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"Ein Skigebiet, das können wir auch!"

 Es gibt immer was zu tun: Vorsitzender Gilbert Roth, Gründungsmitglied Herbert Hotz und Liftführer Otto Knackstedt (von links). TV- Foto: Herbert Thormeyer
Es gibt immer was zu tun: Vorsitzender Gilbert Roth, Gründungsmitglied Herbert Hotz und Liftführer Otto Knackstedt (von links). TV- Foto: Herbert Thormeyer
Neuhütten. Immer nur auf den Erbeskopf fahren? Ein Skigebiet, das können wir auch! Eine Gruppe Wintersportfreunde aus Züsch hat vor vier Jahrzehnten den Skiclub Dollberg gegründet. Eine eigene Piste zu haben, war von Anfang an das Ziel. Piste, Loipe, Rodelbahn, Lift, Tubing-Bahn und eine Hütte für den Après-Ski, alles wurde nach und nach Wirklichkeit. Herbert Thormeyer

Neuhütten. Ein Wetterbericht, der Schneefall ankündigt, das ist für den Vorsitzenden des Skiclubs Dollberg, Gilbert Roth, die schönste Nachricht, die es gibt: "Im letzten Jahr hatten wir den Lift an keinem einzigen Tag in Betrieb. Dieses Jahr waren es fast 40." Die Freude gilt in der nun wohl abgelaufenen Saison aber nicht nur dem Wetter, sondern auch dem Gründungdatum. Am Samstag, 9. März, feiert der Club ab 19 Uhr im Neuhütter Bürgerhaus sein 40-jähriges Bestehen.
1973 beschloss eine Gruppe Züscher Wintersportfreunde einen Skiclub zu gründen. Die Fahrten zum Erbeskopf mit Autos, die eigentlich zu viele Insassen transportierten, das sollte aufhören. Unter ihnen der damalige Züscher Ortsbürgermeister Palmatius Kohlhaas, ein Aktivist, der wie die anderen der Meinung war: Ein Skigebiet, das können wir auch. Der Gründungsvorsitzende und damalige Forstamtsleiter in Hermeskeil, Klaus Röhlinger, übernahm gemeinsam mit Kohlhaas, den Schriftverkehr mit den Behörden.
"Zunächst wurde in Züsch nach einem geeigneten Gelände gesucht", erinnert sich Gründungsmitglied Herbert Hotz (72). Doch der Fuchsbau ist ein Südhang mit zu viel Sonneneinstrahlung.
Jetzt rückten die Neuhütter Dollberge ins Blickfeld der lokalen Wintersportler. Ein Hang mit 60 Höhenmeter wurde gerodet und ein sogenannter Rucksacklift, angetrieben von einen VW-Motor, installiert. Staatlich geförderte 200 000 Euro kostete die gesamte Anlage damals.
Keine öffentlichen Gelder


Heute kann sich der Club aus Mitgliedbeiträgen, Liftgebühren und mit der Gastronomie in der Skihütte gut finanzieren. Anders als am Erbeskopf fließen also in den Wintersportbetrieb keine öffentlichen Gelder.
"Das ganze Dorf war anfangs voll von parkenden Autos. Es war eben was Neues", erinnert sich Vorsitzender Roth. Seit der Saison 1980/1981 wurde der heutige Schlepplift in Betrieb genommen. Bis heute konnte der Club nicht mehr an diesen Erfolg anknüpfen. Doch an guten Wochenenden kommen schon 200 bis 300 Wintersportfreunde. "90 Prozent unserer Gäste kommen aus dem Saarland", freut sich Roth. Früher habe der Hang von Jugendlichen nur so gewimmelt. Heute habe man wohl mit dem Computer eine ernste Konkurrenz bekommen.
Mit den Stürmen Vivien und Wiebke in den 90er Jahren sah der Club die Chance auf eine Erweiterung. Doch die Bäume fielen an der falschen Stelle. Das 750 000-Euro-Projekt scheiterte an einer Forderung des Forstamts. Es wollte eine Fläche in Richtung Dollberg-Gipfel nur dann roden, wenn der Verein dafür 100 000 Euro bezahlt. Dieses Geld konnte der Club aber nicht mehr aufbringen.
2005 kam die vorerst jüngste Attraktion dazu. Am Dollberg wurde eine Tubing-Bahn angelegt. In diesem rund 150 Meter langen, offenen Kanal mit drei Steilkurven schlittern Wintersportler auf aufblasbaren LKW-Schläuchen nach unten.
Von den 300 Mitgliedern (einschließlich Familienmitgliedschaften) sind 15, die sich im Ehrenamt um die Anlage kümmern. Sie bauten auch die Hütte, die ursprünglich nur zum Aufwärmen gedacht war, und inzwischen ein konzessionierter Gastronomiebetrieb ist.
Seit 1984 kann die Piste mit einem Motorschlitten präpariert und mit einem Spurgerät eine Loipe angelegt werden. Wegen Holzrückarbeiten ist derzeit jedoch der Langlauf nur eingeschränkt möglich.
Auf Schneekanonen müssen die Wintersportler jedoch weiter verzichten, denn so Roth: "Dafür brauchen wir eine Wasserbecken, das wir nicht genehmigt bekommen, schon gar nicht, wenn der Nationalpark kommt."
Extra

Über das Vereinsleben, den Pistenzustand und die Angebote des Clubs wird umfangreich im Internet auf www.skiclub-dollberg.de informiert. Ganz aktuelle Informationen gibt es übers Schneetelefon 06503/3445. Die Jubiläumsfeiner am 9. März ab 19 Uhr im Neuhütter Bürgerhaus ist keine interne Veranstaltung, sondern steht allen Besuchern offen. Es spielt die regionale Formation Fourfun. doth