Ein Pfadfinder durch und durch

50 Jahre lang war Karl-Heinz Steffens Vorsitzender des Pfadfinderstamms St. Franziskus Saarburg-Beurig. Das Pfadfindertum hat ihn dazu gebracht, viel zu reisen - zu einer Zeit, in der das nicht unbedingt üblich war. Der Beu riger kann einen sehr aktiven Stamm übergeben.

Saarburg. Alle vier Jahre veranstalten die Pfadfinder ein Welttreffen, ein sogenanntes World Scout Jamboree. Karl-Heinz Steffens war mit 18 Jahren bei einem solchen Jamboree - und das war prägend. Mit Bahn, Schiff und Bus ist er 1963 nach Griechenland gereist.
Das Geld dafür hatte er sich zum Teil mit mühseligem Unkrautjäten im Weinberg verdient. Im griechischen Pfadfinderlager hat er es genossen, mit 12 000 Gleichgesinnten aus aller Welt zusammen zu sein und das Pfadfindermotto "Freundschaft über Grenzen hinweg" zu leben. Noch heute sprudeln die Erinnerungen nur so aus dem 70-Jährigen heraus. "Da bist du heute zu den Rhodesiern, morgen zu den Kuwaitis und am nächsten Abend zu den Österreichern", sagt Steffens. Mit einem Kuwaiti habe er einen Ausflug nach Athen gemacht, und da dieser - im Gegensatz zu ihm - Geld besessen habe, hätten sie sich ein Moped gemietet und seien durch die Stadt gebraust.
Mit Auto und Zelt nach Marokko


Danach ist Steffens viel gereist, obwohl das damals auch nicht so einfach war, denn in erster Linie war Reisen teuer. Mit dem Rad ging's nach Belgien und Frankreich, später mit Auto und Zelt nach Marokko. 1971 kam Portugal dran, sein Traumland, das damals noch Diktatur war. Steffens: "Oft bin ich in Pfadfinder-Uniform gereist und habe Autostopp gemacht." Zudem habe er den Kontakt zu anderen Pfadfindern gesucht. Das sei hilfreich gewesen. Gelegentlich sei er schon mal zum Essen eingeladen worden, zumindest habe er aber von anderen Pfadfindern Tipps für die Übernachtung und ähnliches bekommen.
So wie im nigerianischen Lagos. Dort musste Steffens einen 14-tägigen Zwangsurlaub in der Hauptstadt Lagos einlegen. Die Reise konnte er nicht einfach fortsetzen, weil der Präsident erschossen worden war. Steffens hatte die Schüsse in der Hauptstadt gehört.
Doch ein Pfadfinder zu sein bedeutete für Karl-Heinz Steffens nicht nur Freundschaft über die Grenzen hinweg. Auch in der Heimat engagierte er sich lange und intensiv. 50 Jahre lang war der Garten- und Landschaftsbaumeister Vorsitzender der Beuriger Pfadfinder, dem sogenannten Stamm St. Franziskus Saarburg-Beurig.
Doch angefangen hatte alles in Saarburg. Als Elfjähriger wurde Steffens Jungpfadfinder. Ein paar Freunde von ihm waren auch bei der Truppe, er war der einzige Beuriger. Doch der Saarburger Stamm löste sich auf. 1961 gab es dann die ersten Pfadfindertreffen in Beurig - im Zimmer von Karl-Heinz Steffens, damals 16 Jahre alt. Die Gruppe erkämpfte sich schließlich einen Raum bei der Kirche.
Kurse und Partnerschaft


1989 - Steffens war schon 24 Jahre Stammesvorsitzender - kauften sie ein eigenes Haus. "Alle haben dabei mitgeholfen", sagt Steffens. Viel ist seitdem passiert. Die Beuriger haben vielen Heranwachsenden beigebracht, wie man sich in der Natur zurechtfindet. Sie sind eine Partnerschaft mit Pfadfindern im englischen Whittington eingegangen, haben internationale Lager, Gitarren-, Erste-Hilfe- sowie DLRG-Kurse und vieles mehr organisiert. Dass die jungen Leute Verantwortung übernehmen, war Steffens immer wichtig. Er sagt: "Auch schwierige Kinder sind hier was geworden."
Stolz ist Karl-Heinz Steffens darauf, dass die Beuriger Pfadfinder - im Gegensatz zu vielen anderen Stämmen - noch da und gut aufgestellt sind. Derzeit existieren im Saarburger Stadtteil drei Gruppen à zwölf bis 14 Kindern und Jugendlichen. Im Frühjahr soll zudem eine neue Gruppe aufgemacht werden, mit den Jüngsten, den Wölflingen (siehe Extra).
Zum Abschluss seiner Amtszeit wurde Karl-Heinz Steffens mit dem silbernen Georgs-Pin, der zweithöchsten Auszeichnung des Verbands Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, geehrt. Nach 50 Jahren als Vorsitzender hat er das Amt - wie es heute üblich ist - an ein gemischt-geschlechtliches Duo abgegeben. Felix Gouverneur und Kira Dörfler haben die Arbeit übernommen.
Karl-Heinz Steffens, der Vater zweier Töchter ist und im Gemeinderat, bei der Kirche und im Verschönerungsverein viele weitere Ehrenämter innehatte, sagt heute: "Ohne meine Frau, die mir den Rücken freigehalten hat, hätte ich das alles nicht machen können."
Extra

Die Pfadinderbewegung ist Anfang des 20. Jahrhunderts in England entstanden und bis auf sechs Staaten weltweit verbreitet. Sie ist eine Erziehungsbewegung für Kinder und Jugendliche, die Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen offensteht. Der Pfadfinderstamm St. Franziskus Saarburg-Beurig ist Mitglied im Verband Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG). In diesem Verband sollen junge Menschen zu Selbstständigkeit und Eigenverantwortung erzogen werden. Das Verständnis der Welt beruht dabei auf den Grundsätzen des christlichen Glaubens. Das politische und soziale Engagement der Pfadfinder zeigt sich in vielen Bereichen, zum Beispiel bei der Integration von Menschen mit Behinderungen im täglichen Leben. Pfadfinder setzen sich für Völkerverständigung, Weltoffenheit, Toleranz und Frieden ein. Der DPSG ist mit 95 000 Mitgliedern der größte katholische Pfadfinderverband in Deutschland und wurde 1929 gegründet. Vier Altersstufen werden bei dem Verband unterschieden: Wölflinge (sieben bis zehn Jahre), Jungpfadfinder (Zehn- bis 13), Jugendliche Pfadfinder (13 bis 16) und Rover (16 bis 20). In jeder Altersgruppe begleiten Teams von erwachsenen Frauen und Männern die jungen Leute als Leiterinnen und Leiter - ehrenamtlich. mai