Hospiz- und Palliativdienst im Kreis Trier-Saarburg: Ein Stück Halt, wenn alles ins Wanken gerät

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Unheilbare Krankheiten sind Ausnahmesituationen für Betroffene und Angehörige. Der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst der Malteser im Kreis Trier-Saarburg hilft in diesen Fällen mit pflegerischer Beratung, psychischer Unterstützung und manchmal einem banalen Stück Alltag.

Der Vater von Christian Schulze (Name von der Redaktion geändert) ist 92 und lebt zu Hause. Der Senior leidet an mehreren Erkrankungen, die nicht mehr heilbar sind. In jüngster Zeit hat er körperlich stark abgebaut. Sein Sohn sagt: „1000 Sachen schießen einem da durch den Kopf. Sollen wir nochmal zum Arzt gehen? Oder ins Krankenhaus? Was kann ich tun?“ Rat- und hilflos hätten er und seine Mutter sich gefühlt. Sie sei zudem seelisch enorm stark belastet gewesen. Da bekam Schulze den Tipp, sich an den Ambulanten Hospiz- und Palliativdienst der Malteser zu wenden.

Ein Beispiel aus der Praxis Hospizkoordinatorin Birgit Mainzer kam und half. Sie ließ sich vom Vater die Symp­tome schildern und suchte zusammen mit Palliativmediziner Dr. Lucas Wehling im Saarburger Krankenhaus nach Lösungen, die Erleichterung verschafften. Mit der Mutter sprach Mainzer unter vier Augen. Christian Schulze sagt: „Das war wichtig. Bei ihr ist sie ehrlicher.“ Nicht, dass er kein gutes Verhältnis zu seiner Mutter habe, aber Eltern wollten ihren Kindern nun mal nicht zur Last fallen. Die Hospizkoordinatorin gab der Familie ein Stück Halt in diesen schwierigen Zeiten. Schulze: „Auch wenn es jetzt happiger wird, wissen wir wohin mit unserer Hilfs- und Ratlosigkeit. Allein dieses Wissen ist schon unheimlich wichtig.“

Und Mainzer veranlasste noch mehr. Da der Vater geistig fit ist, hatte die Hospizkoordinatorin die Idee, einen Ehrenamtler des Malteserdienstes mit ins Boot zu nehmen. Schulze: „Robert redet nun mit meinem Vater über früher und fährt mit ihm übers Land. Da freut er sich die ganze Woche drauf.“ Er selbst fühle sich durch die Unterstützung entlastet, gerade wenn er es neben dem stressigen Job mal wieder nicht schaffe, bei seinen Eltern vorbeizuschauen.

Der Dienst Seit einigen Jahren ist der Malteser Hospiz- und Palliativdienst im Kreis Trier-Saarburg aktiv – bei stetig steigender Nachfrage. Waren es 2011 noch 18 Begleitungen, stieg deren Zahl 2018 auf 213. Birgit Mainzer ist eine von fünf hauptamtlichen Hospizkoordinatoren der Malteser im Landkreis. Sie stellt klar: „Oft denken Leute bei den Worten ‚Palliativ’ und ‚Hospiz’, dass es ums Sterben geht. Doch es geht um Lebensqualität bei Krankheiten, die nicht mehr heilbar sind. Deshalb lautet unser Leitspruch auch: ,Das Leben gestalten: Bis zuletzt.’“ Schon öfter hätten Menschen, die sie begleitet habe, gesagt: Hätte ich das gewusst, dann wäre ich früher gekommen. Manchmal erstrecke sich eine Begleitung über kurze Zeit, sie könne aber auch Monate oder Jahre dauern.

Die Hospizkoordinatoren kommen aus der Kranken- sowie Altenpflege und der Pädagogik. Zusätzlich haben sie eine Ausbildung als Palliative Care (Palliativversorgung) Fachkraft absolviert, sind also geschult in der psychischen Betreuung von Patienten und Angehörigen und in der Palliativpflege. Die Bedürfnisse der Betroffenen stehen bei ihrer Arbeit im Mittelpunkt. Da Heilen in diesen Fällen nicht mehr möglich ist, geht es darum, Symptome wie Schmerzen, Ängste, Übelkeit, und Juckreiz zu lindern. Alles, was einschränkt und belastet, schaut Mainzer sich an. Sie sagt: „Es gibt viele Möglichkeiten, zu helfen. Nie heißt es: ,Wir können nichts für Sie tun.’“

Neben dieser Symptomkontrolle ist Koordination eine weitere Säule von Mainzers Arbeit. Sie geht der Frage nach, was zu Hause an Hilfen benötigt wird und organisiert werden muss. Die Hospizkoordinatorin hat einen kurzen Draht zu allen Beteiligten wie Pflegediensten, Hausärzten, Palliativmedizinern und Angehörigen. Die dritte Säule der Arbeit, die für die Betroffenen kostenfrei ist und großteils von den Krankenkassen, aber auch über Spenden refinanziert wird, ist die psychosoziale Begleitung. Birgit Mainzer sagt: „Eine schwere Erkrankung ist immer eine Ausnahmesituation – für diejenigen, die es betrifft, und die Angehörigen. Wir wissen um ihre Sorgen und Nöte und können mit Rat und Tat zur Seite stehen.“

Die Ehrenamtler Mehr als 55 Ehrenamtler aus allen möglichen Berufssparten sind beim Hospiz- und Palliativdienst der Malteser tätig. Sie wurden in 100 Unterrichtsstunden in erster Linie für die psychosoziale Betreuung ausgebildet. Sie reden mit den Patienten, spielen, backen, schauen Fotos mit ihnen oder nehmen sie zu kleinen Ausflügen mit – je nach Wunsch der Betroffenen. Mainzer sagt: „Da werden auch mal Späßchen gemacht. Ein Stück Alltag wird so zurück geholt.“

Anbindung ans Krankenhaus Der Hospiz- und Palliativdienst der Malteser arbeitet im Raum Saarburg eng mit Dr. Lucas Wehling, leitendem Oberarzt am Kreiskrankenhaus, zusammen. Mindestens einmal pro Woche treffen sich Mainzer und der Internist sowie Palliativmediziner. Wehling muss auch bei seinen Kollegen immer mal wieder klarstellen, dass bei der Palliativmedizin die Lebensqualität im Mittelpunkt steht, nicht das Sterben. Er spricht von „ehrlicher Medizin“, weil der Mensch an erster Stelle stehe und nicht Apparate. Auch er hat körperliche und seelische Probleme der Patienten im Blick. Wehling: „Wenn ich die Patienten aufkläre, ist die erste Frage immer: Wann kann ich wieder nach Hause?“ Mit der Unterstützung des Hausarztes sei dies möglich, doch da dieser nicht immer Zeit habe, sei der Dienst der Malteser wichtig. Mainzer betont, dass der Hospiz- und Palliativdienst Patienten auch in der Klinik und im Seniorenheim begleite.

Ziehen an einem Strang (von links): Thomas Biewen, Leiter des Hospizdiensts der Malteser, Mediziner Lucas Wehling, Hospizkoordinatorin Birgit Mainzer und Matthias Gehlen, Verwaltungsdirektor der Saarburger Klinik. Foto: Thomas Müller

Der Ambulante Hospiz- und Palliativdienst der Malteser im Kreis Trier-Saarburg ist unter Telefon 0651/1464823 zu erreichen. Mehr Infos unter www.malteser-trier.de

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