Windkraft: Ein Schaden legt das Windrad lahm

Windkraft : Ein Schaden legt das Windrad lahm

Im Windpark Losheim-Britten wurden nicht nur Rotorblätter ausgetauscht. An einer der fünf Anlagen ging das Hauptlager kaputt.

Der Windpark Britten, bestehend aus fünf Windkraftanlagen, hat schon wiederholt für Schlagzeilen gesorgt: Als die Planungen für den Windpark auf dem Judenkopf vor rund sechs Jahren liefen, gab es starke Widerstände gegen das Projekt im nahegelegenen Ort Greimerath, kurz hinter der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.

Dieser Widerstand mündete in der Gründung einer Bürger-Initiative mit Namen Pro Natur Hochwald. Seit der Windpark Ende 2013 seinen Betrieb aufgenommen hat, verfolgen insbesondere die Menschen in Greimerath sehr aufmerksam, was dort so vor sich geht.

So auch jetzt wieder: Seit Dezember 2018 liefen die Arbeiten zum Austausch der Rotorblätter an den fünf Windrädern mit einer Gesamthöhe von rund 200 Metern. Das Betreiberkonsortium, zu dem unter anderem der saarländische Energieversorger VSE gehört, erklärte seinerzeit, der Austausch erfolge vorsorglich und nicht wegen eines konkreten Schadens an den Anlagen.

Der Hersteller der Windräder, die Neunkircher Firma Vensys, sei auf die Windpark-Betreiber zugekommen und habe einen vorsorglichen Austausch der Rotoren auf Kulanz vorgeschlagen. Grund: Bei Rotoren aus der gleichen Baureihe, die an anderer Stelle im Einsatz gewesen seien, habe es Konstruktionsmängel gegeben, dort seien Haarrisse aufgetreten (die SZ berichtete). Mittlerweile ist der Austausch der Rotoren nach Mitteilung der VSE abgeschlossen. Allerdings gab es noch andere Arbeiten an einer der Windenergieanlagen (WEA), die bei Anliegern Fragen aufwarfen. In einem Schreiben an unsere Redaktion schildern sie ihre Beobachtungen: „Bei WEA 1 wurden nicht nur die Rotoren, sondern auch der Rotor selbst (Kanzel) heruntergenommen.“ Und das nicht nur einmal, sondern zwei Mal. „Unseres Erachtens liegen hier massive Mängel vor“, heißt es in dem Schreiben.

Wie der Windpark-Mitbetreiber VSE erklärte, sei Mitte Februar an dem angesprochenen Windrad ein Hauptlagerschaden des Generators festgestellt. Dieses Hauptlager sei mittlerweile ausgetauscht worden. VSE-Unternehmenssprecherin Marie-Elisabeth Denzer erklärte auf Anfrage unserer Redaktion: „Das bedeutet: Der Rotor-Stern musste komplett abgenommen werden.“ Das Hauptlager sei „konstruktiv mit dem Generator verbunden“, deswegen habe die ganze Einheit heruntergenommen werden müssen. Allerdings habe es sich bei dem Bauteil, das ausgetauscht wurde, nicht um die „Kanzel“ des Windrades gehandelt. „Der Generator hat einen Durchmesser von drei Metern, er wurde ins Vensys-Werk nach Neunkirchen gebracht, wo das Hauptlager ausgetauscht wurde“, erläuterte VSE-Sprecherin Denzer. Ende Februar sei der Generator wieder montiert worden, so dass das Windrad seither wieder einsatzbereit sei.

Auf den Schaden aufmerksam gemacht wurden die Verantwortlichen durch das Überwachungssystem der Anlagen, sagte Denzer: „Serienmäßig installierte Sensoren im Bereich der Gondel und der Rotorblätter überprüfen permanent den ordnungsgemäßen Betrieb einer Windenergieanlage.“ Sobald nur kleinste Abweichungen zum Normalbetrieb eintreten würden, „erfassen diese Sensoren derartige Abweichungen und teilen dies dem Monitoring des Windenergieanlagenherstellers unmittelbar mit“.

Im Fall des bei dem Windrad bei Britten eingetretenen Hauptlagerschadens sei dessen Defekt „durch von Messsensoren erfassten, kleinsten Zunahmen der mechanischen Schwingungen als Folge einer entstehenden Unwucht des Hauptlagers erkannt worden“, erläuterte Denzer. Nachdem die von dem Messsensor an dem Hauptlager erkannte mechanische Schwingungserhöhung einen festgelegten Schwellenwert überschritten hatte, sei die Anlage aus Sicherheitsgründen abgeschaltet worden, was weitere Schäden an dem Windrad verhindert habe. Die im Zuge der Austauschaktion abmontierten Rotorblätter werden, wie seitens des Herstellers Vensys erläutert wurde, vor Ort in Britten in etwa sechs Meter lange Stücke geschnitten und in einen Container verpackt.

Marie-Elisabeth Denzer: „Dafür wird der Boden mit Schutzvlies abgedeckt, damit keine Partikel in die Umwelt gelangen. Wie mir mitgeteilt wurde, soll es am Windpark Infotafeln geben, die genau darauf hinweisen.“ Die zerkleinerten Rotoren würden in Kürze per Lkw vom Windpark-Gelände abtransportiert und später in einem Recycling-Unternehmen weiter verarbeitet.

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