Ein Mann der Basis

ZEMMER. (ae) Gleich mehrere Jubiläen feiert der Zemmerer Ortsbürgermeister Winfried Wollscheid im Jahr 2004. Mit Vollendung seines 60. Lebensjahres blickt er auf 30 Jahre in der Politik, 25 davon im Verbandsgemeinderat und zehn Jahre Bürgermeister zurück.

Winfried Wollscheid ist ein Vollblut-Politiker. Vielleicht hat das etwas mit seinem Geburtsdatum (5. Januar) zu tun. Denn an diesem Tag kam auch Konrad Adenauer, sein großes Vorbild, zur Welt. In dessen Partei, der CDU, fand Wollscheid auch seine politische Heimat. Seine persönliche Heimat ist die Fidei. Wollscheid stammt aus Schleidweiler. Seine Verbundenheit mit dem Ort und seinen Menschen ließ in ihm früh den Wunsch entstehen, aktiv am Dorfgeschehen teilzunehmen.Mitte der 70er-Jahre begann spannende Zeit

Zunächst engagierte er sich im Gesangverein, wo er Geschäftsführer war. Neugier, Interesse und ein SPD-Ratsmitglied zogen ihn seit Anfang der 60er-Jahre auch als Zuhörer zu den Gemeinderatssitzungen. Es folgte eine Zeit der Umwälzungen und des Aufbruchs. "Das war 1974, als Zemmer, Rodt, Schleidweiler und Daufenbach sich zur Gemeinde Zemmer zusammenschlossen. Mir wurde klar, dass ich stärker am Gemeindegeschehen mitwirken wollte. Die Dörfer waren damals im Aufbau begriffen", erzählt Winfried Wollscheid. In die SPD trat er allerdings nicht ein. Das lag an der Wirkung, die die Guillaume-Affäre auf den jungen Mann hatte. Wollscheids erste Erfahrungen in der CDU waren aber auch ernüchternd: "In einer meiner ersten Partei-Versammlungen stellte ich eine Frage. Da bekam ich die Antwort: Neulinge haben hier zuzuhören und keine Fragen zu stellen!" Bei den Gemeinderatswahlen 1974 kandidierte er für eine freie Liste, auf der er 1977 in den Gemeinderat nachrückte. 1979 wurde er in den VG-Rat Trier-Land gewählt, wo er zehn Jahre den Fraktionsvorsitz seiner Partei inne hatte.Integrationsfigur in der Gemeinde

Seither ist er in beiden Gremien vertreten, weil er so optimale Möglichkeiten sieht, direkte Verantwortung für das Wohl seiner Gemeinde zu tragen. 1989 verlor er die Ortsbürgermeister-Wahl in Zemmer, sicherte sich aber das Amt des Ortsvorstehers von Schleidweiler. Er füllte diesen Posten so gut aus, dass er bei der nächsten Wahl zum Zemmerer Ortsbürgermeister gekürt wurde. Felder, die er leidenschaftlich beackert, sind die Jugendarbeit der Vereine, Belange der Feuerwehr, der Schule und des Kindergartens. "Wenn man den Kindern nicht beizeiten Chancen gibt, was soll dann später aus ihnen werden?", sagt Wollscheid. In seiner Gemeinde gilt er als Integrationsfigur. Ratsbeschlüsse werden fast immer einstimmig getroffen, Konsens besteht über Parteigrenzen hinweg. "Natürlich ist Streit über Sachfragen nötig, aber der darf nie auf einer persönlichen Ebene ausgetragen werden. Hinterher muss man noch in der Lage sein, ein Bier miteinander zu trinken", sagt der Mann, der für sein Wirken schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Besonders stolz ist Wollscheid auf die Anerkennung seiner Tätigkeit als ehrenamtlicher Richter von 1981-1989 beim Landgericht Trier. "Das war eine wichtige Zeit für mich, in der ich gelernt habe, meine Urteilsfähigkeit zu schulen", sagt er. Die braucht er als Bürgermeister einer Mehrortsgemeinde häufig, wie auch psychologisches Geschick, denn: "Niemand soll das Gefühl haben müssen, zu kurz zu kommen." Hauptantrieb ist die Freude an seinem Amt. "Ich mache das ganz oder gar nicht", betont Winfried Wollscheid.

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