Ein sprechendes Cello geht auf Reisen
Konz · Celloprofessor Alexander Hülshoff spielt und sein Instrument bekommt mit Ilona Christina Schulz eine Stimme. Diese witzige Idee ließ beim Auftritt des Duos im Kloster Karthaus Begeisterung beim Publikum aufkommen: Fast 200 Vier- bis 80-Jährige hörten zu.
Konz. "Da sind wir offenbar auf einen großen Bedarf gestoßen", staunte die Konzer Kulturbeauftragte Marita Souville, als sie sah, dass annähernd 200 große und kleine Musikfreunde in den Festsaal des Klosters Karthaus strömten, um ein Cello sprechen und spielen zu hören.Instrument aus dem Jahr 1691
"Ja, mein Cello wurde tatsächlich 1691 von Meister Giovanni Grancino gebaut", bestätigt Professor Alexander Hülshoff, der Künstlerische Leiter der Villa Musica in Mainz. Da sei Johann Sebastian Bach gerade mal sechs Jahre alt gewesen. Da sein ebenso altes wie wertvolles Instrument nicht selbst sprechen kann, lieh Schauspielerin und Sängerin Ilona Christina Schulz ihm ihre Stimme.
Der Text stammt von Villa- Musica-Geschäftsführer Professor Karl Böhmer.
"Die Lebensgeschichte meines Cello hätte sich so abgespielt haben können", findet Hülshoff. Doch ein wenig Phantasie sei auch erlaubt.
Die Schauspielerin beschrieb erst einmal den Geigenbaumeister, den "dicken Giovanni" in Mailand. Von dort nahm sie die kleinen Zuhörer mit auf eine abenteuerliche Reise: "Auf dem Weg über die Alpen habe ich mächtig gefroren, denn der Cellokoffer war noch nicht erfunden."
Allerlei Berühmtheiten hat das Instrument kennengelernt, darunter sogar Napoleon.
Die rund 70 Kinder hörten, wie ein Lied ohne Worte klingt, wenn es von Felix Mendelssohn-Bartholdy stammt. Mit dem argentinischen Tango brachten Cello und Schauspielerin die Kinder zum Tanzen.
In Wien wurde Station gemacht, und Moritz (10) tanzte mit dem sprechenden Cello Walzer. Das gute Stück wurde verliehen, getauscht und vergessen, kam aber weltweit viel rum.
"Das war richtig gut", fand Tim (11) aus Kanzem, der selbst Posaune spielt und in einem Chor singt. Sein Opa, Heiner Breuer (72) aus Konz, sagt: "Das Cello wurde den Kindern sehr gut erklärt."
Die Villa Musica in Mainz habe den Auftrag, auch andere Konzertformate zu bieten, als nur das Vorspielen, sagt der Cello- Professor, und fügt hinzu: "Alle Kinder haben Talent. Man muss es nur entdecken und entsprechend fördern." Es gelte, spielerisch Augen und Ohren zu öffnen. Auch wer kein Instrument spielt, werde gebraucht, als Publikum nämlich.
Im Kloster Karthaus ist eine besondere Saite bei Jung und Alt zum Schwingen gebracht worden. "So was werden wir fortsetzen", verspricht Kulturbeauftragte Souville.
Am Sonntag, 9. Februar, spielen in einer Matinee, also einer künstlerischen Veranstaltung am Vormittag, ab 11 Uhr der Cellist Moritz Reutlinger aus Trier und die Pianistin Clara Godfroy aus Metz an gleicher Stelle Werke von Beethoven, Brahms und Schostakowitsch.Extra
Das Violoncello (Kurzform: Cello) ist der Bass der Viola-da-braccio-Familie, einer Gattung von Streichinstrumenten, die sich im 15. und 16. Jahrhundert parallel zu den Gamben entwickelt hatte. Zu dieser Familie gehören auch die heutigen Violinen und Violen. Diese Instrumente hatten drei oder vier Saiten. Bekannte Geigenbauer des 16. Jahrhunderts, die bereits solche Instrumente anfertigten, sind unter anderem Andrea Amati (1505 bis 1577), Gasparo da Salo (1540 bis 1609) und Giovanni Paolo Maggini (1581 bis 1632). Im 17. Jahrhundert ist Antonio Stradivari (1644 bis 1737) hervorzuheben, der den Schallkörper etwas verkleinerte und so die bis heute gültigen Maße festlegte. Quelle: wikipedia/doth