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Ein sehr gutes Zeugnis zum Hundertsten

Ein sehr gutes Zeugnis zum Hundertsten

Wer 100 Jahre alt wird, darf mit vielen Gratulanten rechnen und reichlich Anerkennung erwarten. Auch für das Gymnasium Hermeskeil trifft das zu. Die Schule hatte am Freitagabend zum offiziellen Jubiläumsfestakt eingeladen. 300 Gäste erlebten in der Hochwaldhalle eine Feier mit fünf Reden, sechs Musikstücken und späterem Empfang mit Zeit für Gespräche in lockerer Runde.

Nein, Noten hat bei diesem Anlass niemand gegeben. Aber ein sehr gutes Zeugnis wurde dem Hermeskeiler Gymnasium trotzdem von allen Seiten ausgestellt. 2013 feiert die Schule ihren 100. Geburtstag. Und daran wurde am Freitagabend mit einem offiziellen Jubiläumsfestakt erinnert, zu dem rund 300 geladene Gäste kamen. Dessen Schauplatz war die Hochwaldhalle.

"Wir haben leider keine Aula für eine Veranstaltung dieser Größenordnung. Deshalb können Sie sich heute nicht direkt vor Ort ein Bild davon machen, wie sich unsere Schule optisch und baulich modernisiert und weiterentwickelt hat. Sie ist nun in einem ansehnlichen und zukunftsträchtigen Zustand", sagte Arno Ranft bei der Begrüßung der Besucher. Der aktuelle Direktor ging damit noch einmal auf die Zeit der Generalsanierung des Gymnasiums und der Erweiterung durch einen Anbau ein. Diese Arbeiten hatten in der jüngeren Vergangenheit den Alltag an der Schule maßgeblich mitgeprägt.

Prominentester Festgast war Doris Ahnen. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin zeichnete in ihrem Vortrag die wichtigsten Stationen auf dem Lebensweg des Gymnasiums nach. 1913 wurde in Hermeskeil eine Höhere Knabenschule gegründet. Ab 1921 durften dort auch Mädchen in den Unterricht gehen. Wer seine Schullaufbahn auch in der Oberstufe fortsetzen und Abitur machen wollte, musste allerdings noch lange Zeit beispielsweise nach Trier fahren. Erst 1965 war es so weit: Das Hermeskeiler Gymnasium - es war kurz vorher in die neuen Gebäude in der Borwiesenstraße gezogen, wo es bis heute zu finden ist - entließ seine ersten fünf Abiturienten.

SPD-Politikerin Ahnen bescheinigte der Schule, dass sie nicht nur ein Profil entwickelt habe, "das alle Standards erfüllt. Sie hat auch so viele spezifische Stärken, dass es schwer ist, eine Auswahl zu treffen", sagte Ahnen in ihrem Vortrag. Beispielhaft nannte sie dann aber doch den Einsatz neuer Medien oder die Tatsache, dass am Hermeskeiler Gymnasium Leistungskurse in Informatik, Musik und Bildender Kunst angeboten werden, was in dieser Kombination an den Schulen im Land eher eine Seltenheit ist.

Viel Lob gab es auch vom Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (CDU). "Der Kreis ist als Träger stolz, eine solche Schule mit Vorzeigecharakter zu haben. Sie ist altehrwürdig, aber trotzdem absolut modern."
Die Vorsitzende des Elternbeirats Heike Jessen betonte, dass es vor allem wichtig ist, "dass die Absolventen die Schule mit einem hohen Ausbildungsstand verlassen. Außerdem lässt es sich in den neuen Räumen angenehmer lernen."

Selbstbewusst machte Sprecher Thorsten Bock die Position der Schüler deutlich: "Mit 100 Jahren neigt sich normalerweise ein Leben zu Ende. Bei Schulen ist das anders. Sie bleiben immer jung, weil sie durch uns Schüler eine ständige Frischzellenkur bekommen." Und noch eins ist Bock aufgefallen: "Die Tatsache, dass so viele frühere Schüler als Lehrer zurückkehren, zeigt uns eigentlich: Es kann hier am Gymnasium gar nicht so schlecht sein."
Wer bis hierhin den Eindruck hatte, dass der Festakt nur eine nüchterne Angelegenheit mit vielen Reden und warmen Worten war, der täuscht sich allerdings. "Wir bieten Ihnen zwischen diesen Beiträgen eine Wellness-Oase", kündigte Moderator und Lehrer Ulrich Müller den 300 Gästen an und versprach damit nicht zu viel.
Gleich vier Ensembles der Schule - die Big-Band, der Chor, das Orchester und die Band Hitzefrei - zeigten auf beeindruckende Art, warum das Gymnasium gerade auf dem Feld der Musik einen so guten Ruf hat. Höhepunkt war dabei die Interpretation des James-Bond-Hits "Skyfall", bei dem Solistin Judith Piroth den Part von Original-Sängerin Adele übernahm. "Das war spitze", meinte Müller völlig zu Recht. Oder man könnte auch sagen: Das war eine glatte Eins.Extra

Rückkehr: Unter den 300 Gästen wurde er von Direktor Arno Ranft besonders begrüßt. Zum Festakt des Gymnasiums war Heinz Kahn in seine Heimatstadt zurückgekehrt. Kahn - der Sohn eines Tierarztes - kam 1932 auf die Höhere Schule in Hermeskeil. 1936 musste er sie als letzter jüdischer Schüler verlassen. Die damaligen Lehrer hatten es ihm "dringend nahegelegt. Wir wollen dieses dunkle Kapitel unserer Schule nicht ausblenden", betonte Ranft. Heinz Kahns Vater Moritz, seine Mutter Elise und seine Schwester Gertrud wurden 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Auch Heinz Kahn wurde in das KZ deportiert. Er überlebte den Holocaust. Heute wohnt der 91-Jährige in der Nähe von Koblenz. Vor seinem Hermeskeiler Elternhaus in der Trie rer Straße 55 erinnern seit 2006 drei Stolpersteine an das Schicksal der Familie. Wiedersehen: Warum freut sich Doris Ahnen so, dass sie in Hermeskeil Elmar Haupenthal, dem zweiten Stellvertreter des Gymnasiums, begegnet? Die Antwort liefert die Bildungsministerin sofort: "Er war mein erster Französischlehrer." Haupenthal unterrichtete Ende der 1970er Jahre am Friedrich-Spee-Gymnasium in Trier. Dort drückte Ahnen damals die Schulbank. "Ich hatte ihre Klasse die ganze Mittelstufe über, also vier Jahre lang", erinnert sich Haupenthal. axExtra

Nach dem Festakt schlägt beim Jubiläum die Stunde der Schüler. Unter dem Motto "100 Jahre Gymnasium Hermeskeil - eine Zeitreise" startet am heutigen Montagmorgen um 8 Uhr eine Projektwoche. Die Klassen und Stufen packen dabei fast 50 verschiedene Vorhaben mit einer großen thematischen Bandbreite an. Am Freitag, 21. Juni, werden die Ergebnisse der Projekte von 14 bis 18 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert. Direkt im Anschluss beginnt das große Schulfest inklusive Ehemaligentreffen. Dazu werden Tausende Besucher auf dem Schulgelände erwartet. ax