Ein rüstiger Fünfundachtziger

KELL AM SEE. (hm) Das Konzert des Musikvereins stand im Zeichen des Jubiläums. Jugendorchester, großes Blasorchester und ein geschichtlicher Rückblick bildeten den Rahmen, in dem sich der Verein von seiner besten Seite zeigte.

Dirigent Emil Sirakov zeichnete für die hervorragende musikalische Qualität verantwortlich.Weder Confederations-Cup noch absolutes Grillwetter hatten die rund 250 Zuhörer davon abhalten können, ihre musikalischen Lieblinge in der Kultur- und Sporthalle durch Anwesenheit zu motivieren. Den Beginn machte das Jugendorchester mit "Five Continents" von Jacob de Haan, "The Lion King" von Elton John, und "Friends for Life" von Dizzy Stratford und erntete dankbaren Applaus. Das große Orchester hatte mit "Music for a Ceremony" von J. Morrissey, "Pasadena" von Jacob de Haan und "The new Village" von Kees Vlak hochwertiges Notenmaterial einstudiert. "Kilkenny Rhapsody" von Kees Vlak, "Csardas"von Vittorio Monti, (Solo-Klarinette: Heide-Marie Fuxen), "Lord of the dance" von Ronan Hardiman, "The Genius of Ray Charles" und "Washingtin Grays” von Claudio Grafulla vervollständigten ein Programm, durch das Jungmusikerin Stephanie Hauschild führte. "Die Blasmusik hat in Kell am See eine lange Tradition." Vorsitzender Karl-Heinz Willger ist stolz auf seinen von Existenznöten freien Verein und blickte anlässlich des 85-jährigen Bestehens in die Vergangenheit. "Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts existierte in Kell ein Spielmannszug, der vermutlich von den heimkehrenden Soldaten des napoleonischen Heeres gegründet wurde. Er löste sich aber wieder auf." Der zweite Versuch folgte 1912: "Da viele Männer unserer Gemeinde damals in den Gruben an der Saar und in Lothringen ihren Lebensunterhalt verdienten, lag es nahe, eine Bergmannskapelle zu gründen. Der Erste Weltkrieg bereitete aber auch diesem jungen Verein ein jähes Ende." 1920 ein erneuter Anlauf: Matthias Eiden, Hornist der kaiserlichen Armee, machte den Versuch, einen Musikverein zu gründen. Der neue Verein nannte sich Musikverein "Triumph". Eineinhalb Jahre später sei vom damaligen Pastor Weber ein zweiter Musikverein mit dem Namen "Cäcilia" gegründet worden. Dieser war dem Kirchenchor angeschlossen und sollte ausschließlich bei Gottesdiensten mitwirken. Querelen hatten zur Folge, dass sich die Musiker vom Kirchenchor trennten und selbstständig machten. Die beiden Musikvereine wetteiferten miteinander und brachten dadurch ihre Leistungen auf ein für die damalige Zeit beachtliches Niveau. Jeder Verein hatte Ende der 20er-Jahre über 30 aktive Musiker. Die Entwicklung der beiden Vereine wurde 1933 durch die NS-Herrschaft abrupt beendet. Beide Vereine wurden zu einer SA-Kapelle vereinigt, die ausnahmslos Parteiinteressen wahrnehmen durfte. Diese Bevormundung führte zur Auflösung des Vereins. Vierter Versuch: Das Interesse am Musizieren war so groß, dass man sich 1938 entschloss, einen neuen Verein zu gründen Der Zweite Weltkrieg und die Einberufung vieler aktiver Musiker zum Militärdienst machten aber auch dieses Bestreben zunichte. Fünfter Versuch: Nach dem Krieg fanden sich wieder einige Musiker, die den Verein neu ins Leben riefen und ihm den Namen "Gemeindeorchester" gaben. Als der Verein 195o das 30-jährige Stiftungsfest feierte, gab man ihm den Namen "Concordia".