Ein Lehrer aus Leidenschaft

Am heutigen Freitag sagt Josef Gorges, Rektor der Grundschule Hermeskeil, auf Wiedersehen, denn er geht in Ruhestand. Der 66-Jährige unterrichtet seit 25 Jahren. Seit elf Jahren leitetet er die Schule, neben der er von Kindheit an wohnt.

Hermeskeil. Dass Grundschüler ihren Rektor in einer um 18 Uhr beginnenden Feier verabschieden, ist ungewöhnlich. Doch es verrät viel über Josef Gorges, der nach 25 Jahren an der Hermeskeiler Grundschule in Rente geht. Dem zweifachen Vater und Opa einer fünfjährigen Enkelin ist es einfach wichtig, "dass die Eltern Zeit haben". Er kennt die Nöte von Familien und steht daher hinter den Verbesserungen, die er in 42 Jahren Schuldienst miterlebte.
So sei es etwa Geschichte, dass Schüler nur im Klassenverband lernten und sich vom ersten Schuljahr an mit dem gleichen Lehrstoff befassten. Gorges findet es gut, dass Erst- und Zweitklässler in individuellem Tempo Lesen, Schreiben und Rechnen lernen und auch nicht mehr nur an ihrem Platz arbeiten. Sie schauten auch mal in Parallelklassen vorbei, deren Türen meist offen stünden, oder hockten im Flur, um Projekte oder Präsentationen vorzubereiten.
Gut sei auch, dass oft Eltern mit in den Klassen hockten, was früher undenkbar gewesen wäre, heute aber gern gesehen sei. Lehrer, die sich innerhalb von Klassenstufen als Team verstünden, könnten sich mit ihnen unterhalten und Eltern selbst sähen Schule lockerer: "Das ist viel mehr ein Zusammenarbeiten." Eine ganz wichtige Veränderung ist für ihn, dass Schüler nicht mehr "sitzenbleiben" können. Wer länger für den Lernstoff brauche, könne freiwillig langsamer machen und auch mitten im Schuljahr eine Jahrgangsstufe zurückgehen. Das frühere Ausgrenzen von Schülern mit schlechten Noten bezeichnet er als grausam. Heute, meint er, hätten Schüler keine Schulangst mehr.
Wer den scheidenden Rektor so reden hört, kann sich gut vorstellen, dass es ihm schwer fällt, die Schule, neben der er auch wohnt, zu verlassen. "Ich gehe nicht gerne weg", räumt er unumwunden ein, und dass ihm der Umgang mit den Kindern und den Kollegen fehlen wird. Es sei schön, gebraucht zu werden - auch von den Eltern. Selbst wenn das mal in Stress ausarte, was ihm eher lieb ist: "Ich muss unter Strom stehen." Daher hatte er auch eine zweijährige Verlängerung beantragt, die er aber nicht noch um ein mögliches drittes Jahr verlängern wollte. Denn keinesfalls will er Jüngeren im Wege stehen. Außerdem ist er froh, dass seine Nachfolge nun - wenn auch noch nicht offiziell bestätigt - geregelt ist.
Abgesehen davon dürfte es ihm aber auch privat nicht an Aufgaben fehlen. Gorges liebt es, das Brennholz für die heimische Heizung im Wald klein zu machen und mit seinem Traktor heimzufahren. Außerdem fährt er leidenschaftlich gern Fahrrad und ist täglich in der Gegend unterwegs. Schade findet er nur, dass seine Frau noch einige Jahre länger berufstätig sein wird.
Die Verabschiedung von Rektor Gorges, der als letzte Diensthandlung zwei Kolleginnen und die Viertklässler in aller Form verabschieden wird, beginnt heute, Freitag, 23. Juli, 18 Uhr in der Grundschule.
Extra

Wenn es nach Gorges\\' Eltern gegangen wäre, hätte ihr Sohn keine schulische Laufbahn eingeschlagen. Doch der Internatsschüler war schon früh sicher, dass er weder Priester werden noch zur Bundeswehr gehen wollte. Als Trierer Gymnasiast entschied er sich für eine Lehrerausbildung an der damaligen Pädagogischen Hochschule Trier. Nach deren Schließung studierte er in Saarbrücken weiter. Seine erste Lehrerstelle trat er 1972 in Schillingen an, wo er seine Abschluss-Prüfung ablegte. Am 1. August 1989 wechselte er als Lehrer nach Hermeskeil. 2001 übernahm er dort die Stelle des Konrektors, im November 2003 die Rektorenstelle. Die heutige Ganztagsgrundschule, seit drei Jahren Schwerpunktschule, besuchen 236 Kinder - davon acht Integrationskinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Die Schüler aus Hermeskeil mit den Stadtteilen Abtei und Höfchen sowie aus Damflos werden von etwa 30 Personen unterrichtet. urs