Ein Mann sucht einen Kiosk

Für das Amt des ersten Bürgers des Dorfes mit Jahrtausende alter Geschichte wollte bei der Kommunalwahl zunächst niemand kandidieren. Dann kam Hubert Schommer. Er war schon 1989 bis 1994 Ansprechpartner von 410 Bürgern in Kastel-Staadt. Jetzt, als Rentner, nimmt er diese Herausforderung erneut an.

Kastel-Staadt. "Ich fühle mich nicht als Notlösung, denn alle acht Ratsmitglieder haben mich gewählt", sagt der neue Ortsbürgermeister von Kastel-Staadt, Hubert Schommer, selbstbewusst. Für die Kommunalwahl war kein Kandidat für Kastel-Staadt gefunden worden.
Lob und Kritik


Der erfahrene Kommunalpolitiker sieht vor allem in der Historie seines 410-Einwohner-Dorfes, die bis weit in die Antike reicht, eine große Chance.
Ausführlich lobt der 69-Jährige ehemalige Unternehmer die Arbeit seiner beiden Vorgänger, Matthias Rommelfanger und Harald Lehnertz: "Baugebiete und die gerade begonnene Straßensanierung sind wichtig."
Doch die Geschichte von Kelten und Römern, die über Jahrtausende das Geschehen auf dem Hochplateau dominierten, lässt den Ruheständler nicht in Ruhe: "Bis zu 80 000 Besucher kommen jedes Jahr, um sich die historischen Stätten anzusehen - und wir bieten ihnen nicht einmal eine Cola oder ein Würstchen an."
Wenigstens die Straße bis zum Kastell werde derzeit instand gesetzt.
Mix aus Antike und Technik


Schommer will vor allem mit den Leuten reden, sie einbeziehen in die Ideensuche, wie das Dilemma gelöst werden könnte. Das letzte Gasthaus des Ortes machte vor Jahresfrist zu. Jetzt wird der Weg zu Kelten und Römern zur Durststrecke. Hoffnung sieht Schommer im Anschluss des Infohäuschens am Parkplatz vor der Friedhofskirche an das Strom-, Wasser- und Kanalnetz: "Da müsste doch ein Kiosk möglich sein, und wenn er auf Rädern steht." Schommer plädiert zunächst einmal für Kleingastronomie.
Eine Idee, die noch Furore machen könnte, ist die Verknüpfung von antikem Ambiente und moderner Internet-Technik. "Wenn wir eine Funkstrecke von Serrig hochbekommen, könnten sich Firmen hier ansiedeln, die per DSL weltweit agieren", lautet Schommers Vision.
Bei diesen Firmen sei es ja egal, wo sie sich niederlassen, Hauptsache die Leitung ist schnell genug.
So will er IT-Firmen in eine reizvolle Landschaft mit gesunder Luft und netten Leuten locken, die auch inspirierend wirken kann, und außerdem: "Wir müssen vor allem die Kelten wieder in den Vordergrund rücken und den spirituellen Aspekt dieser Kultur aufzeigen."
Gespräche und Natur


Richtig inszeniert, könnten Besucher wie Einheimische daraus Kraft für den Alltag schöpfen und die Gemeinde mit neuen Firmen gleichzeitig auch finanziell profitieren, so die Idee. Kastel-Staadt sei ja in der Antike der Mittelpunkt zwischen Trier und Metz gewesen.
Das antike Römertheater sollte vermehrt für Veranstaltungen genutzt werden, findet Schommer: "Ich möchte dort zarte Klänge in den Tourismus bekommen." Außerdem fehlt nach Schommers Ansicht eine Grillhütte, die der "lockeren Kommunikation" dient, ohne Dorfbewohner zu stören.
Zudem hat der neue Ortschef noch die Idee, den klaren und natürlich dahinfließenden Pinschbach für Naturfreunde besser zu erschließen. Natur, Historie und Moderne sollten in Kastel-Staadt neu zueinander finden.
Extra

Erreichbar ist Hubert Schommer per Telefon unter 06582/99070 und per E-Mail unter gemeinde@kastel-staadt.de. Eine Sprechstunde wird einmal im Monat in der Ratsstube des Bürgerhauses stattfinden. Der Termin wird jeweils bekanntgegeben. doth