Ein neuer Blick auf Demenz und das Älterwerden

Hermeskeil · Vor gut einem Jahr hat sich in Hermeskeil ein Runder Tisch Demenz gegründet. Die Partner der Initiative laden nun erstmals zu einer größeren gemeinsamen Info- und Mitmach-Veranstaltung ein.

Margarita Wollscheid arbeitet als Ehrenamtliche im Hermeskeiler Johanneshaus.TV-Foto: Ursula Schmieder

Hermeskeil. Besucher sollen sich nicht nur informieren können, was es mit Demenz auf sich hat und wie sie mit Betroffenen optimal umgehen. Mit der Veranstaltung "Älter werden ... na und" will der Runde Tisch Demenz (siehe Extra) auch einen anderen Blick auf das Thema ermöglichen. Diese ist am Sonntag, 12. Oktober.
Gefühlvolle Einblicke


Mit dazu beitragen wird das Clowneske Theater von Ida Paul, die als Alltagsbegleiterin seit Jahren mit an Demenz erkrankten Menschen arbeitet. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse will sie im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus weitergeben.
Als Clownin Aphrodite schlüpft sie in die Rolle einer erkrankten Künstlerin, die Einblick in ihr früheres Leben gibt: in das unbeschwerte gesunde wie in das der schleichenden Erkrankung mit all seinen Veränderungen - auch im Umgang ihrer Mitmenschen mit ihr.
Als "nachdenklich, aber auch zum Schmunzeln", bezeichnet Christoph Eiffler, Leiter des MGH, das etwas andere Clowns-Gastspiel. Ergänzen wird es unter anderem ein Demenzparcours, der an etwa sieben Stationen ein Gespür dafür vermitteln soll, wie Erkrankte ihre Situation empfinden. Gesunde sollen das einmal selbst, zumindest annähernd, erfahren können.
Daneben wird es Mitmach-Angebote geben, die einladen, sich zu bewegen und Körper und Geist etwas Gutes zu tun. Einstimmen auf die Aktivitäten wird eine Gesprächsrunde. Dabei soll es um Fragen gehen, was eine Region tun kann, damit Menschen möglichst lange dort selbstbestimmt leben können. Ein anderes Thema wird sein, wie sich eine sorgende Gesellschaft entwickeln kann.
Auf Werte besinnen


Bewogen zu dem in dieser Form neuen Angebot in Hermeskeil hat laut Eiffler die Überlegung, dass ja keiner alt werden und jammern wolle. Daher wollten die Partner des Runden Tisch die Scheinwerfer auf Stadt und Umgebung richten und die aktuelle Lebensgestaltung unter die Lupe nehmen.
Ein erster Schritt war eine Veranstaltungsreihe von März bis Juni in Orten der Pfarreiengemeinschaft (der TV berichtete). Schwerpunkte waren Aufklärung, Sensibilisierung und Prävention. "Wir wollen, dass das Thema Demenz bei der Bevölkerung ankommt", erklärt Eiffler. Die Menschen müssten sich damit beschäftigten, wobei auch eine Rückbesinnung auf früher selbstverständliche Werte wie Nachbarschaftshilfe wertvoll sein könnte. Vor allem aber müssten Angehörige befähigt werden, möglichst früh Anzeichen erkennen und mit der Erkrankung umgehen zu können.
Die Wirklichkeit sehe leider noch allzu oft so aus, dass die Krankheit als beschämend empfunden werde. urs

Extra

Dem Runden Tisch Demenz haben sich unterschiedliche Träger angeschlossen: aus Hermeskeil die Arbeiterwohlfahrt (AWO), das St. Josef-Krankenhaus, Hochwald-Altenzentrum St. Klara, Mehrgenerationenhaus Johanneshaus und der Pflegestützpunkt in der Kunickerstraße sowie das Demenzzentrum Trier und die Wohngemeinschaft Haus Sonnenschein in Damflos. Am Sonntag, 12. Oktober, bietet der Runde Tisch Demenz ein großes Angebot mit Hintergründen, Informationen und Vorträgen an. Dieses ist in der Zeit von 11 bis 16 Uhr im Mehrgenerationenhaus Johanneshaus. Das Programm im Überblick: 11 Uhr: Begrüßung mit Brigitta Dewald-Koch, eine aus Geisfeld stammende Vertreterin des Mainzer Familienministeriums. Danach gibt es eine Talkrunde mit Ärztin Dr. Martina Wagener, Sozialpädagogin Uschi Wihr (Demenzzentrum), einem Theologen, einer Richterin, einem Politiker sowie Vertretern von Krankenhaus und Altenheim und einer Frau der Generation 60plus. 13 Uhr: Tanz, Gesang und danach Mittagessen. 14 Uhr: Clowneskes Theater mit Ida Paul alias Clownin Aphrodite. 14.30 Uhr: Vorträge im Mutter-Rosa-Raum (neben dem Bistro Don Camillo) sowie im gesamten Haus Mitmach-Angebote wie Wirbelsäulengymnastik, Feldenkrais oder autogenes Training. 11 bis 16 Uhr: Infostände (großer Saal), Demenzparcours. urs