Ein Saarburger Polizist in Afghanistan

Damflos/Saarburg/Kabul · Wenn Volker Pink in Saarburg ist, arbeitet er als Ausbilder für die Bereitschaftspolizei. Zurzeit unterrichtet er afghanische Polizisten im Rahmen einer europäischen Polizeimission in Kabul - und das bereits zum zweiten Mal.

Damflos/Saarburg/Kabul. Lässig steht Volker Pink in seiner Garage. Darin steht kein Auto, stattdessen sind dort etliche Fahrräder untergestellt. Der 43-Jährige hat vor zwei Jahren bei seinem vorerst letzten Ironman - das ist ein Triathlon mit 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf - mitgemacht. Trainiert hat er dafür in Mazar-i Scharif, das im Norden von Afghanistan liegt. Bei einer Temperatur von 50 Grad Celsius.
Damals war der Bereitschaftspolizist, der in Saarburg lebt, vom rheinland-pfälzischen Innenministerium nach Afghanistan abgeordnet worden, um dort Polizisten auszubilden. 13 Monate lang war er für das German Police Project Team (GPPT, siehe Hintergrund) im bedeutendsten afghanischen Wallfahrtsort im Einsatz. "Ich habe damals zusammen mit einigen Kollegen mehrere Polizeistationen im Umland von Mazar-i Sharif betreut", erzählt Pink. Oft seien sie bis zu 15 Stunden am Tag mit einem Spezialfahrzeug unterwegs gewesen, immer begleitet von Bundeswehrsoldaten.
Gerne erinnert sich der Polizist an diese Zeit. So sei immer ein Arzt mit ihnen unterwegs gewesen, der sich in den Dörfern unterwegs um die Kranken kümmerte. Oft hätten sie, umringt von Kindern, auf einem der Dorfplätze gestanden und ihren afghanischen Kollegen über die Schultern geschaut.
Ganz anders ist da sein aktueller Afghanistaneinsatz. Er lebt im Eupol-Hauptquartier (siehe Hintergrund) in Kabul. Nur um an der Polizeischule zu unterrichten, kommt Pink aus dem streng bewachten Lager raus. Im Camp gibt es ein Fitnesscenter, eine Kantine und ausgewählte afghanische Händler. Dort wohnen auch seine Kollegen aus allen 28 EU-Staaten sowie aus Norwegen und Kanada.
Für Kollegen eingesetzt


"Mein Kontakt zu Land und Leuten beschränkt sich meist darauf, dass ich meine afghanischen Kollegen in der Schule treffe", berichtet Pink. Trotzdem ist immer wieder Platz auch für persönliche Gesten. So hat er sich für einen afghanischen Kollegen eingesetzt, dessen Schwester sich bei einem Gasunfall tödlich verletzt hatte. "Da war es menschlich für mich selbstverständlich, mich dafür einzusetzen, dass sein Vorgesetzter ihm erlaubt, für einige Tage zu seiner Familie zu reisen."
Den Kontakt zur Heimat pflegt der in Damflos aufgewachsene Polizist, der auch in Koblenz Polizisten ausbildet, über Skype. "Der Zeitunterschied zwischen beiden Ländern ist dabei das größte Problem für mich", sagt Pink, der es genießt, etwa alle acht Wochen nach Hause - "in ein Urlaubs- und Radfahrparadies" - zu kommen.
In seinem Kabuler Zimmer hat er eine eigene Brotbackmaschine und einen Kaffeeautomaten stehen. "Zum Frühstück liebe ich es, ein Marmeladen- oder Honigbrot zu essen."
Tolles, aber gefährliches Land


Der Auslandseinsatz sei sehr anstrengend, kommentiert Pink das Arbeiten in einem Land, in dem jederzeit mit einem Anschlag radikaler Islamisten zu rechnen ist. Wenn er nach acht Wochen Einsatz für 14 Tage nach Hause komme, brauche er erst mal zwei Tage Schlaf. Trotzdem: "Das Land am Hindukusch ist toll und die Menschen sind immer freundlich zu einem."
Pink führt sein nächster Einsatz ab morgen zurück nach Mazar-i Sharif. "Ich will sehen, was aus den afghanischen Kollegen und den Polizeistationen geworden ist, die ich vor zwei Jahren betreut habe." Dieses Mal trainiert er Ausbilder, "denn ab Mitte 2014 soll die afghanische Polizei soweit sein, dass sie die Polizistenausbildung selbst koordiniert."Extra

Das German Police Project Team für Afghanistan (GPPT) berät die Sicherheitsbehörden des Landes beim Aufbau einer eigenen Polizeibehörde. Es setzt Infrastrukturprojekte um und leistet Ausstattungshilfen für die National- und Grenzpolizei. Aktuell arbeiten rund 200 deutsche Polizisten an dem Programm mit. Pink war von Oktober 2010 bis November 2011 für das GPPT in Mazar-i Sharif. Dort unterrichtete er Polizisten und half beim Aufbau von Polizeistationen in der Umgebung der Stadt mit. Die Eupol-Mission Afghanistan ist eine 170 Mann starke Ausbildungseinheit für die afghanische Polizei, die sich aus Polizisten der 28 EU-Staaten sowie aus Norwegen und Kanada zusammensetzt, davon kommen 14 aus der Bundesrepublik. Seit 2007 setzt sich diese Einheit für den Aufbau einer rechtsstaatlichen Grundsätzen genügenden Polizei ein. Das gegenwärtig wichtigste Projekt der Truppe ist die Ausbildung und Betreuung der afghanischen Ausbilder. Pinks Zeit in Afghanistan endet wohl im Juni 2014. itz