraum genutzt. Steigende Einwohnerzahlen bewogen die Gemeinde vor drei Jahren, erneut zu investieren. Das Haus wurde renoviert und hat nun ein komplett neues Dach. Anstelle der 50 Jahre alten Toiletten entstand zudem giebelseitig ein zweigeschossiger Flachdachanbau mit einer Treppe, Foyer, Toiletten, Technik und Geräteraum. Der umgestaltete, neu eingerichtete und behindertengerecht zugängliche Saal wurde dadurch um 20 Quadratmeter erweitert und bietet nun 100 Personen Platz. Außerdem wurde der Hof mit der Grillhütte neu gepflastert. urs

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