Ein letztes Mal wie immer

HERMESKEIL. (fab) Letztes Anstehen zum Suppefassen. Wegen der bervorstehenden Kasernenschließung fand das traditionelle Erbseneintopfessen in diesem Jahr zum letzten Mal statt. Wie in all den Jahren zuvor ließen sich die Besucher die allseits beliebte Suppe schmecken, die in diesem Jahr auch einen bitteren Beigeschmack hatte.

Vor den beiden Ausgabenstellen bildeten sich lange Warteschlangen. Hunderte von Besuchern haben sich in die Reihe auf dem Hof des Amtsgerichtes eingereiht und bewegen sich unterhalb der vergitterten Gefängnisfenster in kleinen Schritten zum Empfang ihrer "Henkersmahlzeit". Es regiert die Abschiedstimmung. Beim ehemaligen Stabsfeldwebel Heinz Fess und dem Ex- Leutnant Walter Frey macht sich, während ihnen der Duft der Erbsensuppe um die Nase weht, so etwas wie Wehmut breit. "Wir haben 1963 den Einzug der Bundeswehr in Hermeskeil mitgemacht, jetzt machen wir traurigerweise auch den Auszug mit", sagt Fess mit wässrigen Augen.Selbst der Himmel vergießt Tränen

Der Ansturm der Besucher, von dem ein Großteil mit Töpfen bewaffnet ist, hält derweil weiter an. Bundeswehr-Küchenmeister Kai Beermann ist mit 800 Litern Erbsensuppe bestens auf die Offensive vorbereitet. "Das ergibt 1600 Portionen", sagt der Küchenmeister. "Schade, einfach schade, dass es den Erbeseintopf von der Bundeswehr in Zukunft nicht mehr gibt", sagen viele Besucher. Passend zur "Henkersmahlzeit" zogen dann noch dunkle Wolken auf, und der Himmel vergoss seine Tränen über Hermeskeil. Das letzte Anstehen hatte sich trotzdem wieder einmal gelohnt.

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