Ein Schatz im Staub

FELL. (dis) Die Gemeinde Fell ist Besitzerin eines Schatzes, dessen Wert nicht zu erahnen ist. Seit Jahren liegen rund 3000 Bücher auf dem Speicher der alten Schule.

Die alte Schule hat sich zum Kommunikations- und Vereinszentrum des Ortes entwickelt (der TV berichtete). Sie war nach ihrer Aufgabe als Bildungsstätte ein Wohnhaus. Im Jahre 1976 war dort die amerikanische Familie Buchanau eingezogen. Das Ziel des Familienvaters - er war Richter beim amerikanischen Militär - war es, ein deutsch-amerikanisches Begegnungszentrum zu schaffen. Das Miteinander der unterschiedlichen Charaktere sollte beleuchtet und verbessert werden. Die Voraussetzung dazu schaffte er mit einer Sammlung von rund 3000 Büchern. Ortsbürgermeister Helmut Schneiders: "Es sind alle Stilrichtungen vertreten. Prosa und Sachbücher sind genauso zu finden wie Lexika und Erzählungen.” Als die Familie 1992 nach Amerika zurückkehrte, schenkte sie der Gemeinde die Sammlung. Seitdem lagert sie auf dem Speicher. "Sie müsste katalogisiert und nach Sachgebieten geordnet in Regale eingestellt werden. Sie könnte der Grundstein für eine größere Bibliothek werden,” sagt Schneiders. Doch der Gemeinde fehlt das Geld, um jemanden damit zu beauftragen. "Für jedes Buch braucht man mindestens fünf Minuten, um Titel, Verfasser und eventuell die Seitenzahl zu erfassen,” schätzt Schneiders. Dann sei immer noch nichts vom Inhalt des jeweiligen Buches bekannt, zumal sie alle in Englisch geschrieben sind. Bei rund 3000 Büchern, schätzt er, müssten Wochen für die Erfassung aufgewendet werden. Schneiders trauert einer vor Jahren verpassten Chance nach: "Die Tochter der Familie kannte die Bücher. Sie hatte sich zur Erfassung angeboten. Doch damals haben wir die Wichtigkeit nicht erkannt.” So bleibt der Gemeinde nur die Hoffnung auf den Zufall. "Ein rüstiger Pensionär etwa mit viel Zeit und Englisch- und Computerkenntnissen wäre der richtige Mann für uns", sagt Schneiders. Bis jemand gefunden ist, wird weiter Staub auf den Schatz rieseln.